Gestern Abend traf sich – wie allewyyl am ersten Samstag nach der Fasnacht – nahezu tout Bâle im Theater Basel zum Schlussoobe der Comité Bängg. Zum letzten Mal zogen die 29 Bängg in ihren Versen alles durch den Kakao, was ihnen im Verlauf des letzten Jahres missfallen hat. Und so bekam jeder sein Fett weg, von Ospel und der UBS über Gigi Oeri bis zu Calmy-Rey, Mörgeli, Busch und Obama. Im Ganzen gesehen war die «Spätlese» 2009 zwar kein Spitzenjahrgang, dennoch reichte das Niveau der Vorträge – nimmt man die Reaktionen des fachkundigen Publikums zum Massstab – von gut bis sensationell. Und weil es ein langer Abend war, darum wird auch der Bericht ziemlich lang.
Mit der Melodie «Von den blauen Bergen kommen wir» marschiert um 19 Uhr die GmbH (Gugge mit beschränggter Haftig) ein. Mit rassigem Sound und tollen Soli begeistert sie das Publikum im bis auf den letzten Platz besetzten Theatersaal. Da Prosa an einem solchen Abend verpönt war begrüsst Dieter Moor mit lustigen Versen (Dr Morin losst sich wähle still, will siyyn Boschte kainer will) das Publikum. Dann gehört die Bühne den Bänklern.
Den Auftakt machen, begleitet von Banjo und Waschbrett die drei «Schnaabelwetzer». Und sie geben gleich den Tarif bekannt:
Dr Nationalroot Mörgeli, dä raast – s isch wirgglig schlimm –
Graad in e Liiferwäägeli – worum, das waiss är nimm.
Het d Sunne bländet? S Händy gschällt? Was keent s emänt no syy?
Jä, uns isch klaar: Dr Mörgeli, dä kaa nit linggs verbyy.
Nach der Auftaktmelodie «Hinter em Minster», welche das Publikumleise mitsingt, meint das Anggewegglimaitli:
D Calmy-Rey kaa doch so wunderbar singe
Und Diechli rings umme iir Kepfli drum schlinge.
Eso gfallt si bsunders im Achmadinedschad,
Är hätt si fascht bhalte – schad.
Wie schon am Drummeli begeistern die drei Schlyffstai. Zur Melodie «Skandal im Sperrbezirk» singen sie:
Dr Näf, das isch e Maa vo Wält,
Wo oft die glyychi Nummre wäält.
Mir mergge: S’bruucht drum sone Dotsch
Wenn d‘Armee abschaffe wottsch.Und dinne schlooft im Bundeshuus
E Schnauz, wo sait: «Chumme nit druus.»Skandaal – Um Gallestai.
Skandaal – Jetzt deerf äär hai.
Skandaal um Sämi.
Sänger und Helgeträger in einem ist der Pierrot. Er blickt gen Süden:
Dr Boopscht dä gläubig Maa,
hett maischtens e raryssi Robe aa,
sobald aber d Sunne druff duet flimmere,
wurd e Bruundoon duure schimmere.
Dootebainli – mit Harfenbegleitung – greifen ein vieldiskutiertes Thema auf:
Dr glaini Max mues jetz im Kindsgi Hochdeutsch reden
Wil ooni Deutsch du nichts Anschtändiges kannst werden
Wo s Mami in denn froggt, eb jetz alli richtig gredet hänn
Git dr Maxli straalend uuse: «Yes, we can!»
Und zum Thema Obama meint der Fäärimaa:
Dr Barak Obama macht kai grosses Gschyss
s’wysse Huus, sait äär, blybt vorderhand wyss
au die Bäum im Paark löhn mir alli lo stoh
und dr ainzig Bus(c)h, wo ihn gstöört hett, dää isch jo nümm doo
Zurück in die Schweiz bringt uns der Banggomat:
Bim Oschpels isch in hoochem Booge,
dr Storgg grad dopplet yynegflooge!
Dr Marcel schreit; «das isch dr Hit»,
verwundere duet uns das jo nit!
Dä hett scho vorhäär nodisnoo,
fir aimool schaffe – zwaimool gnoo!
Zum selben Thema reimt der Schwoobekäfer.
Als Banker isch dr Marcel Ospel klar e raini Niete;
Kai Kaigelclub wurd däm no s Raisekässli gä zem Hiete.
Doch so, wien är fir Noochwuchs sorgt mit jeder neje Frau,
Wird dä no vyl Erfolg ha an dr nägschte Rammlerschau.
Anschliessend gratuliert Walo Niedermann den beiden zum 10-jährigen Jubiläum. Ihm ist «e Schwoob als Bangg lieber als e Schwizer».
Ein beliebtes Thema ist der Fussball. So auch bei den Gardischte:
Der Hakan schuttet in der Wieschti, in Doha bim Abdulla,
Arabisch will äär leere, doch äär foot die Sprooch bi null aa,
Türkisch kann er nimmi, Änglisch kuum «how do you au?»
und was äär denn uff Dytsch ka saage, das verstoot kai Sau!
In dieselbe Kerbe haut dr Waggis:
D Frau Öri isch nit ächt d Frau Öri
si isch halt numme d Frau vom Öri!
Iire Sprooch die kommt vo wait.
Das heersch graad, wenn si ebbis sait.
Au an dr Huutfarb gseesch es gly,
si kennt d Schwester vom Obama sy!
Am Schluss verteilt er nicht nur seine Zeedel, sondern wirft auch Lauch, Herdöpfel und Riebli ins Publikum.
Über den grossen Teich blickt dr Spitzbueb:
S schiesst ain, und alli luege zue,
uff e Busch e Bäärli Schue.
Nei’i Schue! Ych ha mr dänggt:
Do hät doch au e Baggstai glängt!
Zurück nach Basel bringen uns die Schooffsuuri:
Meer als nyynzig Minute isch Baasel – hesch s tscheggt,
wenn’s ganz Imbergässli wie ai Brunzhuus schmeggt.
D EM isch umme und Fans sinn dehai
Und mir mit em Schyssdrägg und em Eymaa elai.
In den Blätterwald begibt sich d Stächmugge:
Also fertig jetzt mit däm dumme Latz,
Europas scheenschti Zyttig – das isch d BaZ.
Suuber druggt und suuber gfaltet,
gheert si zue de tellschte,
Aber s isch mit der BaZ wie mit de Fraue,
die Scheenschte sinn sälte die Hellschte.
Eine Problemlösung hat d Buschdrummle parat:
Dr Putin droot mit Gasbloggade.
Halb Europa het dr Schaade.
Fir d Ziibelewaaie schaadlos z gniesse,
wär sone Gasstopp seer z begriesse.
Knallharte Analysen erhält man vom Doggter FMH:
I ha d DNA vom Köbi Kuehn uf e Plättli gstriche,
und die mit em Hitzfäld sinere vergliche.
Und s Resultat isch bi däne beide:
De chasch dr Zürcher vom Schwob nit unterscheide.Kommentar von Schwester Erika:
Wen’d aber wotsch dr IQ mässe,
denn chasch dr Zürcher glatt vergäse.
Den Schlusspunt des ersten Teils setzt die Gruppe Pfyffer und Streifer. Nach einer erholsamen Pause geht es mit den Paparazzi bissig weite:
D Schwyz drybt d Grächtigkait voraa,
dass Bööses nümm verjähre kaa.
Het ain e pädophile Dolgge
kaasch en s Lääbe lang verfolge.
Wenn äär d Schuld nit yygseeh wott
bikunnt äär au no Bruefsverbott .
Doo maint dr Pabscht: «Daas gfallt mer nit,
will s dääwääg kuum no Prieschter git.»
In eigener Sache meldet sich der Hanselimaa zu Wort:
Es fremdelet wel z vyyl Schwooben yyne kemme,
wo mit em Hoochdytsch d Stadt iiberschwemme.
Au d CIBA isch jetz schwöbisch – «Doch ich passe mich an»
und haiss drum s nägscht Joor «Hanselmann!»
Einen guten Vorschlag hat die Gasladärne parat:
Wenn Eyer Busi oder s Hundeli verändet,
denn wird’s kremiert, und das wo übrig blybt verwändet.
Me macht e Brosche oder Ring us syner Aesche.
Und vo der Gigi Oeri gits denn Läderdäsche!
Politisch interessiert zeigt sich s Gratzbürschtli:
D Barbara Schneider het e Stäärnstund ghaa,
woo si mäldet by de Waale drätt si nümme aa.
Si het e mängge Blatz z Basel verschandlet!
doch daasmool het si richtig ghandlet.
Und ganz aktuell fügen sie an:
Und mit em Villiger, ihr werdets gseh,
hett UBS ai Kaschper mee.
Nach der Melodie vom Schacher Sepp singen die Blauäugige:
Ich bii dr Blatter Seppeli – bii üsser Rand und Band,
ich bii es raasends Deppeli – bi Faarte uber Land;
als FIFA-Boss, da gib ich Gaas – und dänk nach ei, zwei Wyy:
bim Füessball isch s wie uff dr Straass, – s chunnt keinu am Sepp verbyy!
Auch sie sind seit zehn Jahren dabei. «Do sage mir ganz dittlig klaar: jetzt gheeret ihr zem Inventar», so gratuliert ihnen Georg Krayer.
Mit Minihelgen, auf denen nur Zahlen stehen stellt s Glettyse fest:
s’ erklärt e-n-Oscht-Germaanen-Wyybli stolz:
«Seit 12 Jahren leb’ ich schon im Berner Unterholz!»
Dass e Schwoob freiwillig bi uns im Wäldli pennt,
Verstoot e jede, wo die dytschi Kuchi kennt!Tätä-tätä-tätä.
Aus dem Drummeli zurück melden sich d Stroosewischer:
«Ey hesch e Stutz, odr so, ey waisch für öbbis z Ässe,
ha grad e Loch, waisch, ha drum s Boortmenee vergässe.
Ey danggschöön gäll, un no ne schööne, odr so!»
Das isch der Ospel z Wollerau inkognito.
Seine Helgen sind auf Jutesäcke gemalt, dazu rapt dr Heiri:
Y ha-n-e Bängger letschti gseh mit Trääne s Blääch poliere.
«Ych verkauf my Bentley», sait er, «ych due-n-en inseriere.
Und waisch, so richtig fertig macht my jetzt am allermaischte:
Syt me dr Sprit wider zahle kaa, kaa mr dr Kaare nümmi laischte.»
Bereits an den kommenden Sommer denken die Zämmegwürflete:
Schöni Summerferie das wänn ganz klar alli ha
Au mir und fliege mit me Flugi nach Antalya
3 Stund gohts – no schnäller giengs ‚ wotsch in d Türkey und das rugg-zugg
Fahrsch mit em 8-er Drämmli aifach über d Brugg
Über Regierungspräsident Morin wissen die Zahnstocher zu berichten:
Non em Wüsche und denn hinderem Roothuus Jätte,
non em Velo butze, fligge, Spaiche fätte,
isch dr Morin Guy in Shorts ans Rhybord gsässe
und het mit Staatsgescht Öpfelmues und Hörnli gässe!
Sie sind schon seit 20 Jahren uff dr Gass. Daher meint Andreas «Dres» Nabholz in seiner Laudatio: « Iir sinn, do simmer eerlig, fir d Basler Fasnacht unentbeerlig».
D Stächpalme erinnert sich an die Euro 08:
An dr Euro rieft ain froh: sans griesst,
i hoff, dass Öschtreich Tore schiesst!
Zaghaft schüttlen yych dr Kopf: mein Freund, das glaub ich nie.
Mit den Schuhen, wo ihr schuttet, fährt man nämlich Schyy!
Es geht dem Ende zu. Die Reihe der letzten drei Bängg eröffnet dr Singvogel:
Die hänn kai Ahnig uff der Poscht, y finds verruggt.
Die hänn e Maise uff en A-Poscht-Maargge druggt.
Dasch e Belaidigung, wo flinggi Vögel gränggt,
denn rain symbolisch hätt e lahmi Änte glänggt.
Auch die Penetrante machen sich Sorgen:
Der Bresidänt in USA isch nimmi wiss.
Um die exotischi Miss Schweiz do git s e Gschiss.
Wenn das so witer goot hänn mir analysiert;
isch der näggschti Pabst woorschyynlig reformiert
Den glanzvollen Schlusspunkt setzt dr Peperoni:
Der Couchepin het’s im hooche Booge,
in sone schwarzes CERN-Loch zooge.
Doch denn isch alles abvereggt, was sell y lang verzelle,
dä isch wiider fiirekoo: …das Loch het en nit welle.
Kurz vor 23 Uhr entlassen die Pfyffer und Streifer das Publikum traditionsgemäss mit einem rassigen Wettsteinmarsch.
Weitere Informationen:
Homepage Schnitzelbank-Comité (mit allen Versen)
Impressionen Schnitzelbängg 2009 in der BFO-Foto-Galerie



