Fasnächtlich-besinnlich und höchst-emotionaler Gottesdienst

1. März 2009 | Von | Kategorie: Nachrichten

Gut zehn Jahre sei es her, erzählte Organisator Jürg Jösslin, dass Mark Kürsteiner mit der Idee an ihn herangetreten war, am Sonntag vor dem Morgenstreich einen Gottesdienst abzuhalten. Man fragte den damaligen Pfarrer der Elisabethen-Kirche und fand dort spontane Unterstützung. Heuer konnte man das zehnjährige Jubiläum feiern – allerdings ohne den bereits nach dem Premierenjahr verstorbenen Mark Kürsteiner. Dass er in den Herzen aller Mitwirkenden aber weiterlebt, war in der gesamten Veranstaltung zu spüren, besonders beim ihm gewidmeten «Amazing Grace» für Harfe, Piccolo, Gitarre und Gesang.

Besinnlich waren auch die Worte des Pfarrers André Feuz, der unter dem Motto «Friehner isch alles besser gsy» auf die Bergpredigt einging und betonte, dass es früher nicht besser, sondern höchstens anders gewesen sei. Man müsse auch nicht immer «besser als die andere» sein, erklärte Feuz mit einem Seitenhieb auf eine Vorfasnachtsveranstaltung.

Von dieser – nämlich dem Charivari – bekam man einige Akteure zu sehen. So die Trommelgruppe «apricot» mit einer phantastischen Nummer, nennen wir sie «Body-Drumming», oder den Beatboxer «Ciaccolo». Dazu – ein Kompliment an die musikalische Leitung von Michèle Aberlin – perfekt vorgetragene Fasnachtsmusik, wobei vor allem der schmissige «Monty» gefiel. Wie immer wurde auch ein Überraschungsgast geboten – dass heisst: Es waren dieses Mal sogar zwei. Gina Günthard und Alex Felix erfreuten mit einem kleinen Querschnitt durch das Fasnachts-Musical «Stärnestaub»

Im Gegensatz zu anderen (grösseren) Vorfasnachtsveranstaltungen kamen auch die humoristischen Wortbeiträge geschliffen daher, so im «Trialog» von Jürg Jösslin, Marinette Oeggerli und Hansjürg Minder, wo man ermahnt wurde, dass nun zwar drei Tage ohne Sorgen kämen, diese aber am Donnerstag-Morgen unweigerlich wieder da seien.

Sehr geschliffen und voll feinem Humor auch der Schnitzelbangg «Paparazzi», der heikle Themen wie pädophile Geistliche dem Veranstaltungsort angemessen subtilst anging. Dies konnte man von zweiten «Bangg», den «Dootebainli» leider nicht behaupten. In Verse verpackte Ratschläge, man solle den 16jährigen doch das Stimmrecht geben, weil sie mit 18 ohnehin dem Rasertod zum Opfer fallen, oder Kinder soll man nicht im ICE aussetzen, sondern am offiziellen Sperrguttermin, sind an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten.

Dies war aber wirklich der einzige «Dolge» im Reinheft eines wirklich schönen Gottesdienstes, der die Besucher mit etwas Wehmut, aber vor allem viel Freude in die kommende Fasnacht entlässt.