Folgen des tragischen Fasnachtsunfalls

21. August 2007 | Von | Kategorie: Nachrichten

Der Wagen der Schnäggejätter, der am Fasnachts-Mittwoch den 6-jährigen VBK-Binggis überfuhr und tötete, gehörte nicht zu jenem Drittel, welches die Polizei beanstandete. Dieser Wagen entsprach allen Vorschriften und der Alkoholtest beim Chauffeur ergab einen Promille-Wert von 0,0. «Ein solch schlimmer Unfall kann man nie mit Garantie verhindern», sagte der Obmann des Fasnachts-Comités, Felix Rudolf von Rohr, denn auch gleich zu Beginn der ausserordentlichen Info-Veranstaltung über die Wagen-Sicherheit. Eingeladen in das Restaurant Volkshaus hatte das Comité zusammen mit der Verkehrsabteilung der Kantonspolizei und der IG Wage, mehrere hundert Vertreter von Wagencliquen, Cliquen mit Wagen und Chauffeure waren gekommen. Aber, so Rudolf von Rohr gestern Abend, man müsse alles unternehmen, um das Risiko einer weiteren Tragödie so gering als nur irgend möglich zu halten.

Dazu wollen die Polizei und das Comité zwar keine grundsätzlich neuen Sicherheitsvorschriften für die Wagen aufstellen, aber die bestehenden ergänzen oder präzisieren. Neu wird im Polizei-Reglement Folgendes festgehalten: «Zum Schutz des Publikums sind Zugfahrzeuge und Anhänger seitwärts, beziehungsweise am vorderen und hinteren Ende der Fahrzeugkombination bis 25 Zentimeter über dem Boden mit festen Materialien zu verkleiden.» Bisher war diese Forderung nur in den Richtlinien des Comités in abgeschwächter Form enthalten. Comité und Polizei verlangen ausserdem, dass der Raum zwischen Zugfahrzeug und Anhänger auch mit elastischen Materialien – zum Beispiel mit Spiralfedern – gesichert wird. Bisher war im Reglement zur Abgrenzung nur von Stoffbändern, Tuchwimpel oder ähnlichem die Rede.

Diese Forderungen müssen bis zur nächsten Fasnacht umgesetzt sein. Die Polizei will statt wie bisher mit zwei Mann gleich mit 15 Leuten in Dreier-Teams die Wagen kontrollieren. Kontrollen werde es zu Beginn des Cortèges, an Einfahrpunkten und nachher mobil auf der Route geben. Wer die Vorschriften nicht erfüllt, muss im extremsten Fall mit einer Verzeigung an das Basler Strafgericht und dem Ausschluss aus dem Cortège rechnen. Neu will das Comité auch eine Eigendeklaration von allen, die an der Fasnacht mit Wagen unterwegs sind. Auf einem A4-Blatt muss zum Beispiel eingetragen werden, wo und wann der Wagen gebaut wird und welche Versicherung die Clique hat. Sowohl Obmann, als auch Fahrer und Fahrzeughalter sollen mit ihrer Unterschrift auf der Eigendeklaration bezeugen, dass sie die Vorschriften mit ihrem Wagen einhalten.

Comité und Polizei empfehlen den Wägelern ausserdem, die Abhaltewirkung der harten Rundumverschalung bis 25 Zentimeter über Boden zu verstärken und zwar mit elastischen Materialen (z.B. schwerem Stoff oder Hart-Gummi), die bis maximal 10 Zentimeter über dem Boden zu liegen kommen. Dies sei primär ein zusätzlicher Sichtschutz, damit Kleinkinder allfällige Dääfeli unter den Wagen weniger gut sehen. Ausserdem sollen alle Wagen vorne am Zugfahrzeug zwei Spiegel montieren, um den toten Winkel für den Fahrer auszuschliessen. Diese zwei Punkte sollen erst in drei bis fünf Jahren obligatorisch werden, im Moment formulieren Polizei und Comité sie wohlweislich als Empfehlungen, die auch noch Änderungen erfahren könnten. Die teils heftige Kritik daran liess nicht auf sich warten. Spiegel vorne am Zugfahrzeug seien schlicht ein Blödsinn und bringen gar nichts, meinte gestern ein Chauffeur, die Gummi-Verschalung bis 10 Zentimeter über Boden würde kaputt gehen, sobald der Wagen auf ein Trottoir fährt, bemängelten andere.
Einige Votanten fanden gleich jegliche neue Massnahmen für die Wagen-Sicherheit übertrieben. Immerhin zwei Obmänner sprachen sich aber voll für die gestern präsentieren Massnahmen aus, wer sie nicht erfüllen könne, sei ein schwacher Wagenbauer.

Roger Borgeaud, der Präsident der IG Wage, verwies auf eine eigens gründete dreiköpfige Sicherheitskommission. IG Wage, Polizei und Comité riefen die Anwesenden dazu auf, ihre Meinung zu den neuen geplanten Regeln in den nächsten Wochen kundzutun. In Sachen Wagen-Sicherheit nach dem tödlichen Unfall dürfte das letzte Wort noch lange nicht gesprochen sein.

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Homepage IG Wage