Zürcher Attraktionen am Vogel Gryff

12. Januar 2008 | Von | Kategorie: Nachrichten

Der Kleinbasler Festtag beginnt für die meisten mit einem morgendlichen «Lääberli-Ässe» – so auch für den Schreibenden. Als er sich zu diesem Zwecke dem Hotel Merian näherte, entdeckte er erstens davor eine sich sichtlich amüsierende Menschentraube davor und zweitens einen Abschlepp-Lkw, der gerade daran war, ein falsch parkiertes Auto aufzuladen. Bevor noch Mitleid mit dem armen Automobilisten Platz greifen konnte, kam das Kennzeichen des Autos zum Vorschein: «ZH». Na dann… die Stimmung war bereits gesichert.

Diese Stimmung verbesserte sich noch bei den besagten «Lääberli» und steigerte sich trotz verhangenem Himmel zu einem ersten Höhepunkt, als das Floss mit dem «Wilde Maa» den Rhein hinunter kam. Ein Kompliment der Mannschaft auf dem Floss, speziell den Kanonieren, die es auch in diesem Jahr fertig brachten, genau unter der Mittleren Rheinbrücke Böller und damit den berühmten Doppelknall loszulassen.

Die nächste Frage galt den Ehrengästen, und alles studierte, wer wohl die Landesregierung vertreten würde. Fehlanzeige, kein Bundesrat beehrte den Vogel Gryff, dafür Basels Regierungspräsidentin Eva Herzog, CMS-Chef Lukas Faesch und Schauspieler Walter Andreas Müller – von dem nachstehend noch die Rede sein wird.

Es folgte der sehr langgezogene (rund 5 Std.) Höhepunkt des Gryffemähli mit der traditionellen Meisterrede. Etwas wirr im Auffbau, aber immerhin mit deutlich mehr Fleisch am Knochen als vor drei Jahren gestaltete sich das Werk von Rebhaus-Meister Ruedi Grüninger. Seinen Akzent setzte er auf die kommende Euro, und er ortete in Basel dazu mehr Euro-Phobie als Euphorie. Es sei aber auch blauäugig, der Versicherung der offiziellen Stellen zu glauben, die Veranstaltung werde sicher ablaufen. Auch sei es bedenklich, dass Behörden und Politik Nebenschauplätzen wie dem Mehrwegbecher mehr Gewicht einzuräumen scheinen als der Frage, ob Leib und Leben sowie das private Eigentum genügend geschützt sein werden. Grüninger gab sich aber doch positiv: Wenn sich Gast und Gastgeber ihrer Rollen bewusst würden, könne es durchaus zu einem gelungenen Fest werden.

Drei Ehrengäste sprachen ebenfalls zu den versammelten Gesellschaftsbrüdern, wobei sich BAK-Chef Christoph Koellreuter wohl an einem ökonomischen Seminar wähnte und die Zuhörerschaft erst langweilte, dann nervte. Wesentlich besser kam Bürgerrat Lukas Faesch rüber, der in kurzer und prägnanter Form über das Wirken der CMS im «minderen Basel» informierte. Der dritte Ehren-Redner aber schlug dem Fass den Boden aus – und das als Zürcher!

Der Schauspieler Walter Andreas Müller – kurz WAM – überbrachte mit perfekter Mimik, Gestik und Stimme nicht nur die Grüsse von nicht weniger als drei Bundesräten. Er outete sich auch als begeisteter Gast des diesjährigen Ehrenfestes und schloss seine mit einer Standing Ovation umjubelte Rede mit dem Satz: «Ich ha gmeint, s Sächsilüüte sygi s Fescht vo de Fescht – jetzt weiss ich, dr Vogel Gryff isch s bescht.» Was also mit einem unglücklichen Zürcher begann, endete mit einem zu Recht gefeierten Limmat-Bürger.