«Mir spiile us», heisst das Motto der Fasnacht, und einige der Cliquen zeigen grandios, wie man das so macht, viele mit schauspielerischem Talent. Solches ist beim Dupf-Club zweifellos vorhanden. Die Herren (der «Dupf» ist eine der bekennenden reinen Männercliquen) kommen in schwarzen Hosen und grauen Hemden, musizieren nicht, und sie tragen ein Kreuz, das die Form des weiblichen Geschlechtssymbols hat. Und schwer ist das Kreuz: sie sinken in die Knie, mögen die Trommel kaum tragen, brechen auf der Strasse immer wieder zusammen, müssen von den Kollegen mitgeschleift werden. Und auf dem Requisit steht die einzige Frau des Zuges, eine (schwarz gewandete) Domina mit Geissel in der Hand. Das Spektakel ist ein Riesen-Gaudi, bravo.
Ein ebenso ernstes Thema bringt die VKB – den Dreck, der überhand nimmt. Gesammelt ist er in der Ladärne, ein Abbild unserer Zivilisation. Vorne weg laufen im Vortrab Leute der Stadtreinigung, die Pfeifer und Tambouren sind verschiedene Arten von «Sauhünd» mit schönen Hundekopf-Larven.
Politisch und sackstark die Alten Stainlemer: «Hailigi Aifältigkeit» lautet das Sujet, es geht um Christoph Blocher und dessen SVP, die die Wahrheit für sich gepachtet haben. Weiss gewandet wie eine Sekte werben sie um Mitgliedschaft, für den rechten Weg, und auf Demo-Fahnen halten sie das Konterfei des abgewählten Bundesrates hoch. Ein feiner Zug, mit bissiger Kritik an dem Stück, das in der realen Welt von der ausgespielten Partei gespielt wird. Chapeau!
Rindviecher, die tapfer jeden Gorps und jeden Furz unterdrücken («verheebe»), laufen als Pfeifer und Tambouren des Central Club Basel, aus aktuellem Anlass in Closed Cow Broject umbenannt. Um die produzierten Gase geht es, ums Klima und um die Zukunft (oder das Ende?) der Welt schlechthin. Die angebotene Lösung: Man steckt der Kuh einen Zapfen in den Hintern, und aus ist es mit den austretenden Gasen… doch so einfach ist es natürlich auch nicht. Aber ein tolles Sujet.
«S letschte Tabu» heisst es bei der Lälli-Clique, und sie räumt gleich auf damit. Die ganze Clique marschiert als Waggis, Alti Dante, Ueli, Blätzlibajass, alle fast ganz in weiss, und alle tragen auf dem Rücken eine Fahne mit, auf der der Name eines Sponsors prangt. Ja, die Lälli haben sich sponsern lassen, und stehen offen dazu. Auch der Tambourmajor hat seine Unschuld verloren – das Sujet ist ein Thema, das in der Szene noch viel zu reden gibt.
Aufgetischt wird viel Chinesisches, dies gleich von mehreren Einheiten. Die J.B.Clique Santihans, mit nobeln Chinesen im Vortrab und Drachen im Spiel. Ein «Buffet chinois riche» richtet der Barbara-Club an – notabene mit einem grossen Tambouren-Harst. Die Wettstai-Clique schliesslich spielt den «Bamb us China» aus – diese Chinesen tragen einen wahren Bambuswald über die ganze Cortège-Route. Dass China im Kommen ist, hat auch Kehrseiten, davon steht im Zeedel: «Vom Kommunismus simmer wägg, au mir sin Kapitalischte. Jezt hämmer drfir e huffe Drägg und kennen en nimm ussmischte. Mir konschtatiere: Nid alles isch im Fluss, au in dr Luft isch d Sauerey…» Die gelbe Gefahr und Ähnliches ist im übrigen öfter zu sehen.
Die Alte Glaibasler wollen Basel wachrütteln – «Zem Deifel mit dr Rue» heisst das Sujet. Mit dem Requisit wird gelärmt auf alle Arten, es sind Teufel in roten Gewändern am Werk, ebenso im Spiel, farblich eine Pracht. Um das Lärmverbot dreht es sich, und um die Quintessenz: «Schloof wyter Basel, dief und fescht. Und verdryb no dyni letschte Gescht.» Das selbe Thema bei den Versoffene Deecht – «pssst!», heisst es da. In schwarz und gelb marschiert die Clique vorbei, im Gesicht eine weisse Hand, die den Zeigefinger auf die Lippe legt – «psssst!» eben. Die Schlurbbi der Schnurebegge sind vom Lärmverbot gar schon so eingeschüchtert, dass sie gar nicht pfeifen und trommeln…
Mit einer anderen Basler Besonderheit hat es die Spale-Clique: «Me git nyt!» Heute wird sehr wohl gegeben, für Kunst und weiss nicht was, nur beim Blutspenden gibt sich der Bebbi rar. Also marschieren schwarze Gestalten im Zug, mit weiss-fahlen, ausgemergelten Köpfen mit Blutspritzern, den Blutsaugern. Makaber und eindrücklich. Im übrigen präsentiert sich die Spale mit einem zahlenmässig riesigen Spiel.
Auch mit Angst haben es die Rhygwäggi zu tun, die als Russen-Horde auftauchen und gleichzeitig vor diesen warnen. Blutig verschmiert die Naarebaschi – aber bei ihnen geht es um Wahlkampf ohne l, also Walkampf: Dargestellt werden blutverspritzte Walfänger.
Die 100-jährige Olympia wiederum zeigt sich in wunderschönen gelb-rot-schwarzen Goschdym, ist «Fyyr und Flamme» – ein Augenschmaus. Nicht nur der Stamm übrigens, auch die Alten und die Jungen dazu.



