Wiegenden Schrittes durch die Nacht

4. März 2009 | Von | Kategorie: Nachrichten

Abends füllen sich die Gässlein und Gassen mit sagenhaftem Treiben. Dann heisst die Devise: Z Basel an mym Rhy, jo dert mecht y sy

«Dert, dur die Gass», gestikuliert der Blätzlibajass. Ein Fasnächtler, der nicht weiss, wo es zum Gässle geht, gibt es denn das? Nein, der andere ist ein Zimmermann auf der Walz. Er geht dann weiter durch die Gasse und biegt am Ende «falsch» ab, zur Stadt hinaus.

Hätte er die Ohren gespitzt, hätte er aus der Gegenrichtung feine Piccolotöne vernommen. Er hätte grade noch die Rockzipfel zweier blauer Gestalten mit je einer Mimose auf dem Rücken erhascht, die in die nächste Gasse einbiegen. Die beiden sind zwar selber keine Mimosen, aber gegen die Grossfamilie, die ihnen entgegenkommt, ist kein Durchkommen, weder physisch noch musikalisch. Und der Clan hat zudem eine grössere Fangemeinde im Schlepptau, die überhaupt kein Taktgefühl hat.

Kostüme aus Coop-Säcken

Überhaupt nimmt nun der Verkehr zu, die Gasse weitet sich, und bald wähnt man sich auf einer Schnellstrasse, auf der eine der grossen Cliquen offenbar noch einer olympischen Goldmedaille nachsegelt. In kurzem Abstand und strammen militärischen Schrittes folgt der nächste Tross Tambouren. Die drei feinen Damen heben ihre Röcke – prachtvolle Kostüme aus Coop-Säcken – und drücken sich an eine Hauswand. Ihre Devise heisst ebenfalls: besser frisch (als zerdrückt).

Schön frisch bleiben sie, denn es nieselt sacht. Der kleine Kiebitz aber sitzt im Trockenen: Er hievt sich einen grossen Stuhl in den Türeingang und nimmt so in der ersten Reihe Platz, mit bestem Blick uff d Gass. Auf den Auftritt der Tambourengruppe in Lederkluft muss er jedoch noch warten, denn für einmal ist nicht ein Zuschauer zu spät, sondern einer der Akteure. «Är kunnt am Viertel ab», schallts durchs Gässlein.

Der Käfer an der Strippe

Dieses glitzert dank des Regens stimmungsvoll und hinterlässt auch auf den Kostümen zauberhaft schillernde Tropfen. Oh, nahen da etwa Paradiesvögel? Dass sie einheimische Märsche pfeifen, holt einen wieder ins Hier und Jetzt zurück – oder ist es das Grüppchen, das etwas überspitzt gesagt aus allen Löchern pfeift? Schnell rechtsumkehrt und jener Clique nach, zu deren Melodie man sogar leichtfüssig den Berg hinauf läuft. Und zum Glück jenen Kiebitz abhängt, der lauthals mit dem Handy telefoniert.

Leider klingelts auch bei Aktiven: Einer der soeben noch herrlich intonierenden wunderschönen Käfer hängt sich an die Strippe, weshalb wir uns gerne abhängen lassen. Für einen Moment wird es dunkel und still. Wie magisch angezogen fällt der Blick auf eine edle Dame im Bild eines Rahmengeschäfts. Verbirgt sich hinter der schwarzen Larve, die ihr aufgesetzt worden ist, vielleicht Frau Fasnacht?

Herzerwärmender Sensemann

Oder Gevatterin Tod – ein Schauer läuft einem den Rücken hinunter, denn fast wie gerufen nähert sich der Sensemann. Doch er pfeift inmitten seiner Seelenwärmern herzerwärmend und reisst uns wieder ins Leben und ins bunte Treiben zurück. Es geht aber nicht lange und wir verlieren uns wieder, im kunstvollen Spiel jener Gruppe, die sich die Kunst auf den Leib respektive auf den Rücken gemalt hat.

Irgendwann, irgendwo schrillt eine Pausenglocke, schreckt auf: Die Znynybigger verleiten fast zu einem Zwischenhalt, aber die kurze Begegnung mit den dicken Baslerinnen, die abspecken, hält davon ab. Die Klänge von «z Basel an mym Rhy» wiegen uns erneut in den richtigen Gässle-Takt. Jo, in diesem Moment möchte man nirgendwo anders sein. Es könnte ewig so weiter gehen. Als die Gruppe der Hexen, Zauberer und sonstigen sagenhaften Gestalten den «Papillon» zu trillern beginnt, glitzern Freudentränen in den Augen. Oder ist es der Regen? Wir schaudern – und lassen sie ziehen, durch die Gasse, in die Nacht.