2 Mool schloofe… bis zem Morgestraich

4. März 2006 | Von | Kategorie: Nachrichten

«Babbe, was isch aigentlig Fasnacht?» – Fasnacht ist, mein Kind, wenn
einen am Donnerstag Nachmittag jeder Muskel schmerzt, man kaum mehr die
Treppe hochsteigen kann. Wenn man in den Ohren noch das Pfeifen, Trommeln
und Schränzen hört. Wenn man die Goschtym zum Lüften auf die Terrasse hängt.
Wenn man in eine andere Stadt fährt, um dort zu bummeln. Wenn man die Freie
hinunter marschiert und die Leute einen für einmal kennen. Wenn an der
Lämpesitzig die Cliquenspaltung verhindert wurde. Wenn man am
Tambourensilvester hoch und heilig schwört, dieses Jahr öfters in den
Übungsstunden zu erscheinen. Wenn die Nachbarn klagen: «Heert denn das
Pfyffe und Drummle nie uff?», weil im April das erste Ständeli ansteht. Wenn
nach Pfingsten an der GV der Vorstand kein allzu grosses Defizit verkündet.
Wenn am Clique-Grimpeli wieder mal nach der ersten Runde Schluss ist, danach
aber noch einige Runden folgen. Wenn man es geschafft hat, für das
«Eidgenössische» zuhause tatsächlich zu üben. Wenn der Grillplausch im
Theodorspärggli gemütlich und die Velotour ins Elsass nicht zu anstrengend
war. Wenn kurz nach den Sommerferien die Marke aufs Couvert geklebt ist, das
die Sujetliste zum Sujetobmann bringt. Wenn man hoch und heilig verspricht,
im zweiten Halbjahr die Übungsstunden wirklich häufiger zu besuchen. Wenn
das Bümmeli für die Ehren- und ehemaligen Vorstandsmitglieder in ein
gediegenes Lokal führte. Wenn die Clique das Sujet per Akklamation
bestätigt. Wenn vor den Herbstferien die Gipsformen bereit liegen. Wenn kurz
vor Weihnachten der vierte Zeedel-Entwurf im Papierkorb landet. Wenn im
Januar die letzte Übungsstunde im Keller stattfindet und man hoch und heilig
verspricht, bis zur Fasnacht jetzt aber jedes Mal zu erscheinen. Wenn aus
den Langen Erlen wieder Piccolo- und Trommelklänge tönen. Wenn die Bühne im
Festsaal der Messe hergerichtet wird und der Drucker die Bierpässe fürs
Foyer druckt. Und wenn man das Goschtym abholt und das eine oder andere
daran bäschelet. Wenn man nachschaut, ob das Kopfladärnli brennt. Wenn der
Preesi dem Lampenkünstler für das grossartige Werk dankt und die Pfeifer
dieses an den Abmarschort begleiten. Wenn man die warmen Socken überzieht
und verschlafen in die Innenstadt wackelt. Und wenn dann der Tambourmajor
«Achtung!» brüllt und wenn es in den Gassen ganz still wird, bevor es vom
Martinskirchlein mit einem Mal vieri schloot. . .