Das Fasnachtskiechli bewirtschaftet eine Marktlücke, respektive den USP, wie man heute sagt, auch im 2016 hervorragend. Den beiden Künstlern gehört grosses Lob für ihre Parforceleistung, vor allem bei den Solo-Nummern. Vor der Pause sind allerdings einige Wortbeiträge etwas sehr flach, doch folgt im zweiten Teil eine klare Steigerung. Grossartig auch die Pfyffergrubbe „sGäälvomAi“.
Die Schlagzeilen in diesem Medium während den letzten Wochen sprachen Klartext: „Fasnachts-Theater höchster Güte“ (Pfyfferli) – „Ein wirklich gelungener Geburtstag“ (Mimösli), „e heerligi Naase voll Fasnacht“ (Ridicule), „Einfach formidabel!“ (Fasnachtsbändeli) und „erstklassige Unterhaltung“ (Charivari – noch vor der Première). Man könnte meinen, im See dieser Superlativen, bei der Höhe der Messlatte, die von den „Kollegen“ gesetzt wurde, kann das Fasnachtskiechli ja nur absaufen! Ich war deshalb sehr gespannt auf den Premièren-Abend des Fasnachtskiechlis, welches im Vorfeld auch nicht gerade unbescheiden von den beiden Machern als „DER Vorfasnachts-Kracher in Basel“ annonciert wurde.
Einführend muss, ohne Wenn und Aber, geschrieben werden, dass sich das Fasnachtskiechli im SCALA mit seiner Spezialität – Almi und Salvi sind zumindest auf der Bühne fast alleine – noch immer klar abgrenzt von den Fasnachts-KMU’s im Volkshaus, am Spaalebuggel, beim Häbse und im Badischen Bahnhof. Und wenn man ganz objektiv sein will, muss man den beiden für diese Parforceleistung schlicht und ergreifend ein grosses Lob aussprechen. Sie haben eine Marktlücke gefunden und sind sich seit bald zehn Jahren nicht zu schade, sich zur Schau zu stellen. Das braucht Mut, ein unglaubliches Selbstbewusstsein und viele, viele Fans. Das haben sie alles. Und dafür gibt’s einen grossen Applaus.
So. Nun aber: Das Fasnachtskiechli 2016 ist eine wirklich gute Sache. Mit den üblichen Abstrichen zwar (jetzt hört doch mit diesen schlimmen Schwulennummern auf!), aber: es hat mir gefallen. Die Jungs beherrschen das Handwerk und spielen sich die Seele aus dem Fasnachtsleib. Auch wenn einige (allerdings wenige) Texte und Pointen teilweise richtig billig daherkommen. Die beiden ersten Nummern und die White-Dinner-Schwulen-Nummern habe ich schon wieder aus meiner Erinnerung gestrichen. Mir haben die nicht gefallen, sie waren billig getextet und einfach nicht spannend mit zweifelhaften Pointen (Basel ist eine SS-Stadt. Was? Hejo, e Schloofstadt…).
Aber dann gings los: Die Soli von Salvi als übergewichtiger Frusthaufen oder von Almi, als todgeweihter Fasnächtler (Gratulation für den Mut zu diesem tintenschwarzen Text, wo das Publikum echt daran zu kauen hatte) sind in der allerobersten Liga der Fasnachtstexte anzusiedeln. Oder der rhythmische Trommler und die Szene mit einem Lebensmüden und seinem vermeintlichen Retter: Das sind Nummern mit Niveau und Qualität und mit Pointen, die wirklich weit über der Gürtellinie liegen. Wie schon im letzten Jahr: Als Solisten sind die beiden wirklich Sonderklasse!
Die zweite Programmhälfte bot noch mehr solche Hammerstücke: Almis Fasnacht im Militär oder die absolut berührende Geschichte von Salvi mit seiner zweiten Stimme: Das Fasnachtkiechli bietet nun auch vermehrt Texte mit viel Emotionen und Gefühlen. Sind das die neuen Texter? Dann der Volltreffer des Abends: Die beiden parodieren Schnitzelbängge: Singvogel, Dr. FMH, Tam Tam – schonungslos, zum Brüllen. Und dann noch Almi als Übersetzer einer baseldytschen Ansprache des Tourismusdirektors. „Almi und Salvi“ wird dann zu „Adonis und Rollmops“. Herrliche Wortspiele.
Ein absoluter Mehrwert ist auch die Pfyffergrubbe „sGäälvomAi“. Pfyfferkunst von Pfyfferkoriphäen. Klare, schöne, virtuose Pfyffersoli und ein paar Klamaukeinlagen – ich kann mir vorstellen, für Tambouren etwas too much. Aber dem Publikum hats gefallen: Vor allem die Steppnummer mit Almi. Ein halbes Jahr Steppkurs bei Angelo Borer – und der Saal tobt!
Alles in allem ergibt das eine fette „Standing Ovation“ beim Schlussapplaus. Die beiden stehen bachnass auf der Bühne und lassen sich feiern. Das ist richtig so.
Fasnachtskiechli 2016: Vom Donnerstag 14. Januar bis Samstag 13. Februar 2016 im SCALA Basel, Freie Strasse 89.
(Spieldaten unter: www.fasnachtskiechli.ch)



