Ein paar Schnitzelbängge sollten es heute doch noch sein. In einem Keller. Ich begebe mich in den Luuskaibekäller oben am Spaalebuggel und setze mich an den Tisch mit jungen StudentInnen. Es kommen ein paar Schnitzelbängg, es hat Perlen dabei: Die Aabrennte, d Wyybuure (die einen sensationellen Jahrgang einziehen), d Vogelschyychi und die Polyvalänte.
Nach unserem Luuskaibe-bedingten Rauswurf (s. „Kulinärrisches) treffen wir auf der Teppe noch auf s Schnuggebegräbnis und ich bin etwas angefressen, dass wir die nicht mehr anschauen dürfen.
Noch vor diesem Schnitzelbangg-Erlebnis steht ein Bummel durch die langsam sterbende Fasnacht auf dem Programm. Ganz zu Beginn treffe ich auf einen Susaphonspieler mit Vortrab, der Pfyffermärsche spielt und sogar einen Zeedel verteilt. Und jetzt: woran erkennt man, dass die Fasnacht langsam aber sicher zu Ende geht: Wenn einem z.B. Monstercliquenzüge begegnen, wo sich alle Sektionen für den letzten Umgang treffen (DAS Highlight in dieser Beziehung findet um 22 Uhr im Geviert Schifflände/Blumenrain statt: d Verschnuuffer, d Spezi, d Sans Gene, die Agfrässene Holding, der CCB, d Wettstai und d Barbara mit allen Sektionen: das müssen gegen 700 Aktive gewesen sein!).
Man merkt es auch, wenn die Cliquen ihre irrsinnigen Requisiten für den letzten Umgang entsorgen, oder wenn der Dudelsaggspieler im Käppelijoch bläst, oder wenn aus dem Venezia Trinklieder erklingen und wenn die Taxi-Reihen immer länger werden. Oder wenn die Schnitzelbänggler langsam in ihre Logen – z.B. im Gerbergässli 29 – ziehen. Oder wenn Waggis-Wääge-Mannschaften zu langsam schlurpend durch den Räppliteppich von einer Beiz in die andere ziehen, den Wagen längst schon geleert und irgendwo auf dem Land parkiert. Dann merkt man, dass der Zauber langsam am Abklingen ist.
Richtig bewusst wird einem diese Melancholie wenn man die Route in den Nadelberg wählt. Hinter den Kellerabgängen, wo es dunkel wir, kommen Pfyffer- und Tambourgrubben aus allen Gassen und spielen ihre Trauer und ihre Müdigkeit vor. Ich hörte einen traumhaft gepfiffenen Sof-Sof. Es kamen Erinnerungen an die Entstehung dieses Marsches hoch und ich musste in den Lärm des Kleinbasels flüchten, um nicht noch sentimental zu werden.
Gottseidank lebt der Securitas beim Manor-Restaurant noch. Sonst wäre es um mich geschehen. Meine Güte, werde ich alt? In den nächsten beiden Stunden werden die Cliquen ihre letzten Umgänge machen, ihre Rituale vorbereiten und um 4 Uhr werden allerorts die Schlussmärsche gepfiffen, der Major winkt zum letzten Mal ab und vorbei ist es. Ich habe es genossen und – ich bin sicher – mehrere Zehntausend mit mir.



