Mit der bekannt schönen Eröffnung begann das Basel Tattoo; wie später auch beim Finale bleibt es nahezu unfassbar, wie so viele unterschiedliche Formationen derart gekonnt und harmonisch zusammenspielen können. Und das auch choreographisch: So wurde ein Schweizerkreuz gebildet und dazu «Ewigi Liebi» intoniert.
Es folgte mit der französischen «Ralley Tempête» eine Jagd-Szene mit Hunden und Pferden, die zweifellos sehr speziell und auch gut, aber doch irgendwie ein Fremdkörper war. Danach die «Calgary Stetson Show Band» aus Kanada, welche das Publikum mit farbenfrohen Tänzerinnen und einer gut dramatisierten «Carmen» erfreuten. Apropos Tänzerinnen: Da gab es auch noch diejenigen der australischen «OzScot Dance», welche elfengleich zu irischen Klängen performten, in ihren knappen Kleidchen aber im ziemlich kalt pfeifenden Wind ordentlich gefroren haben dürften.
All dies war gut, danach wurde es aber noch deutlich besser. So beim Auftritt der Militärmusik der Rekrutenschule 16-1/2009, welche sich in der Ausführung äusserst präzis zeigte, auch auf Humor nicht verzichtete und zu Recht ein erstes Mal das Publikum zum Stampfen brachte. Diesem Auftritt nicht nach stand die Polizeimusik Basel, die mit einem rassigen Beatles-Medley einen mehr als nur honorablen 100. Geburtstag feiert, wobei der grandiose Solo-Trompeter herausragte.
Danach folgten praktisch nur noch Höhepunkte und das Programm erlangte Weltklasse-Format. Da war etwa die «Band of the Blues and the Royals». Diese Formation verlässt die britischen Inseln ansonsten kaum; umso höher ist der Verdienst der Verantwortlichen einzuschätzen, eine solche Attraktion am Basel Tattoo bieten zu können. Was Ross und Reiter (gut zwei Dutzend Pferde!) boten, war schlicht eine grandiose Show.
Schon vom letzten Jahr her bekannt ist die «Band of HM Coldstream Guards» mit ihren charakteristischen Bärenfellmützen. Letztes Jahr mit einem ganzen Beatles-Programm wurde dieses Mal eine Hommage an Michael Jackson und ein Elvis-Medley präsentiert, bei dem sich eine fast schon andächtige Stille über die voll besetzten Ränge legte.
So richtig schmissig deutsch kommt das Luftwaffenmusikcorps 2 daher, sei es mit dem «Deutschmeister Regimentsmarsch» oder mit der «Berliner Luft, Luft, Luft». Eine Hommage an das Veranstalterland – und dazu eine hinreissend komische Nummer – folgt mit Rossinis «Wilhelm Tell» inklusive Apfelschuss.
Das absolute Top-Event des diesjährigen Basel Tattoo entspringt aber erfreulicherweise einheimischem Schaffen: Das «Top Secret Drum Corps» vollbringt das Unglaubliche, ihre früheren Darbietungen noch um ein Mehrfaches zu übertreffen. Noch abwechslungsreicher die Schlagfolgen, noch phantasievoller die Choreographie – und als zum Schluss noch die Trommelschlegel brennen, ist die Standing Ovation sicher.
Geschwärmt werden darf zweifellos auch über das Finale, in dem Valerie Scott, die schon mit Grössen wie Michael Jackson oder Cher aufgetreten ist, gemeinsam mit dem Schweizer Tenor Patrick von Castelberg singt. Und dann darf zu «Amazing Grace» auch das traditionelle Tränchen vergossen werden. Alles in allem ein sensationelles Basel Tattoo; die diesjährige Ausgabe soll gemäss VBS-Vertreter Oberst Grob angelehnt an das Zürcher Leichtathletik-Meeting «Weltklasse in Basel» bieten. Diesem Anspruch ist man zweifellos gerecht geworden.



