Schräger Guggesound vor der Barfüsserkirche

16. September 2007 | Von | Kategorie: Nachrichten

Acht Jahre lang fand der Sternmarsch der «Basler Guggemusig Gmeinschaft BGG» zur Unterstützung einer privaten Hilfsorganisation aus der Region, welche sich um behinderte Menschen kümmert, im Oktober, und zwar am Donnerstag nach den Herbstferien statt und endete stets auf dem Marktplatz. Die neunte Ausgabe fand erstmals an einem Samstag statt und endete auf dem Barfüsserplatz. Organisiert wurde der Event bei herrlichem Indian-Summer-Wetter von der Gugge «Mohrekopf».

Ab 12 Uhr brutzeln auf den Grills Bratwürste und Klöpfer und an den Getränkeständen bilden sich kleine Warteschlangen, denn das warme Wetter macht durstig. Die Kulisse ist eindrücklich: auf der einen Seite die Barfüsserkirche mit dem Historischen Museum und vis-à-vis hoch oben der Lohnhof und die Leonhardskirche. Und geboten wird den am Nachmittag immer zahlreicher aufmarschierenden Zuschauern echter Gugge-Sound.

Punkt 13.30 Uhr eröffnet der Schlag der Gugge «Mohrekopf» mit «Zehn kleine Negerlein» die musikalischen Darbietungen. Dann setzt die ganze Formation mit «Who the fuck is Alice», der «Swiss Lady» und dem «Fäärimaa» ein. Während sich die «Glaibasler Schränz-Brieder» vor dem Irish Pub an der Heuwaage für ihren Auftritt stärken, besammeln sich nebenan die «Rätsch-Beeri» für ihren Marsch. Vorbei an vielen Zuschauern in den Strassenbeizen der Steinenvorstadt, dann geht es den Steinenberg hinauf und die Freie Strasse hinab. Mit «Ein Schiff wird kommen» zieht die Gruppe in der Gerbergasse an den «Pumperniggel» vorbei und schwenkt dann auf den Barfüsserplatz ein, wo sie eine Viertelstunde lang die Zuschauer unterhält. Unter ihnen ein kleiner Junge mit einem Windrädli. In der Mitte steht SP, die Farbe des Windrades ist – grün!

Die «Rätsch-Beeri» werden abgelöst von den in grauen Hemden und schwarzen Hosen einheitlich gekleideten «Pumperniggel». Ihnen folgen die «Ohregribler». Deren Tambourmajor erweist sich als Schauspieler par excellence. Gestenreich reisst er seine Truppe zu Höchstleistungen mit. Drei Snar-Drums geben den «Räpplischpalter» einen besonderen Sound. Zum Wetter passend intonieren sie «You are my sunshine». Dabei sitzt die Band kurz ab um spielend zu sünnele. Die «Glaibasler Schränz-Brieder» – mit zahlreichen «Schränz-Schweschtere» – erzählen musikalisch dass «Marmor, Stein und Eisen bricht». Als sechste Formation stellen die «Grunz Gaischter» ihr musikalisches Können unter Beweis. Den Abschluss machen die «Orginal Chnulleri». Alle sind sie in vornehmes Schwarz gekleidet, sogar ein kleiner Junge mit seiner Bassdrum. Sie verabschieden sich mit «See you later alligator».

Auf den sieben Routen und auf dem Barfüsserplatz wird durch Helfer eifrig für die «Insieme-Vereinigung für Kinder mit Down-Syndrom» gesammelt. In ihr haben sich Eltern und Freunde von Kindern mit Down-Syndrom zusammengeschlossen, um sich gemeinsam für sie einzusetzen. Da viele Eltern nichts von der Vereinigung wissen, werden demnächst alle Kinderärzte angeschrieben und auf die Vereinigung hingewiesen.

Als Down-Syndrom (DS), früher unter dem Begriff «mongoloid» bekannt, bezeichnet man eine spezielle Genommutation bei Menschen. Neben für das Syndrom als typisch geltenden körperlichen Merkmalen sind in der Regel die kognitiven Fähigkeiten des betroffenen Menschen beeinträchtigt, so dass es zu geistigen Behinderungen kommen kann. Bis heute figuriert das DS nicht auf der Geburtsgebrechenliste der IV. Das bedeutet für die Eltern, dass vieles, das mit der Behinderung zusammenhängt, von der IV nicht übernommen wird. So die Physiotherapie, Schuheinlagen, Heilpädagogisches Reiten oder Musiktherapie. Solange ein Kind noch klein ist, spielt die familiäre Integration die Hauptrolle. Mit dem Alter nimmt das Bedürfnis nach Aussenkontakten zu. Integration in der Spielgruppe oder im Kindergarten wird noch häufig versucht, mit dem Schuleintritt ist aber der Weg für Kinder mit DS meist klar gegeben: der Besuch der Heilpädagogischen Schule. Das DS behindert die Betroffenen auch später bei der Berufswahl.

Weitere Informationen:
Basler Guggemusig Gmeinschaft BGG

insieme – Vereinigung für Kinder mit Down-Syndrom