Im Kleinbasel wird genau so gut Fasnacht gemacht wie im grösseren Stadtteil. Immer mehr Fasnachtseinheiten begeben sich ins mindere Basel, darunter auch grosse Formationen.
Kurz nach dem Mittagessen, auf dem Claraplatz: Die Schotte-Clique taucht aus der Rebgasse auf und biegt in die Greifengasse ein, gleich darauf stösst die Negro-Rhygass von der Clarastrasse her nach. Von der Kaserne her strebt eine grössere Pfeifer- und Tambourengruppe ins Zentrum. Und auf dem Platz selbst besammeln sich Gruppen und Grüppchen, Zyschtigs-Ziigli und Familien-Cliquen, auch spontan zusammengewürfelte Einheiten. Wääge sind da und dort abgestellt, an der Wagen- und Requisitenausstellung auf dem Kasernenareal haben ja längst nicht alle Gefährte Platz. Gegen vier Uhr ist schon fast kein Durchkommen mehr, ein einziges Gewusel, etwa so wie auf dem Märt, dem Barfi oder dem Münsterplatz ennet dem Bach.
Das Kleinbasel hat die Fasnacht schon immer bereichert, man denke nur an die älteste der Stammcliquen, die Vereinigten Kleinbasler (VKB) oder andere bestandene, um nicht zu sagen renommierte Cliquen wie die Olympia, die Rätz oder die Alten Glaibasler (AGB). Im Kleinbasel zu Hause sind heute alle wichtigen Vorfasnachtsanlässe, seit einigen Jahren sogar auch das Drummeli. Aber die Strassenfasnacht?
Auch sie muss sich heutzutage nicht verstecken. Nicht nur zieht der Cortège seit Jahr und Tag durch das Glaibasel. Dieser Stadtteil ist immer mehr zu einem Treffpunkt oder Zentrum geworden. Das zeigt sich stets am Fasnachts-Zyschtig. Nicht nur am Zyschtig, aber dann besonders. Natürlich wollen alle die Schyss-dräggziigli nicht nur im Kleinbasel bleiben, darum zieht es sie zur Mittleren Brücke, dem verbindendsten Element Basels und zugleich grössten Nadelöhr an der Fasnacht, und dann aber auch wieder zurück. Zeitweise ist da kein Durchkommen mehr.
«Derf y di stopfe?», fragt unvermittelt ein kecker kleiner Waggis, der sich plötzlich vor mir aufbaut, in der einen Hand einen riesigen Plastiksack voll schwarzer Räppli. Wie denn das, der ist doch noch zu klein für mich – also lache ich und sage «Nein». Der Knirps nimmts nicht übel und sucht sich einfach ein anderes Opfer. Kinderhände strecken mir Dääfi zu, auch ein Rüebli, Sugus, Popcorn und alles mögliche. Sie machens wie die Grossen.
Wem es in der Greifengasse zu eng wird, weicht in die Nebengassen aus, die Utengasse, die Ochsengasse, die Webergasse, das Schafgässlein und die Rheingasse, und eine Schlaufe zur Kaserne liegt auch immer drin. Zackig unterwegs sind etwa die Gasse-Götter, eine 30-köpfige Tambourengruppe, die meisten mit Holztrommel. Eine saugute Pfeifergruppe sind die Gläbbli-Dätscher, und die Gugge Noote-Schysser erscheint mit den Schälle-Waggis, die den Vortrag bilden.
Ein Heimspiel absolviert die Gugge LäGGerli-HaGGer vor dem Manor, wo sie am Abend auch ihr Platzkonzert abhalten wird. Wunderschön der Guggemajor, der als Krankenschwester auftaucht und die 23 überalterten, aber modern gebliebenen Basler Bürger ganz im Griff hat. Auch andere machen sich ein Heimspiel – vor dem «Pensiönli» in der Rheingasse weht eine Fahne der Schnurebegge, hier haben sich deren Schlurbbi festgesetzt. Weitere Guggen machen sich hier parat, etwa die Hunne vor der «Fischerstube». Und des Abends wird die Glaibasler Altstadt ohnehin ausgiebig von den Guggen frequentiert, wobei sich auch das eine oder andere Konzert vor oder in den gut gefüllten Beizen ergibt – oder auf dem Claraplatz.



