Fasnachtsgottesdienst Der Teufel steckt nicht unter der Larve

21. Februar 2010 | Von | Kategorie: Nachrichten

Es war ihm nach deutlichen Worten zumute, dem für die Liturgie verantwortlichen Pfarrer André Feuz – und er machte aus seinem Herzen keine Mördergrube. Zuerst sein Fett weg bekam der Bischof von Chur, welcher einen Fasnachtsgottesdienst im Kanton Schwyz mit der Begründung verboten hatte, dies sei Teufelswerk. «Er sollte doch wissen, der Teufel steckt im Detail, nicht unter der Larve», kommentierte Feuz und sah im Verbot und dem Zuzug aus der Innerschweiz eine mögliche Ursache dafür, dass die Offene Kirche Elisabethen bis auf den wirklich allerletzten Platz gefüllt war.

Die nächsten Dinge, die «ex cathedra» frontal angegriffen wurden, waren die SVP, das «Schwoobe-Bashing» in gewissen Medien und die Minarett-Gegner. Das passte dann auch thematisch, zog sich doch die (manchmal etwas gar penetrant «gutmenschlich» vorgetragene) Aufforderung, die Fremden nicht auszugrenzen, als Roter Faden durch die Veranstaltung. Marinette Oeggerli trug zu Beginn die Gedanken und Erlebnisse einer Frau vor, deren Schatz «nit vo doo» ist. Hier ein kleines “Müsterchen“:

By uns haisst s «Gäll de kennsch mi nit?»
wenn s stimmt, woo isch s Brobleem?
Äär macht ganz lycht dr erschti Schritt,
miir sinn derzue z bequem.
Miir leege lieber d Laarve-n-aa,
dien unser Gsicht verstegge
– so lang me s no verstegge kaa

s luurt bald an jeedem Egge
e Gfoor, bikunnsch graad Hiehnerhut,
es könnt soo viil bassiere.
Doo höörsch e Stimm, die sait ganz lut:
Wottsch nit emool brobiere,
soo wie de bisch duur s Lääbe z goo
uff Konvetioone pfyffe,
und an dr Fasnacht aifach soo
noo fremde Stäärne gryffe?

Zu Recht grossen Applaus im musikalischen Teil empfing die Pfeifergruppe mit «Piccolo-Queen» Nicole Stohler, Heidy Oppliger, Michèle Zeggari, Kurt Stalder und Roger Zähringer. Die Darbietungen des «Ueli» oder der Klarinettenpolka «Dr Halbschueh» stellten ganz hohe Schule dar – so unter dem Motto: «Schwieriges luftig-leicht aussehen lassen». Teilweise begleitet wurde das Quintett von der Trommelgruppe «Aprico», die mit Maulgeigen und ähnlichem auch noch ein hinreissend komisches Solo mit einem Mix aus Glenn Miller, Beatles und Abba boten.

Von den beiden Schnitzelbänggen gefielen die «Dootebainli» mit feinen Versen, die oft schon in der Mitte zum Schmunzeln Anlass gaben, und einem herrlichen «Monschtervärs» zum Thema Schweinegrippe, in dem wohl sämtliche tierischen Kreaturen auf Gottes Erde aufgezählt wurden. Die «Paparazzi» hatten noch etwas logistische Probleme und werden an Synchronität bis Montag-Abend sicher noch gewinnen. Eine höchst amüsante Erklärung hatten sie, warum es den Comité-Mitglieder so oft «dr Huet lüpft»: Es liegt am altersbedingten Bluthochdruck.

Als Überraschungsgast – und Premiere am Fasnachtsgottesdienst – trat die Alte Garde der «Ventilatore» an, deren Repertoire aber alles andere als alt ist: Höhepunkt war der Schweizer Hit 2010 «S Fyyr vo dr Sehnsucht». Dass sie nach «guter» Guggen-Manier nur das erste Stück mit aufgesetzter Larve spielten, ist allerdings bedauerlich.

Ansonsten gab es aber gar nichts zu bedauern am Fasnachtsgottesdienst 2010 – und schon gar nicht das Kommen. Zum Schluss bleibt der auch von dieser Seite wärmstens unterstützte Wunsch von Pfarrer Feuz: «E tüüflisch gueti Fasnacht!»