Drachen, Zwerge und schräge Vögel

9. März 2006 | Von | Kategorie: Nachrichten

«Hols dr Gaier!» dachte wohl manch ein Aktiver beim Blick in den
grauen Himmel, wo Frau Fasnacht angesichts des nahenden Endes der «drey
scheenschte Dääg» einige Tränen vergoss. Und siehe da, bereits flattern
im kalten Wind die grusligen Geier der Alti Stainlemer herbei, welche
die ersten toten Menschen in Schubkarren mit sich tragen, auch wenn
über Megaphon die Ansage «Kai Panik, mir hän alles unter Kontrolle» zu
hören ist. «Dona nobis tamiflu» sagen dazu lapidar D Costumefratze.

Wir hoffen, dass – Vogelgrippe hin oder her – nicht alle Fasnächtler
diesem grausigen Schicksal erliegen, auch wenn bei dem stürmischen
Wetter die Pausen zwischen den Zügen manchmal länger werden… Ein
Hinweis darauf, dass der «Homo Carneval Vulgaris» vom Aussterben
bedroht ist? Dies befürchten zumindest die Alti Glaibasler, die in
ihrer prächtigen «Wander- und Sonderusstellig» den «Homo C» als
fellbehangenen, keulenschwingenden Urmenschen präsentieren, der seine
Trommelkunst auf Baumstämmen zum Besten gibt.

Die Basler Bebbi haben die Gefahr erkannt und schlagen Alarm: Das
männliche Sperma verliert an Qualität! «Iiberflissig, in vitro veritas»
heisst ihr ganz in weiss gehaltener Zug samt einer liegenden – zu
befruchtenden? – Nana als Requisit.

Dass man angesichts des fehlenden Nachwuchses den eigenen besonders
hegen und pflegen soll, weiss die Alti Richtig, die ihren Zug «Primari
Jubilari – Unseri Glaine sinn die Greeschte» der Jugend widmet.

Doch leider kann man die Augen nicht vor den faulen Eiern im Nest
verschliessen: «Hoppla Schwyz», meinen Die Aagfrässene zum
rechtsradikalen Aufmarsch am Rütli und kommen als hässliche
Nazi-Schweine in Springerstiefeln daher. Wüste Vandalen haben auch die
rotschwarzen Goschdym der Schnooggekeerzli gehörig verschandelt. «Aber
bi uns doch nit!» meinen mit rabenschwarzer Ironie dazu die Rhygwäggi,
die als blau-violette Geier vom bösen Sensemann verfolgt werden.
Vielleicht ein Fall für die Glunggi, die mit ihrem morbiden Zug aus
blutigen, toten Tieren auf ihr Sujet «Dierquääler – Mummeschanz und
Dootedanz!» aufmerksam machen.

Ob der Billigschinken von «Aldi et Obi» von glücklichen Tieren stammt,
wissen wir nicht, aber die «Aldi Kamerade» der BMG werden bissig als
deutsche Armee der Kaiserszeit dargestellt: Hoch zu Ross fallen die
Spitzhelme mit ihren Riesenschnäuzen unter dem Banner des Reichsadlers
in den Schweizer Detailhandel ein.

Anderswo orten dagegen sowohl Spale-Clique wie Giftschnaigge die
Gefahr: Bei der Spale beisst ein China-Drache der Schweizer Kuh ins
Euter, während die Giftschnaigge bereits mit chinesischen
Schriftzeichen übersät sind. «Fertig luschtig!» also das Fazit, das uns
auch der Gundeli-Stamm präsentiert und dabei die eigene Clique an den
Pranger stellt: «Alles verbotte!» Damit ist der Basler Lokalreigen
endgültig eröffnet: Die Plastikstuhl-Posse inspiriert sowohl Rootsheere
(«D Norm isch d Form») und Junteressli wie auch VKB zum «Basler
Stuelgang». Die VKB, die als putzige Einheits-Gartenzwerge in
«Barbara’s Gärtli» wohnen, schleppen sogar ihr eigenes Plumpsklo mit.
Offene Rebellion gegen den Einheitsbrei üben die Wiehlmys, die als
Anarchisten mit Irokesenfrisur und Nietenjacken den Cortège stürmen.

«S isch zem Schreye mit der Freye»: Die Verschnuuffer versorgen in
ihren grauen Anzügen gleich die Weihnachtsbeleuchtung der Freien
Strasse, auch wenn die Breo-Clique «Shopping – 365 Daag Wiehnacht»
proklamiert. Und was passiert mit dem Abfall? «Litteritis Basiliensis»
titeln die Basler Dybli, obwohl die J.B.-Clique Santihans weiss:
«Basler im Exil – Haimwee das hän nimmi vyyl!» Und deshalb als
Putzkolonne mit Besen dem Abfallberg den Kampf ansagt.

Die Exil-Basler dürfen sich besonders über den Zug des Dupf-Club
freuen, der sich mit der Liestaler Rotstab-Clique zusammengetan hat.
Mit «Aadie Hülfteschanz – Regionaali Gedangge ooni Schrangge» setzen
die beiden einen versöhnlichen Schlusspunkt und vereinen in einem
schönen Zug Städter und Landeier. Ein kleiner Trost bleibt den Baslern:
Mit dem witzigen 1. Naarebaschi Fasnachtsmarathon beweist die
sportliche Clique den wenigen Zuschauern, dass in Basel (nicht nur) an
der Fasnacht etwas los ist . . .