Was das Wetter doch ausmacht: Trocken, und zeitweise zeigte sich gar die Sonne. So kamen die Sujets viel besser zur Geltung als am Mäntig.
Der Central Club Basel heisst heuer Cash Complett Bachab, die Clique leidet unter der Wirtschaftskrise. «Mer sinn derby bim Groosse Gschäft», ist das Sujet – doppeldeutiger geht es nicht. Gezeigt wird nun, wie sie das grosse Geschäft verrichten: Pfeifer und Tambouren sind Banker und haben die Hosen herunter gelassen, weil sie müssen… Der Tambourmajor gibt noch einen oben drauf – er marschiert im Klosett-Ring. Der Zeedel schliesslich ist auf WC-Papier-Rollen gedruckt, man kann soviel haben wie man gerade braucht. Ein toller Zug.
Die Basler Bebbi geben das Geld mit vollen Händen aus, ja werfen es dem Volk buchstäblich vor die Füsse: 0-Dollar-Noten von den United Basler Bebbi Babylon. Das Sujet orientiert sich an «By the Rivers of Babylon», gefordert sind «Boni (M) fir alli». Beschrieben wird die Hure Babylon, Geld und Macht ist üble Nahrung. Also geht es auch da um den Stutz, und schon auf dem Requisit steht: «Bi uns hängsch richtig». Pfeifer und Tambouren sind Banker im schwarzen Nadelstreifengewand, die gerade zur Hinrichtung geführt werden: Sie tragen Kopfmasken wie die Todes-Häftlinge auf ihrem letzten Gang. Gewiss etwas makaber, aber diese Leute stehen ja nicht mehr überall hoch im Kurs… Das Gesicht des Tambourmajors besteht fast nur aus Zähnen.
Noch ein glanzvoller Zug, die Alti Stainlemer kommen. Die Ladärne – ein riesiger Benzinkanister. Aber genau hinschauen, auf die Musterung des Kanisters: Da sind viele Laibe Brot aufgeschichtet. Um «Maagermoscht» geht es, ein solcher Biomost wird auch freigebig ans Publikum verteilt, aus eben der grossen «Tankstelle». Ebenso gibt es Denkanstösse: Die Clique macht sich Gedanken über die Ernährung, deren Produktion und was dies auf der ganzen Welt jeden Tag kostet, auch Menschenleben. Das aussergewöhnliche Sujet wird noch unterstrichen vom Spiel: Die Stainlemer, gekleidet in lumpenartige Gewänder, schon leicht zerschlissen, haben Piccolo und Trommel zu Hause gelassen und schlagen Benzinkanister aneinander, ein dumpfes, hohles und mit der Zeit auch ein bisschen nervendes Geräusch.
Blicke in die Zukunft
Zurück zu Basel und seinen Problemen mit der Rätz-Clique, die vorausschaut und «Basel 2020» ausspielt. Basel soll sich mit einer Olympia-Kandidatur auf eine neue Ebene hieven. Voraus die Pfeifer mit Volunteers für solche Spiele, der olympische Geist als Tambourmajor und danach die Tambouren als Security-Leute, weil es bei derartigen Veranstaltungen ja nicht mehr anders geht.
Die Lälli-Clique schafft die Armee ab. Da spaziert eine rosarote Plausch-Army an, eine Armee, in der lauter «Siesse» und «Siessi» dienen (nicht mehr «Suisse»). «Worum denn auf das ganze Puff? D Armee leest sich vo sälber uff!», sagt der Zeedel.
Eine Schulklasse voller Rhyschnoogge taucht auf, Maitli und Buebe aus der Häfelischuel von anno dazumal, und macht «Aadie Fasnacht!» Um die Sprache sorgen sie sich, um die verschwindenden Traditionen, um die Kultur. Die Alte und die Junge Garde der Rhyschnooge ergänzen den Zug wunderbar.
Wieder Internationales bietet die Gundeli: Voraus ein Wagen mit dicken, gut genährten und stinkwichtigen Ölscheichs, dahinter die Pfeifer und Tambouren in dunkelblauen Overalls, in der Mitte eine (noch leere) Pipeline mit sich tragend. «Gundeli Oil – mir feerdere sälber», lautet das Sujet.
«Knallhart» erscheint die Seibi – dank «10 Johr Viagra» ist das so. Die Clique steht aber dazu! Im Zug laufen prähistorisch aussehende Urmenschen, die vor Männlichkeit strotzen, wahre Prachtsexemplare des Homo Erectus.
Neu definiert wird das Wort «Schyssdräggziigli» von der Basler Mittwoch-Gesellschaft: Toi toi toi heisst es dazu, mehr muss man nach der Euro 08 dazu nicht sagen. Der Tambourmajor ist die WC-Änte, Pfeifer und Tambouren tragen einen braunen Keigel auf dem Kopf (auf den ersten Blick siehts wie ein Turban aus). Wenns echt wäre, wärs wohl dégoutant. D Basilisgge lockern den Cortège mit etwas Profanerem wieder auf – «schwarz isch verby, orange muess es sy», sagen sie, ganz in Oranje gekleidet.
Wohl tun auch die vielen kleineren Gruppen und Ziigli. Herausgegriffen seien die Guufegnepf, die das 25-Jährige feiern und als Räuber, Halunken und Piraten (ist ja ganz aktuell) daherkommen. Oder die Rippezwigger in ihren schönen blauen Harlekin mit weissem Haar, oder die Sporepeter mit dem Sujet «Rauch(er)zaiche». Die Rauchzeichen vom Requisit sind ganz reell und weit zu sehen.



