Mit dem «Fasnachtskiechli» gab die jüngste der Basler Vorfasnachts-Veranstaltungen am 2. Januar im Kirchgemeindesaal St. Joseph den Startschuss zur Saison 2008. Es soll Basels kleinste und originellste 2-Personen-Vorfasnachts-Veranstaltung werden, so die Initianten «Almi & Salvi». Der Ablauf entspricht bewusst jenem des «Drummeli». Zwischen Prolog und Epilog kommen Rahmenspiele, Musiknummern und Schnitzelbängg. Das Premierenpublikum war gespannt. Ein ganzer Abend mit nur zwei Darstellern, die gleichzeitg Texter sind. Kann das gut gehen? Um es vorweg zu sagen: Es ging nicht nur gut, sondern sogar sehr gut.
Begeisterndes Programm
Der «Prolog» findet im Larvenatelier statt. An einer weissen Wand hängen eine Alte Tante, ein Waggis, ein Dummpeter und ein Prinz Carneval. Sie wundern sich, dass die Fasnacht schon beginnt, wo doch der Nikolaus noch nicht im Schwarzen Wald zurück ist. Sie streiten sich, wer die Fasnacht erfunden hat, ob Basler oder Rheinländer. Und sie bedauern, dass diese immer mehr zu einer grossen Leistungsschau wird. Als Rahmenspieler zeigen Patrick Allmandinger und Renato Salvi ihr ganzes cabaretistisches Können. In «Herzog & Apéro» sind sie zwei Stararchitekten, welche den Nobelpreis der Künste erhalten haben. Nun wollen sie ganz Basel abreissen und wieder neu aufbauen.
In «Fit fir Basel» wird ein Sizilianer (Almi) auf dem Einbürgerungsbüro in Schweizerkunde geprüft. Der bekannteste Schütze ist für ihn nicht Tell, sondern Winnetou – und der höchste Schweizer Berg der Schuldenberg. In der «Kindergrippe» nervt er als Sebastian seine Kindergärtnerin (Salvi).
Herrlich der «Herreusflug»: Zwei Berner in Sennentracht erzählen wie sie die Fasnacht erlebt haben. Da morgens um vier Uhr Stromausfall war, wurde der Umzug am Nachmittag wiederholt. Dabei störte sie, dass die Musikkapellen zu wenig geübt hatten und falsch spielten. Als dann am Abend in einem Kellerlokal ein paar Hooligans zum «yyneschtäche» und «aabeloo» aufforderten, stellte es ihnen komplett ab. Etwas langatmig die «Euro 08», wo sich ein Deutscher und ein Polizist streiten. Lustig dagegen der folgende Werbefilm. In «Zimmer für Basel» zeigt Massimo Ceccaroni die Angebote, welche von einer Donna über –minu und einem Clochard bis zu Ralph Lewin reichen. Alle werden von Almi und Salvi dargestellt. Köstlich amüsiert sich die Baselbieter Regierungsrätin Sabine Pegoraro, als sie von Almi gespielt auf der Leinwand erscheint. In Solonummern brillieren Almi als «Dr Deyfel» und Salvi als Kellner in «Dr Gilles».
Musikalisches Multitalent
Dass die beiden Komödianten auch als Bänggler eine gute Falle machen, beweisen sie als «Die Zämmegwirflete» und «Die Duschte». Ob zusammen in den Musiknummern «Fasnachts-Medley», «Gugge» und «Mini-Tattoo», oder solo in «Metamaphose» zeigt Almi sein Können als Tambour, in «Body-Percussion» sogar ohne Trommel. Daneben erweist sich Salvi als wahres Multitalent. Ob Tuba, Trompete, Posaune, Susaphon oder Handorgel spielt für ihn keine Rolle, er beherrscht sie alle. Dass er zudem noch ein guter Komponist ist, beweist er auf dem Piccolo mit dem wunderschönen Pfeifermarsch «Fasnachtskiechli». Im «Epilog» räumen die beiden als Larvenmaler ihr Atelier auf, wobei sie Seitenhiebe an die sieben Basler Regierungsräte verteilen. Langanhaltender Schlussapplaus erzwingt eine Zugabe. Dann stehen beide strahlend auf der Bühne. «Ein Stein ist uns vom Herzen gefallen», verkündet Almi, und beide finden: «So, d Fasnacht ka koo».
Weitere Fotos vom Fasnachtskiechli gibt es in unserer Fotogalerie.



