«Isch das nit famoos, au mir sinn bewilligungslos!», verkünden die sieben alten Wäägeler des Daig-Affe-Club. Ihr grosser Wagen ist rundum mit schwarzem Plastik verhüllt, sie selbst marschieren hintendrein in drei Spielzeugwagen vor dem Comité den Steinenberg hoch – eine nette Idee. Auf der Gegenseite haben es auch die rund 30 Gaschtro-Noome mit dem Comité. Sie schränzen als schwarz-rote Edelwaggis vorbei und meinen zu den gut behuteten Damen und Herren des hehren Fasnachts-Gremiums: «Misched Eych doch nit z vyl dry!» Und das war’s dann für eine geraume Zeit schon auf der inneren Route, auf der es immer wieder zu grösseren Pausen kommt. Wahrscheinlich sonnen sich die Fasnachtsgruppierungen unterwegs, denn völlig wider Erwarten hat die Sonne an diesem zweiten Cortège-Nachmittag das Szepter übernommen.
Schauen wir also weiter Richtung Bankenplatz, wohin sich eine ganze Wagenkolonne hochwälzt. Der Wagen der Warteck-Rueche führt ein Labor und eine Gefängnis-Zelle mit sich, und die Waggis sind als Doping-Polizisten auf der Route. Die Luscht-Melch finden es gar nicht luschtig, jedenfalls sitzen sie in der Schuluniform auf dem Wagen, pardon im Klassenzimmer. Und die Schinebloser-Waggis sind im wahrsten Sinne des Wortes teuflisch schön – bei ihnen ist Feuer im Dach, und der Wagen stellt folgerichtig ein abgebranntes Haus dar. Mit dem Feuer und Dach ist Basel gemeint, und was hier alles so schief läuft oder gelaufen ist.
Brennen oder eben nicht, ist auch bei den Gwürztraminer-Waggis aktuell, welche die lange Pause bergab Richtung Seibi beenden. Ihr Sujet heisst «Advent, Advent, (k)ein Lichtlein brennt», der Wagen mit Tännchen und Kerzen spricht an, doch über die Aussage des Sujets rätseln manche am Strassenrand. Ihnen folgt der Wagen der P(r)oscht Waggis, den sie schlicht zu den «Waggis Indoors» umfunktioniert haben. Nicht einmal «King Rodscher», so ihr Sujet, dürfte das beherrschen, was diese Wäägeler beherrschen: Sie «werfen» Räppli und Orangen mit dem Racket . . .
Die Krach-Schnygge, die in diesem Moment im Kontermarsch vorbeiziehen, scheinen mit ihrem kräftigen Schränzen diesen sportlichen Künsten Beifall zollen zu wollen. Applaus verdient hat zweifellos die Guggemusig Ohregribler, die mit «T.N.U.M.H.S.B.» (The new uniformed music high school Basel) die Basler Schuluniformen originell und mit grossem Aufwand aufs Korn nimmt und erst noch glänzend schränzt. Dass Guggen in Sachen fantasievoller Sujet-Ausarbeitung manch einer guten Stamm-Clique in nichts nachzustehen brauchen, beweisen gleich anschliessend die instrumentenlosen Glaibasler Schränzbrieder. Sie thematisieren den 13. Mai, voraus fährt der Wagen als Muttenzer Kurve mit dem perplexen, konsternierten und heillos überforderten Security-Team, ihr Major, respektive Majorin ist eine imposante Gigi Rootloos, im (Gaischter)Spiel marschieren H-Ueli-gans mit Transparenten, auf denen sie kundtun, dass sie auf keinen Fall mehr Geisterspiele erleben wollen. Wir übrigens auch nicht . . .
Keine Geister, vielmehr geistvoll sind die Wäägeler der Herremättli-Clique, der wohl ältesten Wagen-Clique überhaupt (Jahrgang 1921!). «Basel het furchtbari Syte» heisst ihr Sujet, das Dach des Wagens besteht aus grau-schwarzen Wolken, die Rückseite stellt ein rabenschwarzes Spalentor dar. Auf dem Wagen intrigieren Abzocker, Mimösli und Konsorten. Intrigieren, das können die «Acapiggels» der Chropf-Clique Rieche hervorragend, sie ziehen jedenfalls eine Show wie in Las Vegas ab. Nichts von – vielleicht vorhandenen – Intrigierkünsten hört man bei den Räre-Waggis, weil ihre gut vier Meter grosse Räre alle menschlichen Töne im Keim erstickt.
Wunderheerlige Guggentöne sollen den Schlussakkord unter den zweiten Waage- und Guggecortège setzen. Die Schränz-Gritte, an die 60 orange-schwarze Ölscheiche, dann die Gugge Mohrekopf mit einem «siesse Bolle» als Major und «Zuggerschuum-Schoggiwafflegoldnaase» und last, but not least die 60 Chinesen der 60-jährigen Schotte-Clique blasen und schränzen uns vor, wie eine echte Gugge zu sein hat. Bravo!



