Begonnen hat dieser Fasnachtsmittwoch mit der Zeitungslektüre und einem Milchkaffe um 9 Uhr auf den verlassenen Bänken vor dem Hotel Basel. Nichts, ausser ein paar verstaubten Räppli am Boden zeugt davon, dass in dieser Stadt noch immer Fasnacht herrscht.
Um 10 Uhr kommt das erste Pfyffer und Tambour-Duo und weckt die Stadt. Von dann weg erwacht das Fasnachttreiben, langsam und unaufhaltsam. Gegen 12 marschieren wir in Richtung Steinen. Vor dem Restaurant Besenstil bereitet sich Wagen Nr. 109 auf den Cortège vor und beginnt die Rauchmaschine einzuheizen. Leider fackeln dabei 4 Larven ab (s. Titelbild) und die Waggis müssten anderthalb Stunden später mit „Ersatzlarven“ auf die Route. Keiner hats gemerkt, ehrlich.
Auf dem Theaterplatz machen sich die ARI mit allen Fraktionen bereit, dem Cortège zu eröffnen. Die halbe Stunde vor Cortège-Beginn ist wie die halbe Stunde vor dem Morgestraich. Alles macht sich – in aller Ruhe – bereit: -minu begibt sich zum Comité-Drämmli, Heinz Margot verinnerlicht seinen Abspann-Text für den Querschnitt, sogar der Kunsthalle-Wirt stülpt sich das ARI-Goschdym über seinen Anzug, damit er eine Runde mitmachen kann.
Auch die Steinlemer und die Naarebaschi stellen sich auf. Es lohnt sich, diese Cliquengewalt beim Abmarsch zu beobachten. Unglaubliche Kreativität, wahnsinnige Faben und wunderbare Fasnachtmusik beginnt punkt 13.30. Und man darf sie länger geniessen: Denn der erste Superstau stellt sich gerade zu Beginn auf der äusseren Route ein. Sogar den Naarebaschi geht der Schnauf aus und sie ziehen ihre wunderbaren Holzlarven ab. Später im Glaibasel treffe ich die ARI wieder: sie sind bestens gelaunt, zelebrieren Fasnachtssprüche am Biertisch und geniessen das wunderbare Wetter.
Danach setzen wir uns an der Webergasse vor das Poco Loco und staunen. Die pausenmachenden Cliquen scheinen etwas müder als am Montag. Dazu kommen die „leichten Damen“ aus dem Geviert, die krampfhaft nach ungoschdymierten Kunden Ausschau halten und dabei zu beliebten und beleibten Zielen von Waggiswagen werden…
Vor dem Adler stehen die Chriesibuebe in ihrem kreativen Goschdym. Sie verteilen mit Stolz einen Zeedel, der den Zuschauern endlich erklärt, warum sie mit erhobenem Haupt „Chriesibuebe“ heissen und nicht „Kiirsibuebe“. Der Zeedel ist eine gut formulierte Rechtfertigung und kommt schon fast als Entschuldigung daher, dass die formidablen Tambouren immer mal wieder den Trommelkönig in Basel stellen. Der Zeedel (es ist eine Strafaufgabe von einem der Tambouren, der zu wenig oft ins Training kam) ist eine Botschaft an die Basler Fasnachtpuristen. Die ZuschauerInnen am Strassenrand werden wohl kaum verstehen, um was es geht.
Nach ein paar Pausenbieren kamen die Basler Bebbi, und d Spoorepeter parkieren ihren sensationellen Böög-Nachbau direkt vor unseren Tisch. Der Beschluss: Jetzt kann es nicht mehr besser kommen und wir kämpfen uns der Route entlang zurück zum Hotel Basel. Unterwegs treffen wir auf die Chaise der zehnjährigen Lämpelyysi. Kurze Nachfrage beim Pferdebetreuer, ob er jeweils die Pferde auf die Arbeit am Cortège trainiere? „Dasch nid nötig“ erklärt er „die kommen aus Luzern!“ Mir kommen die Chriesibuebe in den Sinn und ich geh zurück ins Hotel um zu schreiben.
Heute Abend bleibt mir noch eine Pflicht: Der Securitasmännli-Check! Gerüchtehalber ist mir zu Ohren gekommen, dass er wieder arbeitet. Ich bin erleichtert.



