Köstlicher Klamauk am Charivari 2008

13. Januar 2008 | Von | Kategorie: Nachrichten

Das Mundartrock-Stück «Kaini Träne mee» dürfte vielen Besuchern des Charivari nach Schluss der Vorstellung in den Sinn kommen, denn nach so viel Lachen fehlt wohl dem einen oder der anderen gänzlich das Augenwasser. Derart viele Gags und solchen Klamauk hat man auf der Volkshaus-Bühne wohl selten bis nie gesehn. Die feine Art des Humor ist es nicht immer, aber immer kann vermieden werden, zum reinen Schenkelklopfer zu mutieren.

Die Handlung ist rasch erzählt: Marco will sich zuhause auf DVD den Fasnachtsquerschnitt gönnen, wird dabei aber laufend von seiner bald-ex-Freundin mit Beziehungsgequatsche, seiner liebestollen Nachbarin mit Avancen und seinem volltrunkenen Freund mit Beziehungsproblemen gestört. Das Geschehen findet damit auf zwei Ebenen statt: unten in Marcos Wohnzimmer, oben als TV-Übertragung.

Diese Rahmenhandlung bietet wunderbar Platz, sämtliche fasnächtlichen «Must»-Nummern einzubauen und gleich noch tüchtig zu veräppeln. Perfekt gelingt dies im Querschnitt-Ausschnitt des Mimösli (O-Ton: die Vorfasnachts-Veranstaltung mit den sensationellen Innovationen), in denen «Thomas und Thomas» ein Revival erleben. Da dies Marco nervt, schaltet er auf schnellen Vorlauf, was die beiden pfeifenden «Tattergreise» zu ungeahnten Fingerübungen zwingt. Auch technisch eine grandiose Leistung von Stephanie Schluchter und Barbara Naef.

Auch sonst wird mit deftigem, aber nie niveaulosem Humor nicht gespart. Dies etwa, wenn ein sehr tattriges Comité am «Drummeli» die jubilierende Clique ehrt oder ein Schnitzelbangg namens «Zipfelhirini» so ziemlich sämtliche bekannten Formationen (besonders brilliant bei Peperoni, Ständerlampe und Striggedde) imitiert. Etwas schwächer war die Ridicule-Parodie; die Lesung der Miville-Sujetliste ist im Original deutlich lustiger.

Da am TV auch kräftig rumgezappt wird, kommt das Publikum in den Genuss der Parodie verschiedener anderer Sendungen und Personen und erfährt etwa bei «Regio aktuell», warum die Schweiz im Sommer nicht Europameister wird: Weil Gigi Oeri ja auch nicht Miss Schweiz wird. Diese Nummern werden von «Edelmais» (René Rindlisbacher und Sven Furrer) gespielt – und das Pubilkum hat dabei echt Mühe, vor Lachen nicht von den Stühlen zu fallen.

Die schauspielerischen Leistungen des diesjährigen Charivari-Ensembles stehen dem aber keineswegs nach. Herrlich überdreht Rosetta Lopardo als nymphomanische Nachbarin, ebenso irr Roland Herrmann als besoffener Freund Marcos. Marco selbst (Andreas A. Aelter) und seine Freundin Franziska (Cécile Gschwind) können sich nicht ganz so entfalten, haben aber auch nicht derart dankbare Rollen. René Häfliger als Querschnitt-Moderator spielt sich selbst und dies – wen wunderts? – überzeugend.

Sensationell auch die musikalischen Nummern. Nicht zuletzt, weil auf der virtuellen Querschnitt-DVD nicht nur gezappt, sondern auch zurückgespult und in Zeitlupe abgespielt wird, können sich «Schäärede» (die «Aeschlemer» rückwärts spielen und vorwärts laufen respektive umgekehrt), «Basstarde» (Bass-Nummer mit Müllcontainer) und «Glunggi» an schwersten Übungen versuchen und alle Herausforderungen bestehen. Dazu kommt eine Traumnummer von Edith Habraken als weltweit einzige Flamenco-tanzende-und-gleichzeitig-Basler-Trommel-spielende-Holländerin.

Kritikpunkte sind kaum anzubringen. Vielleicht wirkt die romantische Nummer eines Glühbirnchens, das gerne in einer Kopflaterne leuchten würde, etwas zu kitschig, und vielleicht fällt die «Hundebesitzer-Nummer» im zweiten Teil etwas ab. Auch erschliesst sich dem Betrachter nicht, wieso die «Schränz-Gritte» vor der Pause himmeltraurig falsch spielen müssen, bevor sie im zweiten Teil so richtig schränzen. Dies sind aber nur Nuancen. Als Fazit des Charivari 2008 bleibt, dass man Tränen gelacht hat und danach nur eins wünscht: Dass die Fasnacht auch so lustig werde!

Weitere Impressionen vom Charivari gibt es in unserer Fotogalerie.