«Weniger scheen»: Damit meint die Gugge Fährischiffli, der die Ehre zufällt, den Cortège punkt 13.30 Uhr vor dem Comité Richtung Bankenplatz zu eröffnen, allerdings nicht das Wetter. Vielmehr ergänzt sie das Sujet mit dem Zusatz «derfir suuber». Sie spielt damit auf den Umweltschutz an, spart die «riesige Materialschlacht» und läuft nochmals im Ueli-Kostüm, auch wenn es nicht mehr in voller Pracht strahlt. Keine schlechte Begründung für einen Sparkurs.
Sparen ist gleich auch bei den Sonate-Schlyffer angesagt, nicht eigentlich beim Kostüm, sondern beim Sujet. Sie haben laut eigenen Aussagen verzweifelt studiert und sind dann auf die faszinierende Idee gekommen «mir lääbe d Fasnacht Daag und Nacht, das isch doch die woori Bracht». Und diese äussert sich schlicht in schwarz-weissen Kostümen . . .
Schwarz ist der Humor der Gugge Läggerli-Hagger, die im Kontermarsch vom Bankenplatz her den Steinenberg runter paradiert. «Vo Liebi, Laid und Kannibale, Stadt und Land – syt 175 Joor dernääbe» heisst ihr Sujet. Der Major ist der Sensemann, das Spiel besteht aus 11 Städtern, die unvorbereitet und unorganisiert die Landschäftler Rueche verfolgen, 11 Rueche wissen sich dagegen zu wehren.
Die am frühen Nachmittag schier endlose Parade von Guggen wird von einzelnen Wagen unterbrochen. So erstmals von den Samba-Waggis, welche die Stadtwette in Wetten, dass . . . ausspielen und deren Gefährt die Dschungel-Couch darstellt. Oder von den Zoggelischletzer, die mit ihrem Sujet «Ysproochsloos» offensichtlich auch auf Spartrip sind. Folgerichtig ist ihr Wagen ein riesiges, weisses jungfräuliches Zoggeli, und die Waggis sind von oben bis unten weiss durchgestylt.
Dann ist die nächste Gugge-Session angesagt. Die Ueli-Schränzer schliessen nahtlos an die Sparer an, indem sie kundtun «Sujet hämmer kains, das dien mer is schängge, s darf jeede won is gseet, sälber ains uusdängge». Das ist gar nicht so einfach, wenn man nur eine lange Zottlete von Kobolden vorbeimarschieren sieht. Immerhin: schränzen können sie gehörig. Die Schänzli-Fäger liegen mit ihrem Sujet «S Wätter isch verhäxt» zwar heute ziemlich quer, doch ihr Auftritt mit Wetterhexe und einem Häxehüsli mit einer ganzen Horde kleiner Hexen im Vortrab ist eine Augenweide, und ihre Schränzer sind ein Ohrenschmaus.
Ähnliches lässt sich von den Kratzbyrschte sagen. Seit Jahren führen sie einen Wagen mit einer Hampfle kleiner und kleinster Ueli im Schlepptau, und auch sie geben sich bei der Umsetzung ihres Sujets «Nordpolopoly-E-U-Boot und e groosse Latz git no lang kai Boodeschatz» grosse Mühe. Der Major stolziert als arrroganter Russe voran, der das Öl und Gas für sich haben möchte, das Spiel besteht aus lauter hässigen Eskimos, die vom Kuchen nichts abbekommen. Von Russland zu den Amis: Die Messingkäfer haben das Sujet «ALL-kohol in Cape Carnaval» gewählt. Das Requisit, das sie mit sich führen zeigt «s Schöttel und e Böttel», der Guggenmajor ist der ALL-mächtige Uncle Sam, der sein aus ALL-gegenwärtigen Astronauten bestehende Spiel auch dementsprechend gestenreich dirigiert.
Als erster einer ganzen Reihe von Wagen, die nun karawanenartig vorbeifahren, erscheinen die Gränzwaggis. Und wie könnte es anders sein – sie sparen. Allerdings auch sie mit einer raffinierten Entschuldigung, wie ihr Sujet zeigt: «Aadie Draadizion ( . . . oder waisch no?)» sagen sie, und ihr Auftritt besteht aus einem Strohwagen mit zehn alten Waggis. Solche gabs früher tatsächlich zahlenmässig mehr als heute, mit dem kleinen Unterschied allerdings, dass diese Waggis vieles mit gekonntem Intrigieren wettmachten . . .Vom reinen Strohwagen, den sie in den letzten Jahren präsentierten, sind dafür die Ohmächtige Brieder abgekommen. Ja, sie «draaie duure», und das, weil sie ein – zwar kleines – Basler Riesenrad auf dem Wagen haben. Immerhin.
Das erwünschte Highlight steigt doch noch. Just als die 100-jährige Olympia erscheint, begegnet ihr im Kontermarsch die 50-jährige Negro-Rhygass und spielt in ihrem ureigenen Sound (der «Schlag» mit Piccolos ist sensationell) den «Yankee». Das lässt uns doch auf weitere Höhepunkte der Gugge und Wääge am Mittwoch hoffen.



