Ein Tattoo voller Knaller

16. Juli 2008 | Von | Kategorie: Nachrichten

Fangen wir beim Schluss an, weil dieser alles aussagt über die Qualität des Basel Tattoo in der Version 2008: Als alle Formationen zum grossen Finale in der Arena Aufstellung genommen hatten, erhob sich das Publikum zu einer minutenlangen Standing Ovation. Und dies zu Recht; das diesjährige Programm bot alles, was man von einem solchen Anlass erwarten darf – und noch einiges darüber hinaus.

Aus einer Vielzahl von Höhepunkten müssen drei «Knaller» herausgehoben werden, die verschiedener nicht sein könnten. Zum einen «Trinidad and Tobago Defence Force Steel Orchestra and Drums», die pure Lebensfreude und karibisches Rhythmusgefühl ausstrahlten. Zum zweiten die «Republic of Korea Traditional Army Band», die so gar nicht an Armee erinnerte, dafür mit dem farbenfrohen Auftritt und den vielen Schleifen und Bändern eher an den chinesischen Nationalzirkus.

Und zum dritten die absoluten Stars des Abends: Das «HM the King’s Guard of Norway, Drill Platoon». Schmerzlich hatte man beim letzten Tattoo eine solche Nummer vermisst, gehören doch die synkopengleichen Schrittfolgen und die perfekt herumgeschleuderten Gewehre einfach dazu. Dieses Mal wurde dem Publikum diese Attraktion wieder geboten – und zwar in absoluter Perfektion. Wer es gesehen hat oder noch sehen wird, sei daran erinnert: Die aufgesetzten Bajonnetts sind echt!

Neben diesen absoluten «Knaller» gab es weitere zu nennen, die nur unwesentlich weniger glänzten – oder krachten, um im Bild zu bleiben. Die «South African Highland Dancers» sind zu nennen, die mit hinreissender musikalischer Hilfe von Stuart Samson am Dudelsack einen knackigen Auftritt hinlegten, «The Band of Moscow Military Conservatoire», die nachwiesen, dass der «Sächsilüüte-Marsch» eine russische Erfindung ist, oder das «Repräsentationsorchester Schweizer Armeespiel», das den Beweis antrat, dass Schweizer (und sogar Militärs) alles andere als steif auftreten können.

Leicht abgefallen ist da lediglich die «showband.ch», die anscheinend nach einem Casting formiert wurde. Und es machte auch etwas den Anschein von Gewinnerbands bei «Superstar» oder ähnlichem: Teilweise sehr perfekt und gekonnt, aber irgendwie nicht so richtig echt und nicht zu einem Tattoo passend. Zum Glück kamen gleich im Anschluss mit den «Colonial Williamsburg Fifes and Drums» sehr junge Musiker, die mit Präzision und musikalischem Geschick genau das zeigten, was man in dieser Sparte erwarten kann und will.

Mit dem klitzekleinen Abstrich aber ein sensationelles Tattoo, bei dem auch die kurzen und sonoren Kommentare des Speakers René Häfliger und die tollen Lichteffekte genauso eine Erwähnung verdient haben wie die am Schluss auftretende Solosängerin Beverly Worboys. Und eine Erwähnung verdient haben zweifellos auch die vielen akkustischen Knalleffekte aus Kanone, Gewehren und dergleichen. Bleibt zu hoffen, dass nun nicht wieder ein in der Nähe wohnender Journalist wie letztes Jahr eine Kampagne wegen der angeblichen Lärmbelastung lostritt. Immerhin habe man extra darauf geachtet, lärmarmes Feuerwerk zu verwenden…

Mehr Bilder vom Basel Tattoo 2008 finden Sie in unserer Foto-Galerie