Da ist sie wieder: die Mutter aller Vorfasnachts-Veranstaltungen. Die Premiere des Monstre-Trommelkonzertes – vulgo Drummeli – ist untrügliches Zeichen dafür, dass «die drey scheenschte Dääg» unmittelbar vor der Türe stehen. Entsprechend heizt der traditionelle Epilog das Fasnachtsfieber nochmals so richtig an – sollte er zumindest. Tut er aber nur bedingt. Und wann gab es schon einmal, dass bei einem Vortrag nur ein Tambourmajor auf der Bühne steht? Doch alles schön der Reihe nach.
Musikalisch lässt die Leistungsschau der Cliquen bereits seit Jahren kaum Wünsche offen, das ist auch beim 2007-Jahrgang nicht anders. Allerdings: Traditionelle Märsche sind und bleiben wohl in der Minderheit. Dagegen lässt sich das Gebotene nach geografischen Gesichtspunkten gliedern – Globalisierung ist Trumpf: Die Wettstai-Clique reist mit «Let’s go» (Comic- und Kriegsbilder wechseln sich auf der Projektionswand ab) in die USA, wohin ihr die Sans-Gêne mit dem «Monty-Sousa-Holbai-Swing» (mit prächtig-beinreichem Osso-Bucco-Bühnenbild) folgt. Die New Yorker Silhouette taucht kurz auch bei der J.B.-Clique Santihans auf, ihr «GloBâle» (mit vielen Fragmenten wie dem «Baslermarsch» oder «Dudelsagg») gleicht jedoch der buchstäblichen Weltreise. Kurzzeitig verregnete Grüsse gibts in der Folge von den Schnooggekerzli mit dem «Irländer» (da wird selbst das Spalentor so grün wie mancher Fasnächtler am Donnerstagmorgen…), während die Schnurebegge mit den «Brite 79» (Motto: Union Jack im Multipack) «very british!» auf der Nachbarinsel gestrandet sind. Wie auch die Rhygwäggi als schottische Hochlandrinder-Herde – «Dudelsagg»stark! Noch schottischer gehts beim Gugge-Auftritt zu, den die 60-jährige Schotte Clique bestreitet: «The Highland Cathedral» (mit 10 Dudelsäcken «in the myst»!) lässt Gänsehaut aufkommen – der zweite Teil («Way to your heart») mit Rock’n’Roll-Begleitung ist zwar ein Stilbruch der gröberen Sorte, aber letztlich nicht minder überzeugend.
Aber auch rassig französisch (respektive welsch) gibts gleich im Doppelpack: «Auprès de ma Blonde» zeigt die Rhyschnoogge zunächst in einer herrlichen Gässleszene in der Ochsengasse, während es bei den Basler Rolli mystisch-martialischer zugeht: «Aux Armes Genève», befehlen sie in historischen Uniformen unter lautem Donnergrollen – die entstehenden Lichteffekte hätten durchaus auch in Erich von Dänikens Alienwelt gepasst. Militärischen Melodien bedienen sich auch die Spezi: Unter ihrer «Biggelhuube» sind allerdings ausrangierte (um nicht zu sagen: kaputte…) Schweizer Uniformen auszumachen – und diesen stilistischen Spagat untermauert Soldat Läppli mit einem sauberen Trommelsolo. Klatschmarsch!
Experimente fehlen nicht. So etwa dasjenige der Spale-Clique, die sich für das «Ohremyggeli» Verstärkung von der Big Band der Hochschule für Musik geholt hat. «Spale meets Jazz» bleibt indes ein von beiden Parteien stark vorgetragener Auftritt, der sich nicht so recht vereinen will. Als Experiment darf durchaus auch bezeichnet werden, dass die Basler Dybli dem «Brandenburger» (mit Johann Sebastian Bach höchstpersönlich auf der Bühne) erstmals einen Trommeltext unterlegt haben. Prädikat: gewöhnungsbedürftig. Wie auch bei den «Veegel» der Glunggi. Selbst der trommelnde Kritiker kommt nicht umhin, diese Form von Märschen schweren Herzens eher der Pfeifergilde zu überlassen. Fast schon avangardistisch, ja, mummenschanzartig fällt der Auftritt der Junteressli mit ihrem «James Bond» aus: Nach dem Grundsatz «Black is beautiful» werden Bond-Melodien dargeboten – und wie es sich gehört, bietet die Bühnenshow bewegungstechnisch viel «Action». Gesangseinlagen und Sousaphon-Begleitung bringen die Gundeli mit auf die Bühne: «dr Pinkuin» gibt nicht nur farblich die Marschrichtung vor, die Geldgeberinnen verabschieden sich auf der Drummeli-Bühne von ihrer Idee eines «Hohlariums».
Demgegenüber gibts (glücklicherweise) die Traditionalisten: Mit Junte-Verstärkung bringt die Alti Richtig für ihren «Naarebaschi» einen riesigen Trommelharst auf die Bühne. Noch tiefer in die Kiste greifen die Vereinigten Kleinbasler mit dem «Gugger»: Was die Komponisten Hans Vogt und Fritz Berger vor 50 Jahren in den Wald schrie(be)n, kommt nun als herrliches Echo auf die Drummelibühne zurück. A propos Bühne: Auf dieser steht der Tambourmajor der Alti Glaibasler (AGB) am Ende des «Festival Marsch» alleine – aber glücklich. Denn er hat eine Wette gewonnen: Jene Wette, wonach er im Rundhof der Messehallen den Marsch ansagen, unter strengem Blick der Kameras das Gebäude wechseln und im Festsaal abwinken werde. Ein Schelm, wer vermutet, dass die projizierten Bilder gar nicht «live» sein müssten (sind sie aber).
In diese Kategorie «grandios» auch fällt der Auftritt der Breo: «Carlo Conti’s Spaarochester spiilt dr Unsquare Dance» reisst das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin. Wegrationalisiert wurden die Tambouren, doch bei denen ist so manche Krücke selbst mit einem Saichhääfeli zu rhythmischen Höchstleistungen fähig – und das ist nicht «top secret». Viel Spektakel «last but not least» bei den Alten Stainlemer und ihrer «Celebration World Tour 2007», die den musikalisch-geografischen Faden scheinbar zu Ende spinnt. Die als Bebbi gekleideten Tambouren lassen uns am Ende des Auftritts mit famosem Trommelgewitter wissen: «Zuhause ist es eben doch am Schönsten.»
Drummeli im Grossen Festsaal der Messe Basel heisst Massenauflauf. Rund 1200 Mitwirkende werden während drei Stunden über die riesige Bühne geschleust – von links nach rechts, von rechts nach links. Das sind in etwa gleich viele Personen, wie im Publikum sitzen, und entsprechend beeindruckend ist es, wie speditiv der Regieablauf gelingt. Innert Sekunden steht das nächste Bühnenbild – und dieses ist heuer desöftern sehr beeindruckend. «Châpeau» für die Ideenschmiede der einzelnen Cliquen! Beispielsweise für jenen, der für die «Drummel- und Pfyfferschuel» der Sans Gêne Strizzi prächtig die Geschichte von Peter und dem Wolf inszeniert hat: farblich stimmig, musikalisch grossartig, mit herrlichen selbstgemalten Helgen.
Blieben die Wortbeiträge: Zwischen gut und formidabel präsentieren sich die beiden Comité-Bängg «Gluggersegg» und «Peperoni», im Sport würde man den Begriff der bestechenden Frühform strapazieren. Gesanglich allewyl ein Ohrenschmaus sind die Heiligen Drei Könige, äxgysi «Gluggersegg», die am Blumenrain von ihren Sockeln heruntergestiegen sind. Herausragend die beiden Verse über die SVP-Ziege («Die hänn sich letschtlig sälber glyymt, wenn d dänggsch, was sich uff Zottel ryymt») und zu den Nebenwirkungen des Geothermie-Projekts («Wär nid gumpt, dä isch kai Basler…»). Auch beim «Peperoni» sind die Erderschütterungen natürlich Thema: Zu seinem 20-jährigen Bühnenjubiläum (félicitations!) reisst er das Publikum förmlich von den Sitzen. Ein Popstar unter den Bängglern, quasi.
Raamestiggli? Jä, jä, die gibts auch. Und wie! Zum Englisch-Unterricht im Hinblick auf die «Euro 08». Zu Basel als Dauer-Baustelle, wo die Baizen-Polizeistunde auf 16 Uhr angelegt wird, damit wegen den vielen Umleitungen bis 24 Uhr alle zuhause sind. Zum obligaten Polarium, das «rappend» zum Solarium mutiert. Oder als «Kammerfurz», der nun mit nichts und gar nichts zufrieden ist. Und sie untermauern allesamt, dass sie das Drummeli-Sorgenkind sind. Dabei ging es auch anders: Etwa dann, wenn Gigi Oeri im Stück «13. Mai» weinerlich «I had a Dream – vom ene Maischterteam» singt oder Zubi als Papageno-Verschnitt bekennt: «Der Fliegenfänger bin ich ja.» Aber als müsse sich das Stück in einen ganz schwachen «Rahmen-Jahrgang» eingliedern, wird der Abgang verpasst und mit einem banalen Ende versehen. Schade.
Zahlreiche Impressionen gibts im Verlauf der Woche in unserer Foto-Galerie.
| Livebilder vom Monstre
Die Breo Clique bietet seit der Premiere Livebilder mit Backstage-Impressionen an. Im Zweitages-Rhythmus gehen neue Videoclips online, die entweder von der Breo-Homepage, via iTunes oder via das Internetportal Youtube heruntergeladen werden können. |



