Montag-Nachmittag: Am Cortège ist die Luft rein

7. März 2006 | Von | Kategorie: Nachrichten

«Follow me» – keine Angst, es handelt sich nicht um einen Beitrag über Frühenglisch. Gefolgschaft erhoffen sich nämlich die Pub-Rueche (eng-dt: Pöb Rueche), deren im wahrsten Sinne bodenständiges Sujet das Grounding (schon wieder Englisch) der Swissair (wieder Englisch), deren Neugeburt als Swiss (schon wieder . . .) und Verkauf an die Lufhansa (kein Englisch) aufnimmt: als «Swisshansa» (. . .). Zum Thema abwärts passt da der Abfall, den die Gugge Ventil-Deifel ins Spiel bringt, denn das Spiel der Gugge sind alles «Abfall-Schugger» in gelben leuchtfarbenen Westen und alten Helmen. Und eines können die Guggenmusik-Abfall-Polizisten gehörig gut: «fäge».

Ratzeputz im übertragenen Sinne lautet auch das Motto der Gugge Negro-Rhygass. Im Vollputz müssen die Schweizergardisten in ihren tollen blau-orangen Uniformen ausgerechnet einen Deutschen bewachen: Joseph Ratzinger, der sich dem Fasnachtsvolk im Papamobil präsentiert. Im Razi-Mobil fahren dagegen die Knochestampfer-Waggis auf und verkünden «habemus carnevalis» (Lateinisch ist gefragt). Nach dem Motto «au mir sinn Pabst» befinden sich gleich dreizehn Päpste auf dem Wagen – Zustände wie im alten Rom oder wie in Röschenz, denn die Negro-Rhygass steigerten: Rom, Romus, Röschenz.

Schön ausgespielt wird der Konflikt vom Lande von den Buure-Lümmel. Ihr Sujet: «S stinggt in der Kirche oder wenn dr Koch eppis loot aabrenne!» Der Wagen ist eine fein und detailreich gestaltete Kapelle, auf deren Kirchenbänken die «Köche» mit weisser Haube sitzen (und die Weste?). Auf einem Kreuz steht In+ri (ohne h) und auf dem Altar dampft es gewaltig – es bleibt offen, ob es sich nur um Weihrauch handelt. Die Krönung bildet die Kanzel, die sich über der Führerkabine befindet – jemand muss offensichtlich auch bei den Buure-Lümmel sagen, wos lang geht.

(Noch) nicht die Kirche ist, aber bereits die Schuhe sind bei den Zoggelispalter entzwei. Auch wenn sie meinen: «Dr Koch, dä ka uns doch», können sie doch nicht ganz von ihm lassen. Auf dem düsteren Wagen tragen sie Werte zu Grabe, wie zum Beispiel «N. Ägschteliebi – gestorben 2006». Die Mannschaft darf hier durchaus so bezeichnet werden, handelt es sich doch um Klosterbrüder. Brüder ganz anderer Gattung folgen: Ohmächtigi Brieder.

Die Wagenclique spielt ihr Sujet sehr diskret aus. Ein Doppelpfeil, der auf der einen Seite durch ein Stromblitz-Symbol gebrochen ist, verweist auf den Totalstromausfall der SBB im vergangenen Sommer. «Mir sin nid stroo(h)mloos», lassen sie wissen. Mit dem «h» in Klammer hat es auf sich, dass die Wagenclique, seit es sie gibt, mit einem Strohwagen unterwegs ist – und dieser ist so umstritten wie die Frage, ob man «Ohmächtigi» auf Baseldeutsch mit oder ohne «h» schreibt (trotz Frühbaseldeutsch von Geburt auf).

Fragen über Fragen, während die Gugge Ziggedreet als Zauberer mit Sternengewand vorbei schränzt. Trotz zauberhaften Tönen fällt mir der Titel des Stücks nicht ein. In Zaubersprache geht die Melodie so: Tää-Täääää / Tä-tä-tä-Täääää / Tää-Täääää / Tä-tä-tä-Täääää. Keine Frage ist hingegen, dass die Schotte-Clique einmal mehr das Ohr mit ihrem gepflegten Spiel verwöhnt. Unsägliches dafür wiederum bei den Rätzebälle. Die Wagenclique beschäftigt sich mit der Basler «Stuhlkult(ur)», der Wagen ist die Stuhlabfuhr, auf der nebst vielen Plastiksesseln auch bunte Sonnenschirme bekannter Getränkelieferanten ins Auge springen. Ebenso bunt sind die Leute angezogen, die in den Cafés sitzen, wohlgemerkt in Kebap-Buden und Crazy-Bars. Die Kneipe der Nasegnybler heisst «Gnybler Gnille» und gehört in der Beizenverordnung zur Gattung der «Kaffi illegaliensis Basliliensis». Da traben schöne alte Tanten in einer Chaise daher, legale Genüsse ankündend: die Crémant-Gumsle. Na dann: Prost und bis am Mittwoch.