Zyschtig, Tag der Kleinen und Tag des Nachwuchses. Wer je daran gezweifelt hätte, ob es solchen überhaupt gibt, sah sich einmal mehr eines Besseren belehrt, die Bingisse kamen in grosser Zahl in die Fasnachtszone in der Innerstadt. So klein sie zum Teil auch sind, sie machen Fasnacht wie die Grossen.
Die meisten allerdings nicht zu Fuss, sondern sitzenderweise, im Leiterwägeli und ähnlichen Gefährten, oder auch auf grösseren und ganz grossen Wagen. Von oben herab üben sie sich im Cortège-Machen, das Werfen von Däfeli und Räppli geht schon ganz gut. Und wer noch nicht so weit kommt, benutzt ein grosses Teesieb mit einem langen Stecken, um den Räpplisegen auf den Köpfen zu verteilen. Aber halb so schlimm, es kommt bestimmt ein anderer von hinten mit dem Fluumer, um den Kopf wieder abzuwischen.
Diejenigen, die schon selber gehen können, schleppen die Räppli in Maxi-Plastiksäcken mit, oder aber in Mamis Einkaufswägeli, das zu diesem Zweck entfremdet wurde.Die Mamis überhaupt, sie sind unentbehrlich. Sie ziehen und stossen die Wägeli, putzen die Schnudernase und trocknen die Tränen, wenn es ihrem Binggis doch etwas zu viel wird. Aber die Kleinen zeigen Ausdauer, beispielsweise ein nicht einmal Dreikäsehoch, der mit seinem Junteressli den ganzen Barfi abrennt.
Andere machen schlapp wie jener kleine Leopard, dem auf dem Märtplatz auf den Schultern von Papi die Augen zufallen. Daneben schläft ein Kleiner selig in seinem Kinderwägeli, während auf dem Wagen der Dänggwärzli-Waggis die Gugge Nachtrueche ohne Larven aufspielt – was für ein «Vorbild».
Bei den Goschdym dominiert eindeutig der Waggis, wohl weil dies am besten zu den Räppli passt. Viele haben aber auch ein Sujet und sind entsprechend gewandet. Auf dem Wagen der Trotzkepf steht folgendes: «Eene . . . meene . . . mei – Polarium komm herbei!» Auf dem Handwagen hat es darum unter anderem Hexen und Hexer.
Die Racksacker Waggis haben sich das Thema Doping vorgenommen – ein paar Phonak-Fahrer, und schon ergibt sich das Sujet «Dophak». Die Windle-Füller fahren gleich mit zwei Wagen vorbei und haben genau so den Plausch wie die Hääfi-Hogger und die Desperate Waggis. Letztere verraten noch etwas Wichtiges: « Jeder Waggis hat ein schmutziges Geheimnis», steht da angeschrieben. Ganz begriffen haben wir das allerdings nicht, denn von oben herab leuchten unschuldige Kinderaugen.
Der Verkehr und der Betrieb sind enorm, zwischen Barfi und Märt ist kaum ein Durchkommen, und die Grüppli müssen, wenn sie vorwärts kommen wollen, sich in eine Art Cortège einreihen. Am Märtplatz wird auf beiden Seiten paradiert. Das hat sich im Laufe der Jahre einfach so ergeben.
Jung und Alt geniessen diesen Zyschtig, obwohl die Sonne nicht kommen will. Aber es wird nicht nass, das ist klar die Hauptsache. Und wären die Binggisse nicht irgendwann müde geworden, würden sie noch immer Räppli werfen.



