Pfyfferli 2007: Eine wunderbare Einstimmung auf die Fasnacht

10. Januar 2007 | Von | Kategorie: Nachrichten

Dass die Ausgabe 2007 des Pfyfferli wieder ein voller Erfolg wird, das bewies die gestrige Première. Das illustre Publikum aus Wirtschaft und Politik im ausverkauften Theater Fauteuil jedenfalls war restlos begeistert und verabschiedete die Akteure nach gut zwei Stunden mit nicht enden wollendem Applaus. Dabei verlief der Auftakt nicht wie geplant. Denn zu Beginn musste Regisseur Rolf Lansky bekanntgeben, dass sich Urs Bosshardt, vorgesehen als Rahmenspieler, in der Nacht auf Sonntag, 7. Januar schwere Verletzungen zugezogen habe, weshalb er für den Auftakt leider ausfalle. Doch dank des Einspringens von Caroline Rasser, Sylvia Bossart und Co-Regisseur Martin Schurr konnten seine Rollen binnen kürzester Frist umbesetzt werden.

Die Qualität der Rahmenstücke reicht von «befriedigend» bis «Spitze!». Das Ensemble – in den klassischen Fasnachtskostümen Alti Dante, Blätzlibajass, Dummbeeter, Harlekin, Pierrot und Waggis – präsentierte sich zu Beginn nach Basler Revue und endlosen Pfyfferli-Proben als «Säggs miedi Krieger», welche jedoch bis zur Fasnacht wieder topfit sind. Ebenfalls müde waren Text und Pointen von «Schuggerdraim», wo sich zwei Polizisten beklagen, dass sie nach Ansicht der Leute alles Lätz machen würden. Im «’s Säggsilüüte-Kommando» wurde den Zürchern der Böögg geklaut und nach Basel gebracht. Soll er beim FCZ gegen den Meisterpokal eingetauscht werden? Nein, ein prominenter Abnehmer wartet schon. Das Ensemble ist in «D’ Regio-Maschine – „mir ziehn alli am glyche Strigg“» wie Marionetten miteinander verbunden. Optisch wunderschön inszeniert, doch textlich etwas schwach. In «Emergency Room» muss eine Patchwork-Familie erfahren, dass auf der Notfallstation keine Patienten behandelt werden, die ausländische Generika eingenommen haben. Nicht rot-blau, sonder rot-weiss ist Trumpf bei «EM 08 oder ein Fall für zwei». Grossartig, wie hier die ähnlichen Eigenschaften der beiden Gastgeberländer Österreichs und der Schweiz persifliert werden. Singenderweise mehr Toleranz, sowohl zwischen weiss, gelb und schwarz, als auch zwischen Mekka, Rom und Jerusalem wird im «Arabi 07» gefordert. Der absolute Höhepunkt aber ist «Z’ Edinburg am Rhy, joo dert mecht y syy». Drei Soldaten, ein Deutscher, ein Skandinavier und ein Schotte schwärmen vom militärischen Flair der Tattoos. Sie bedauern, dass es an der Fasnacht nicht so zackig zu und her geht. Doch beim Schweizer Psalm und Amazing Grace fliessen bei allen Tränen der Rührung. Die Parodie des Top Secret Drum Corps löste beim Publikum wahre Begeisterungsstürme und «s Maximum»-Rufe aus.

Einmal mehr hat Max Afflerbach für Colette Greder eine Super-Solonummer geschrieben. Am Piano von Arth Paul begleitet begeistert sie als Elsässerin, welche mit einer grossen Tasche an den Carneval de Bâle kommt. Denn «Vo de Wääge kunnt dr Sääge», so ihr Motto. Daher fordert sie vom Comité, viel mehr Wagen zuzulassen. «So ein Tag, mit 120 Wääge!», das wäre ihr grösster Wunsch.

Die musikalische Palette der acht Pfeifer und drei Tambouren reichte von traditionell bis experimentell. Mit einem wunderschönen «Spalebuggel 12» (letztes Jahr von Arth Paul fürs Pfyfferli geschriebenen) eröffnete die Pfyffergruppe den musikalischen Reigen. Grossartig die auf der Geothermie-Baustelle spielende «Retraite Chantier». Das Zusammenspiel von Trommel, Hämmern und Bohrmaschine gelang vorzüglich und erntete entsprechenden Beifall. John Ciaglia arrangierte in «Red House – e Konzärtli» drei traditionelle Stücke aus dem 16., 18. und 19. Jahrhundert. Die vier Pfeifer spielten zwar hervorragend, doch für manchen Zuhörer war das Stück eher ungewohnt. Die Pfyffer- und Tambourengruppe – in Gefängniskleidung – spielten zusammen an der Bar noch «Dr Rossbolle» von Michael Robertson, Trommeltext Albert Bachmann, und als Abschluss – diesmal im Schottenlook – einen wunderschönen «Duudelsagg».

Die an der Première auftretenden Comitébängg legten für die an den folgenden Abenden auftretenden Kollegen die Messlatte ziemlich hoch. Der «Schwoobekäfer» gefiel dank sauberem Vortrag und sehr guten Pointen über das Basler Wasser, den FCB, die Eros-Ausstellung und Papst Bendedikt. Grossartig der Auftritt vom «Doggter FMH» mit Schwester Erika. Seine Helgen sind gemalte Röntgenbilder. Die Themen natürlich die Krankenkassenkosten, das neue Casino, das Läggerli-Huus, der gewundene Roche-Turm und Blochers Türkei-Reise.

Zum Abschluss eines kurzweiligen Abends stand nochmals das Ensemble mit «’s zieht is uuse» auf der Bühne. Und nach dem traditionellen Schlussreffrain:

«’s ligt aifach ebbis in dr Luft,

drum stirz Di ins Getümmel.

’s ligt aifach ebbis in dr Luft,

dr Bebbi isch im Himmel»

durfte das ganze Team den wohlverdienten, langanhaltenden Schlussapplaus entgegennehmen.

Weitere Fotos vom Pfyfferli 2007 gibt es in unserer Fotogalerie.