Die BVB beugen sich Druck aus Bern

1. April 2009 | Von | Kategorie: Nachrichten

Jedes Jahr betreiben die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) einen nicht zu verachtenden Aufwand zu Gunsten der Basler Fasnacht. So wird jeweils rechtzeitig zum Cortège bis Betriebsschluss die Innerstadt zur «ÖV-freien Zone» erklärt: Trams und Busse werden um die Stadt herum umgeleitet und Oldtimer-Trämli zieren die Comité-Standorte. Geht es nach dem Willen des für den öffentlichen Verkehr zuständigen Bundesamtes für Verkehr (BAV), ist – wie Recherchen von Basler Fasnacht Online (BFO) zeigen – damit ab kommendem Jahr Schluss. Zur Begründung dieses Entscheides wird das «Bundesgesetz über den Transport im öffentlichen Verkehr» ins Feld geführt. Dieses schreibt eine sogenannte «Transportpflicht» vor, welche Unternehmen des öffentlichen Verkehrs verpflichtet, die angebotenen Dienstleistungen auch tatsächlich durchzuführen. Einzig für Luftseilbahnen besteht keine Transportpflicht. Ein Umstand, der den Baslern nicht wirklich weiter hilft.

«Wir sind konsterniert», gibt BVB-Sprecherin Dagmar Jenny auf Anfrage von BFO offen zu. Aus Sicht der BVB komme man mit den Umleitungen dem Gesetz genügend nach. Bern sieht das aber offensichtlich anders. Das Unverständnis über diesen Entscheid teilt auch der Comité-Obmann Felix Rudolf von Rohr: «Für uns ist dieses Verdikt eine Katastrophe.» Bleibt es dabei, steht der Cortège wohl vor dem Aus. Rudolf von Rohr: «Alternative Routen stehen keine zur Verfügung. Wie auch? Der öffentliche Verkehr in Basel ist dermassen gut ausgebaut, dass es kaum bus- oder tramfreie Abschnitte gibt.» Ein Umstand übrigens, der auch diversen Veranstaltern von grossen Sportanlässen immer wieder die Schweissperlen auf die Stirne treibt. «Wir werden alles daran setzen, dass wir als Organisator des Cortège zumindest für dessen Dauer die Sperrung der Innerstadt aufrechterhalten können», so Rudolf von Rohr weiter.

Konkret bedeutet dies allerdings, dass die Räumfahrzeuge der Stadtreinigung und der BVB unmittelbar nach dem Cortège und somit deutlich früher die – vor allem bei Stammcliquen und Guggenmusiken – beliebten breiten Trassen reinigen müssen. «Ein nicht zu verachtender Sicherheitsaspekt», ergänzt Rudolf von Rohr. Ins gleiche Horn stöss auch Jenny: «Auch bei uns steht eine Frage im Zentrum: Wie kommen wir unfall- und konfliktfrei aneinander vorbei?» Künftig wird sich die Fasnachtsgemeinde die Stadt wohl mit Tram und Bus teilen müssen.

Ob und wie weit sich die Basler Regierung beim BAV zu Gunsten der Basler Fasnächtler einsetzen wird, konnte BFO noch nicht in Erfahrung bringen. Entsprechende Anfragen blieben bisher unbeantwortet. So oder so: Fortsetzung folgt.

Donnerstag, 02. April 2009
UPDATE: Grosses Aufatmen!

Erleichterung beim Fasnachts-Comité und den BVB. Auf Grund der zum Teil heftigen Reaktionen aus der Basler Fasnachtsszene zieht das BAV seinen umstrittenen Entscheid mit sofortiger Wirkung zurück. Somit wird auch an den kommenden «drey scheenschte Dääg» die Innerstadt frei von Tram und Bus bleiben.

Vielleicht lag es aber einfach auch nur am zu Ende gehenden 1. April.