Kurz vor acht. Die Leute strömen ins SCALA-Theater zur Fasnachtskiechli-Premiere. Manche quälen sich, weil das Theater für „Leute mit eingeschränkter Mobilität“ kein Zuckerschlecken ist. Aber vorweg: Der steile Weg wird sich lohnen. Ich sitze in priviligierter Hochlage. Viele FA-Promis (Fasnachtspromis) kommen auch: Der Comite-Obmaa, der Telebasel-Willi, der –minu. Auch Hedy ist da, die nach der Charivari-Phase eine neue Vorfasnachtsheimat gefunden hat. Direkt neben mich setzt sich der schweizbekannte 2-Meter-Musiker aus Münchenstein, dessen Namen ich hier nicht zu schreiben wage, denn er hat beim Auftritt der Gugge-Band sofort seine Ohrstöpsel montiert… Der Saal wird dunkel und Salvi sitzt auf der Bühne. Nach dreissig Sekunden kommt Almi als Bierschlepper in den Saal und: Es gibt den ersten Applaus. DABEI HABEN DIE JUNGS NOCH NICHT EIN WORT GESPROCHEN!!! Man merkt, die Leute kommen wegen den beiden Protagonisten. Nach weiteren 30 Sekunden sind die beiden ersten Pointen des Abends abgeschossen und es werden noch Hunderte davon folgen. Es macht keinen Sinn, alle diese Rahmenstiggli zu beschreiben. Zu bewerten gibt es hier sowieso nichts: Man kann von Almi und Salvi halten was man will. Aber wer über 6000 Menschen in seinen Vorstellungen hat und alle gehen heim mit einem Lachen, als hätten sie gerade die EUROMILLIONEN abgeräumt, der kann nichts falsch gemacht haben. Punkt.
Klar gibt es Dinge, bei denen man lieber weggezappt hätte: Zum Beispiel mit den rassistisch angehauchten Witzen oder den Schwulensprüchen können es die beiden noch immer nicht wirklich. Aber da schaut man drüber weg. Die allermeisten andern Pointen sitzen. Getragen durch zwei ausserordentliche Vorfasnachts-Schauspieler, die eine Textmenge zu bewältigen haben, wie ich das bei keiner andern Vorfasnachtsveranstaltung je gesehen habe (mit einer Unterwasserausnahme, vielleicht). Sie wechseln die Charakteren und Geschlechter innert Sekunden. Ohne Vorbereitung zum Beispiel schwappen sie von der Schlampenfasnächtlerin hinter dem Schminkspiegel zum Zeedeldichter in der Beiz, oder von der Hanspeter Latour-Parodie zur elsässischen Putzfrau. Im zweiten Teil durfte ich meinen Dienst hinter der Bühne tun. Und dort sieht man, wie die beiden von einer Rolle in die andere transferieren, sich dabei umkleiden und dann noch einen Spruch für mich übrig haben. Ich habe Hobby-Starlets erlebt, die vor ihrem Auftritt (der vielleicht eine zweiminütige Performance war) eine halbe Yoga-Stunde hinter der Bühne absolviert haben und keinerlei Konzentrationsstörungen zuliessen. Almi und Salvi sind Rampensäue vor dem Herren. Runter von der Bühne, rauf auf die Bühne. Diese Leistung verdient grossen Respekt.
Die Highlights des Programmes sind die Soli der beiden. Was sie zusammen machen ist lustig und schnell. Was sie aber alleine machen, ist grosses Kino. Almi als elsässische Putzfrau, die singt und tanzt (Salvi am Akkordeon, der Mann ist auch noch musikalisch!): Wundervoll. Und Salvi als saufender Familienvater im Leuenzorn (brilliantes Bühnenbild!): Der kippt während des Stigglis vier Rugeli und lässt einen grandiosen Text raus (worin er sein Bier als: „Verständnis im Glas“ bezeichnet). Der absolute Renner aber wird zum Schluss geboten, als die beiden zu Schnitzelbänggler mutieren. Die Verse sind durchschnittlich. Aber das Stück darum ist einfach lustig. Sehr lustig. Ja, komm, ich gebe es zu: ICH HATTE TRÄNEN IN DEN AUGEN!!!
Bref: Den Fasnachtskiechli-Fans muss man nichts mehr sagen, die haben ihre Tickets. Ich empfehle aber allen, die bisher Almi und Salvi nur von diesen eher peinlichen TeleBasel-Versuchen oder von den grenzwertigen anibis-Spots kennen, ruhig einmal das Fasnachtskiechli zu besuchen. Der Humor ist einfach, aber einfach gut. Die Texte sind fliessend, das Programm ist rasant, Lachen ist garantiert. Dazwischen spielt eine coole Band mit 6 Guggenmusikanten, SIXPACK, die ihre Sache sehr gut machen. Man spürt bei ihnen und bei allen andern Helferinnen und Helfer vor und hinter der Bühne einen guten Groove. Almi und Salvi liefern ein wirklich gutes Stück Vorfasnacht ab. Sie sind seit 8 Jahren unterwegs und dürfen stolz sein auf das, was sie erreicht haben.
Der Vorverkauf ab sofort : Bider & Tanner oder direkt unter www.fasnachtskiechli.ch
Fasnachtskiechli 2015. Scala, Freiestrasse 89 . Vom 22. Januar bis 21 . Februar 2015, jeweils Donnerstag bis Samstag 20.00 Uhr



