Nebst der Euro 08 sind oft ausgespielte Sujets der Guggen und Wagen die Finanzkrise sowie die neuen Sicherheitsbestimmungen für den Bau der Wagen.
Ein Trostpflästerchen gleich zu Beginn des mehrstündigen Korsos der Wagen und Guggen: Die triste grau-nasse Kulisse am Steinenberg wird gleich mit leuchtenden Farben etwas aufgehellt. Den Anfang macht die Gugge Fährischiffli mit dem Sujet «Billy feiert Knut». Der Major ist der Chef-Billy, das Spiel schränzt im türkisblauen Waggis mit blonder Perücke. Gleich hinter der Gugge tragen die Balggebieger jene Farbe, die den ganzen Nachmittag über dominieren wird, ja die erstaunlich zahlreichen Kiebitze am Strassenrand wie der Dauerregen zu überfluten droht: Orange. Die Wagenclique spricht von «Velggerwandrig fir ai Daag» und meint natürlich die Invasion der Holländer an der Euro 08. Der nächste Wagen ist jener des Daig-Affe-Club. In ihm intrigieren sechs arme Schlucker, die mit ihrem letzten Stutz Fasnacht machen – die Finanzkriste ist der zweite Sujet-Renner bei den Wagen und Guggen. Die Fernsehserie «Bauer ledig sucht» adaptieren die Zoggelischletzer, für deren Sujet der Wagen dieses Mal deshalb kein gewöhnliches Zoggeli, sondern ein Zoggelikueli darstellt.
Für ein paar Minuten ist Gugge-Time angesagt. Zum Bankenplatz hoch schränzen die Schlangefänger. «Mir dien jubiliere» freuen sie sich über ihr 45-jähriges Bestehen (was doch nicht alles für ein Jubiläum herhalten muss. . .) und spielen in neuen Schlangenkostümen. Den Steinenberg runter kommen die Stachelbeeri mit dem Sujet «Dr Lagg isch ab!» Beim Schränzen ist er es jedenfalls nicht – der Sound gefällt. Hinter ihnen rollen die Gränzwaggis an, auf ihrem Wagen befinden sich zehn holländische Rückkehrer – natürlich in Orange. Farblich wunderschön sind die Gillerugger Basel 1961, deren Sujet «Partnerstadt Shanghai – Basel isch jo gar so glai» lautet. Zwölf Waggis-sen Lang-nasi (Waggis) haben ihr Che (Waage) in ein Schanghai-chuan (goldig Dracheboot) umgebaut und begrüssen ihre neuen Freunde aus der Hafenstadt Shanghai. Süffisant meinen sie am Rand: «Unsere Waage isch kontrolliert und brieft». Und schneiden damit ein Sujet an, das auch zu den mehrfach ausgespielten dieses Jahres gehört: die Sicherheitsbestimmungen, die spätestens ab 2010 für den Wagenbau und die technische -ausrüstung zu berücksichtigen sind. Auf wirklich gekonnte und selbstironische Art setzen die Rätzebälle das Sujet um. Sie meinen «Mir geen uff Nummere sicher: Jeedem sii sichere Waage!» und absolvieren den über sieben Kilometer langen Parcours in acht kleinen Kabinenwagen, die beispielsweise auch auf Sex oder Geschlecht geprüft und kontrolliert sind.
Ein ganz anderer Wagen begeistert das Cortège-Publikum ebenfalls. Jener der Schälle-Waggis. «Hell – Vetia, oder isch unseri Armee am Verlumbbe?» fragen sie sich. Der Wagen stellt eine Kampfbahn dar mit sechs Rambo-Soldaten während des Besuchstags. Und auf der Tribüne sitzen die Noote Schysser, die nicht nur als Schwyzer Bünzli zusehen, sondern auch für äusserst fetzigen Sound sorgen. Eine gelungene Kombination von Gugge und Wagen – bravo! Mit viel Aufwand haben auch die Waldwaggis ihren Wagen gestaltet. «Dr Schwoob isch doo – mir mien jetz goo!» glauben sie. Auf dem Wagen, der vorne das Spalentor zeigt und hinten als Brandenburger Tor gebaut ist, wirken neun fast «schweebischi Baslerwaggis». In welcher Sprache sie intrigieren hören wir allerdings nicht, sie scheinen stumm zu sein.
Dann ist wieder ein paar Mal Orange Trumpf. Die Buure-Lümmel nehmen sich der Euro 08-Holländer an, auch die Wirbel-Waggis, die Gugge Märtfraueli mutiert zu Meisjes, doch die elf Meisjes auf dem Wagen der Basler Gwäggi, bei denen sie Antjes heissen und zur «Kaaskop-Parade» gehören, gefallen uns optisch eindeutig am besten.
Wieder begegnen sich im Contremarsch zwei der renommiertesten Guggen überhaupt und sie haben beide eines gemeinsam: sie schränzen vor dem Comité nicht. Die Schotte-Clique vielleicht, weil sie angesichts der Finanzkrise noch sparsamer geworden ist, die Negro-Rhygass möglicherweise, weil sie «miir starte duure» zum Sujet hat und dabei auch den (Flugzeug-)Lärm aufs Korn nimmt?
Die Gugge Krach-Schnygge schliesslich geht mit der Wagen-Clique Schopf-Sprysse mit dem Sujet «Dr Kampf um d Voorheerschaft (in de baide Basel)» eine Partnerschaft ein. Es handelt von «176 Jahre Besiegelung der Kantonstrennung Basel-Stadt und Basel-Landschaft». Der Guggemajor stellt «die gspaltene Basler Kanteen» dar, der Wagen die Hülfteschanz, im Spiel schränzen 29 geschlagene Basler Nobelkämpfer – und all das erfahren wir aus unserem eigenen «Äxtraablatt». Merci!



