Trotz der allgemein grassierenden Verbotitis haben die Studenten der Zofingia in der letzten Nacht wieder ihre Tradition aufleben lassen, und Plakate an Hauswände geklebt. «Wir wollen zurück zu den Wurzeln», sagte Zofingia-Präsident Michael Wieser gestern vor den Medien. Die Tradition der Mordnacht, die seit 1942 besteht, soll den Neumitgliedern weitergegeben werden. Mit der Mordnacht machen die Zofinger auf die älteste Vorfasnachtsveranstaltung, das Zofinger-Conzärtli, aufmerksam.
Das Kleben von Plakaten an Hauswände ist illegal, weshalb die Zofinger auch schon mehrmals wegen «wilden Plakatierens» mit mehreren tausend Franken gebüsst wurden. Vor drei Jahren übertrieben die Studenten allerdings masslos und überklebten sogar Strassenschilder. Da platzte der Polizei der Kragen und sie beschlagnahmte – zum Gaudi der Studenten – Leitern, Klebstoff und Plakate. Die Bussen mussten aus der Vereinskasse berappt werden.
Wieder richtige Mordnacht
In den letzten zwei Jahren hängten die Zofinger tausende von Luftballone in der Stadt auf. Diese wurden allerdings schnell zerstört und von der studentischen Mordnacht war am «Morgen danach» kaum etwas zu sehen. Nun also wieder «back to the roots». Die jungen Männer suchten das Gespräch mit den Verantwortlichen im Sicherheitsdepartement. Ein informeller Austausch habe stattgefunden, sagte Wieser. Gleichwohl rechnet er mit dem Eingreifen der Polizei und mit Anzeigen.
Die Anwohner erhielten in diesem Jahr erstmals eine Information. Darin teilen die Studenten mit, dass die Plakate mit «mit unschädlichem, auf natürlicher Basis hergestelltem Fischkleister befestigt» wurden. Die Plakatkleber zeigen sich auch bereit, die unerwünschte Conzärtliwerbung wieder zu entfernen. Der Flyer enthält eine Telefonnummer und eine e-mail-Adresse. Geschädigte Hausbesitzer können sich dort melden, und die Studenten versprechen, «so bald als möglich» den Schaden zu beheben. «Wir sind auf den Goodwill der Bevölkerung angewiesen», sagte Wieser.
Die Zofingia Basel mit rund 400 Aktiven und 3000 Altherren lädt am 24. Januar zur Première ihres Conzärtlis unter dem Titel «Hypothekenkriese in der Elefantenrunde» ein. Im Theaterstück, das die Studenten selber schreiben und aufführen, werden Ruth Genner, Präsidentin der Grünen Schweiz, UBS-Boss Marcel Ospel und Bundespräsident Pascal Couchepin als Opfer, den Stigglilyyche, ausgespielt.
Alles Laien-Schauspieler
Stiggliregisseur Valentin Manetsch machte darauf aufmerksam, dass die Semesterumstellung ein grosses Problem darstellt. Die Erarbeitung der Sketches, das Einstudieren der Texte und die Proben würden in die Prüfungszeit der Universität fallen. Die Männer seien Laienschauspieler, «das unterscheidet unsere Vorfasnachtsveranstaltung von allen anderen», betonte Manetsch.
Die Studentenverbindung wurde 1819 in Zofingen gegründet und zählt über 13 Sektionen. In Basel gibt es eine Studenten-Gruppierung und seit 2002 eine Sektion an den Mittelschulen.



