Gundeli-Gniesser: Der Genuss folgt auf dem Fuss

15. Februar 2007 | Von | Kategorie: Nachrichten

Sie haben zwar ihre eigene Formation gegründet, sind aber Gundelianer geblieben: Die Gundeli Gniesser, die nun 25 Jahre alt sind.

Als im Jahr 1982 einige Mitglieder der Gundeli-Clique ihre Füsse zu spüren begannen, war die Gründung einer Alten Garde beschlossene Sache. Doch die Gundeli Gniesser liegen seither nicht auf der faulen Haut: Mit ihren imposanten 60-köpfigen Zügen könnte man sie gar für eine Stammclique halten.

«Wir haben uns damals vor einem Vierteljahrhundert noch nicht alt gefühlt», erinnert sich der Cliquenchronist Fritz Egger, der seit dem Gründungsjahr 1949 stolzes Gundeli-Mitglied ist: «Wir wollten einfach die Fasnacht geniessen.» Da lag es auf der Hand, dass die Alte Garde sich den Namen Gundeli Gniesser gab. Als Logo wurde eine leicht adaptierte Version des Gundeli-Signet gewählt: Der Ueli hält bei den Gundeli Gniesserseither ein Weinglas in der Hand! Doch wer nun denkt, dass die Gundeli Gniesser statt beim Cortège zu laufen lieber ein Baize-Dyyrli machen, liegt total falsch: «Unsere Route ist zwar ein wenig kürzer, aber sonst haben wir fast dasselbe Programm wie unser Stamm», betont Fritz Egger, der lange Jahre Obmann der Gundeli war – bei fast 60 Aktiven ist auch wenig verwunderlich, dass die Kiebitze zweimal hinsehen müssen, um zu bemerken, dass da eine Alte Garde aufmarschiert.

Dass sie einen «richtigen Zug druff» haben, wie Egger schmunzelnd bemerkt, beweist auch der Blick in die Geschichte der alten Garde: Hier finden sich liebevoll
gestaltete Züge und Sujets en masse. Bei ihrer ersten Fasnacht 1983 liefen die Gundeli Gniesser zwar noch als Charivari-Ziigli, kündigten aber sogleich ihr Programm im Zeedel an:

«En-alti Garde simmer noonig

Das saage mir do mit Bedoonig

Mir sin, so main-y, kaini Biesser,

drum simmer ebbe d’Gundeli Gniesser.

Bereits in den nächsten Jahren stellten die Gundeli Gniesser ihren Einfallsreichtum unter Beweis: So begeisterten sie etwa Ende der 80er Jahre mit dem Sujet «Mi Name isch Haas – I weiss alles», wo der gute Bischof als Hirte die Hasen-Tambouren anführte. 1993 sorgte die Alte Garde als «Uriella» samt Heiligenschein für Furore, und zwei Jahre später bekam Pfarrer Felix Felix für seinen Tiergottesdienst in der «Elsbethe» sein Fett ab. Ein aussergewöhnliches Sujet war 2000 die «China-Affäre» um den unhöflichen Staatsbesuch von Jiang Zemin bei Ruth Dreifuss: Die alt Bundesrätin wurde damals nämlich von einer Tambourmajorin verkörpert!

Das Geheimnis ihrer prächtige Züge lüftet Obmann Peter Dürrenberger: «Es beginnt mit der Hirnete, bei der basisdemokratisch Ideen gesponnen werden.» Die Ergebnisse des Brainstorming setzt die Sujetkommission dann um, wobei Wert auf schöne, aber günstige Goschdym und Larven gelegt wird. Der Laternenmaler bekommt dagegen für seine eindrucksvollen Werke Künstlerfreiheit – er ist in Zumikon domiziliert…

Nicht nur diese Reise nehmen die Gniesser gerne auf sich: In bester Erinnerung hält die Alte Garde auch den Besuch des «Palio»-Pferderennens 1998 in Siena, als sie im schwarz-weissen Basler Kostüm ein «Ständeli» vor der Bürgermeisterin halten durften.

Eine Bütten-Rede in Mainz

Als etwas verfrühtes Jubel-Ereignis besuchte die Alte Garde samt familiärem Anhang im September 2005 die Mainzer Karnevalsgesellschaft, was nicht nur für Egger «den absoluten Höhepunkt der letzten Jahre» darstellt. Neben einem Platzkonzert durften die Gniesser dabei auch einer echten Bütten-Rede beiwohnen. An der letzten Fasnacht folgte dann der Gegenbesuch einer Mainzer Delegation, die sich von den «drey scheenschte Dääg» begeistert zeigte.

In Basel treffen sich die genussfreudigen Fasnächtler gerne zum Essen im «Pfauen», oder im Keller des Thierstein- Schulhauses, wo auch sämtliche Laternen gelagert werden. Und damit die Füsse an der Fasnacht bis spät nachts nicht allzu sehr schmerzen, macht sich jeden Monat eine «intensive Wandergruppe» auf, die Region ausserhalb der Gundeldinger Heimat zu erkunden.