Drummeli 2015 (2. Teil): Drummeli integriert

8. Februar 2015 | Von | Bilder: Dennis L. Rhein | Kategorie: Top-Thema, Nachrichten

Die Pfeifer integrieren Tambouren, die Bläser den Schlag und die Rahmenstiggli sich selbst. Aber ebenso werden Jam, Basler Gassenhauer und nachdenkliche Töne in das diesjährige Drummeli integriert.

Nach der Pause tragen die Schnooggekerzli das Stadtlied „z Basel an mym Rhy“ auf ihre Weise vor. In ihrem Stammlokal/Cliquenkeller/Übungslokal, der Stainemiili, können sich in einem ganzen Haus die Tambouren und Pfeifer der Jungen, des Stamms und der Alten Garde am selben Abend austoben und austauschen, was zu einem abwechslungsreichen Bühnenbild führt.

Die Alte Glaibasler (AGB) stellen den „AGB-Käller-Jam“ vor. Was sich groovig anhört, sieht beim ersten Blick ganz anders aus. Kellertiere mit vier bis acht Beinen versuchen sich mit Fasnachtsmärschen, welche sie im Cliquenkeller zuvor gehört haben. So entsteht eine Ohrwurm-Kakophonie quer durch die Basler Fasnachtsmärsche. Sehr rockig und ideenreich vorgetragen.

Auf einen Pastis laden die Basler Dybli das Publikum ein. Zwischen Boulangerie und Baguette spielen sie „Auprès de ma blonde“, welches nicht der schönen Maryline sondern einer französischen Maid zu Zeiten des Sonnenkönigs gewidmet wurde. So schwelgt das Publikum im „savoir vivre“ und riecht beinahe schon den Änis und den Lavendel.

Einen Husarenritt bieten die Sans Gêne mit „dr Ungar“. Cornelius Buser hat mit diesem Marsch, in Zusammenarbeit mit Patrick Hersberger, einen lüpfigen Marsch kompiniert, welcher Melodien aus ganz Ungarn zusammenfasst. Das Bühnenbild war schön dargestellt.

Die Breo verspürt Frühlingsgefühle. Mit „Veronika“ und im Frack intonieren sie ein Stück, bei welchem der ein oder andere Zuschauer sicherlich mitsummt. Es bleibt zu hoffen, dass die Breo so viel Applaus ernten, dass der Frühling möglichst bald in Basel Einzug hält. Schön zu hören ist, dass die Tambouren neben Taktgefühl auch ihr musikalisches Talent zeigen. Ein wunderbares Zusammenspiel zwischen Pfeifern und Tambouren.

Das Rahmenstiggli „He, Alte, bisch für Masseywanderig?“ bringt viele aktuellere Themen von einer ganz anderen Seite auf den Punkt. So wird aus Balkan-, bzw. Balkonsicht aus Cliquen Burkaträger und das Wort Stammverein stammt von den verschiedenen Menschenstämmen ab. Wenn man die Cliquen untereinander anschaut, scheint dies nicht allzu weit hergeholt zu sein. Sehr scharfzüngig und kritisch gewinnt diese Materie mit dem Balkanslang.

Bitte nehmen Sie die Ausfahrt „Basel Nord„. Aber das ist nicht die Ausfahrt ins Gundeli, sondern der Marsch, welcher die gleichnamige Clique vorträgt. Die Gundeli-Tambouren haben sich für den in der schweizer Trommelwelt sehr bekannten Wettkampfmarsch entschieden. Ein Marsch, bei welchem es sich lohnt, nicht die Überholspur, sondern die Ausfahrt zu nehmen. Trotz der grossen Schwierigkeit des Marsches konnten die Gundeli-Tambouren mit ihrer sauber vorgetragenen Trommelkunst überzeugen.

Die Seibi sind in diesem Jahr nicht mit Trommel und Piccolo auf der Bühne, sondern als „Seibi-Stroossebängg“. Die Helge sind Luftballons, welche die gesungenen Verse unterstützen.

Wenn man Velo, Fanfarekorps und Fussball in einem Satz sagt, sucht ein Fasnächtler nach dem Zusammenhang. Diesen gibt es aber tatsächlich und zwar mit „dr Keenig der Basler Rolli. Der velofahrende Fanfarekorps Koniklijke brachte das Stück nas Basel Tattoo 2010. Der holländische Komponist wurde durch ein Fussballländerspiel inspiriert und so ist der Zusammenhang hergestellt. Königlich Mitklatschen kann das Publikum auf jeden Fall. Alle Pfeifer waren zusammen und ergaben mit den sauberen Streichen der Tambouren ein musikalisch harmonisches Bild ab.

Der Zuschauer sollte nun sitzen bleiben und nicht sofort in die heimische Küche rennen um das Rezept auszuprobieren. Denn das „Nunnefirzli“ der VKB ist doch hörenswert. Damit sich die Köstlichkeit jedoch nach dem Drummeli nachbacken lässt, liefert die VKB noch das Rezept dazu. Köstlich, sowohl Auftritt wie auch Gebäck.

Die Alti Stainlemer 1912 sagen ganz klar: ja zur Männerclique. Obwohl ihr Auftritt mit „L‘ illusion de la Retraite masculine“ auf den ersten Blick typisch männlich scheint, zeigt schon der erste Ton eine ganz andere Facette. Männer unter dem Zepter von Frau Fasnacht.

Die Grachsymphoniker stehen seit 50 Jahren ein. Aus diesem Grund haben sie „Yystooo – Basel Medley“ geschrieben und stehen mit diesem Stück auf der Bühne. Mitsingen ist ausdrücklich erwünscht, da jede Baslerin und jeder Basler die zusammengetragenen Stücke kennen sollte. Wunderbar arrangiert und vorgetragen.

Summa summarum gab es von Seiten der Stammvereine im musikalischen Sinn innovative Vorträge. Dass die Möglichkeiten der Bühnentechnik genutzt werden, bietet dem Publikum nicht nur Abwechslung für die Ohren sondern auch für die Augen. Die Rahmenstiggli sind hingegen wenig innovativ. Aktuelle Themen werden vergebens gesucht und Altes wird von der hintersten Kellerecke hervorgeholt. Spitze, nachdenkliche Motive werden kaum gefunden und dargestellt. Somit ist der 2. Teil des Drummeli ein solider Jahrgang, bei welchem mehr Wert auf die Musikalität gelegt wird.

Mehr Bilder von der Premiere gibt es in der Drummeli 2015 Galerie.