Kunst spiegelt sich im Lampenmeer

3. März 2009 | Von | Kategorie: Nachrichten

Wer wie was an der Fasnacht ausspielt, das kann man noch heute Morgen an der Laternenausstellung auf dem Münsterplatz bewundern.

Wer von der Rittergasse her auf den Münsterplatz einbiegt, der stösst gleich auf die Laterne der Jungen Garde des Central-Club Basel mit dem Sujet «iSaich am andere». Dieses straft jedoch die Laternenausstellung als Ganzes Lügen. Vor uns befindet sich ein einzigartiges Lampenmeer, bunt und abgrundtief schwarz zugleich, das die einzigartige Kunst der meisten Laternenmaler widerspiegelt.

Angefangen beim Gesamtkunstwerk der ihren 125. Geburtstag feiernden VKB. Die vier Lampen (Stamm, Alte Garde, Junge Garde, Binggis) aneinandergefügt, aber auch einzeln bestens zu verstehen, ergeben ein über sieben Meter breites Gesamtkunstwerk, dessen Vorderseite einen riesengrossen Ueli zeigt. Auf der Rückseite findet sich ein herrliches Sammelsurium an Uelis verschiedenster Gattung mit lustigen Wortspielereien wie etwa Mauchstueli, Kängurueli oder Tingueli. Der Jubiläumszug besteht im übrigen aus lauter Ueli, pardon auch einzelnen Ueline, wie es so schön auf der Laterne der Binggis heisst. Die älteste Basler Clique nimmt seit fünf Jahren auch weibliche Mitglieder auf . . .

Eine Prachtslampe, wie seit Jahren schon, präsentieren die Basler Bebbi Basel – und zwar als riesiger Totenschädel modelliert. Dieser ist nicht mit Leinwand bespannt wie die meisten Laternen. Das hat den Künstler animiert, selbstironisch zu erklären:

«Der Fehler fängt schon an, wenn einer sich anschickt, Keilrahmen und Leinwand zu kaufen!» (Joseph Beuys)

Zum Sujet «By the Rivers of Babylon. BBB proudly present: The ultimate Boni M. Farewell Tour» passend sind auf der Laterne die Todsünden aufgelistet, etwa

Nr. 1 D Dodsünd «Avaritia» (Habgier, Gyz)

nennt me «Pauschalstyyr» in dr Schwyz

Auch aus einem Totenschädel besteht die Vorderseite der Laterne des Barbara-Club 1902. Auf den Seiten spielt je ein Skelett mit zwei Knochen Geige, und die Rückseite zeigt einen Friedhof mit einem auf den Grabsteinen tanzenden Gerippe. Auf einem der Steine steht etwa «Hier tut liegen das Baseler Tütsch», auf einem anderen

D Autobauer Opel Saab

hänn baidi Bai scho fascht im Graab

und auf einem weiteren heissts ganz aktuell

«R.I.P Rohner † 26.02.09».

Noch um einiges schwärzer ist der Humor auf der Laterne der Wettstai-Clique mit dem Sujet «25 Joor Källerabstiig». Die Vorderseite stellt den Eingang zum Keller-Verlies dar, die Rückseite ist die Treppe, die zu den Gemäuern führt, in denen Grauenvolles geschieht. Kinderschändung steht im Vordergrund.

Auch bei den Versen auf der Laterne der Alti Stainlemer, die uns einen geplotteten, mit Broten vollgestopften Kanister zeigt. Ausgespielt wird das Sujet «Maagermoscht», es geht darum, die Herstellung von Bioethanol anzuprangern mit Zeilen wie

Ai Tangg voll Öko-Sprit uus Brot

bringt nur fünf Lüt dr Hungersdoot
Derwyl mir s Brot vo Brieder tangge

griegt «Brot für Brüder au e Frangge

Aufatmen können wir erst wieder beim Betrachten farbenfroher Laternen wie etwa derjenigen der Pierrot-Clique mit dem «Circus Maximus Basiliensis», in dem der Comité-Obmann seine Marionetten tanzen lässt. Schliesslich servieren uns die Opti-Mischte mit «Uns isch es Wuurscht» eine Wunderlampe in Form und Farbe. Über den lodernden Flammen brutzelt ein Glepfer oder «Servoilà», und zu lesen sind Vers-Häppchen wie

Dr Bush isch gange, dasch e Gwinn
im Glepfer het me Hirni dinn

Dä Tresor isch jo vellig läär,
wie scheen, wenn är voll Glepfer wäär

Uns isch es 
wuurscht, wenn d Wält verreggt
so lang der Glepfer richtig schmeggt

Auf den Appetit gekommen? Dann nichts wie hin – noch heute bis kurz vor Mittag . . .