Das 24. Eidgenössische Tambouren- und Pfeiferfest war für die Stadt Basel ein grossartiger Werbeträger. In Radio, Fernsehen und der Presse wurde fast täglich über diesen Anlass berichtet. Dies bedeutete einen riesigen Imagegewinn für unseren Stadtkanton. Umso grösser ist die Enttäuschung beim Organisationskomitee über die finanzielle «Unterstützung» durch den Staat. Daher wendet es sich mit einer Petition an die Gesamtregierung des Kantons Basel-Stadt. Diese wurde heute Nachmittag im Hofe des Rathauses um 14.30 Uhr durch OK-Präsident Rolf Spörri dem Staatsschreiber Robert Heuss zu Handen der «Sehr geehrten Damen und Herren Regierungsrätinnen und Regierungsräte» übergeben. «Die zwölf Ressortchefs monieren darin, dass die Regierung die ehrenamtlich geleistete Tätigkeit ihrer Bürgerinnen und Bürger (im konkreten Fall: von über 1’000 Freiwilligen mit gegen 75’000 unbezahlten Arbeitsstunden) nicht mehr im früheren Ausmass unterstützt», so das OK in seiner Medienmitteilung.
Sowohl das OK als auch die vielen Helfer «orientierten sich an einem vielfach bewährten Modell, das die unterzeichnenden OK-Mitglieder viele Jahre lang mitgetragen und mitgestaltet haben: Bürgerinnen und Bürger leisten Fronarbeit, der Staat gewährt als seinen Beitrag zum Gemeinschaftswerk Kostenerlass für die Leistungen der öffentlichen Hand. Diese Aufgabenteilung im Interesse des Gemeinwesens hat in den letzten fünfzig Jahren in unserer Stadt so viele unvergessliche lokale, regionale, nationale und internationale Feste und Grossanlässe möglich gemacht wie in keiner anderen Schweizer Stadt», so das OK in seiner Petition. Denn bei den Vorbereitungen musste es die Erfahrung machen, dass dieses Erfolgsmodell heute nicht mehr trägt. «Im Zeichen von staatlichen Sparvorgaben und Resourcenbeschränkungen konnten uns viele Verwaltungsstellen nicht wie früher im gewünschten Umfang entgegenkommen. Die Regierung selbst hat uns zwar mit der einen Hand einen Betrag aus dem Lotteriefonds gegeben, mit der andern allerdings einen grossen Teil davon in Form einer prozentualen Beteiligung an Leistungen verschiedener Amtsstellen wieder abgenommen», so die ernüchternde Bilanz des Organisationskomitees.
Diese bedauerliche Tatsache hat Jörg Schild als OK-Ehrenpräsident schon in seiner Festansprache angesprochen. «Sie alle sind Mitbürgerinnen und Mitbürger, die für Basel Stadtmarketing im wahrsten und besten Sinne betrieben haben. Deshalb vertrauen sie auch darauf, dass auch der Staat seinen Teil zu solchen Festen jeweils beiträgt. Dieser darf seine angagierten Bewohnerinnen und Bewohner nicht alleine lassen. Es kann, bei aller dankbaren Anerkennung erfolgter staatlicher Unterstützung ja nicht sein, dass einerseits grosse Lotteriefonds-Beiträge gesprochen werden, die jedoch zu einem grossen Teil anschliessend für in Rechnung gestellte Aufwendungen wieder in die Staatskasse zurückfliessen».
Gerade heute, wo sich private Sponsoren kaum mehr finden lassen, verabschiedet sich auch der Staat Schritt für Schritt aus dem Gemeinschaftspakt. Daher die mahnenden Worte des Oks am Schluss der Petition: «Wir weisen Sie mit Nachdruck darauf hin, dass unseres Erachtens unter den geschilderten Bedingungen Private in Zukunft nicht mehr in der Lage – und auch nicht bereit – sein werden, als Gratis- und Freizeitorganisatoren die grossen Feste dieser Stadt auf die Beine zu stellen. Die Konsequenz für Basel wird sein: Entweder verzichtet Basel auf solche Anlässse und auf die Auswirkung, die Sie bei anderen Gelegenheiten im Rahmen Ihrer Stadtmarketing-Aktivitäten immer wieder anstreben und teuer bezahlen. Oder Sie delegieren die Durchführung grosser Festanlässe in Zukunft an professionelle Institutionen, was Sie mit Sicherheit wesentlich mehr kosten wird als ungeschmälerte Beiträge aus dem Lotteriefonds und Kostenerlass für die Leistungen ihrer Regiebetriebe.»



