«dr Ufftaggt ’10» Töne der Zukunft und ein Turm aus Fischstäbli

21. Februar 2010 | Von | Kategorie: Nachrichten

Ob es wohl als Gruss an den Fasnachtsgottesdienst «Gäll de kennsch mi nit?» gedacht war, welcher gleich nebenan in der Elisabethenkirche stattfand? Jedenfalls begann die Ausgabe von «dr Ufftaggt ′10 – LIGHT und 100% PROMI-FREI!» mit einem zehnminütigen Glockenläuten. Sinngemäss verabschiedete ein Rapper am Schluss das Publikum nicht mit «E scheeni Fasnacht» sondern mit den Worten «Gehet hin in Frieden!».

Was das Programm vom siebten Ufftaggt anbetraf war das Publikum gewarnt. «Das bereits zur Kultveranstaltung gewordene vorfasnächtliche Sonntagmorgen-Konzert macht dieses Jahr seinen Auftakt nicht mit den schönsten Fasnachtsmärschen sondern mit Tönen der Zukunft. Es überspringt wagemutig fasnächtliche Erfahrungen und liebgewonnene Klänge der Jetztzeit und bringt die Töne der Fasnacht von Morgen und Übermorgen», so stand es in der Vorankündung. Und Organisator Bernhard «Beery» Batschelet und sein tolles Ensemble haben Wort gehalten.

Grandios waren die Trommelvorträge. Die vierstimmige Komposition «SPEED» von Ivan Kym ist gespickt mit Showelementen und Überraschungen. So wurden die Trommeln auch quer getragen und auf Schlag- und Saitenfell getrommelt. Die im Stil von Märlitante Trudi Gerster vorgetragenen Geschichte «Dr Fasnachts-Drummler ussem Tal» handelt von einem Tambour der sich in eine Zigeunerin verliebt. Dazu passte natürlich der noch in der traditionellen Form, aber mit vielen neuen, schön zu spielenden Streichkompositionen geschriebene Marsch «dr Zigüner» vom Ivan Kym. Von ihm stammt auch der Marsch «SUPERNOVA». Diese wohl bis heute anspruchsvollste Trommelkomposition wurde letztes Jahr am Ufftaggt von Ivan Kym und Fabian Egger uraufgeführt. Nun trug erstmals ein riesiger Harst Tambouren unter der Stabführung des Komponisten das Werk vor.

Doch die Pfeifergruppe stand den Tambouren was die grossartigen Vorträge anbetrifft nicht nach. Kym fragte einmal Batschelet, ob es nicht möglich sei zu seinem Trommelmarsch «dr Zigüner» eine «Melodie(!)» zu erfinde. Daraufhin komponierte Batschelet den fünfstimmigen Pfeifermarsch «d Zigünerin», welcher eine glanzvolle Urauffühtrung erlebt. Von Lukas «Cheese» Burkhardt wiederum stammt «dr Jeannot-Blues», halb Trauermarsch, halb Swing mit schrägen Anklängen an den «Whiky Soda». Geschrieben hat ihn Burckhardt zur Einweihung des Tinguely-Museums «in Erinnerung an den grossen Fasnächtler und Kuttlebutzer». Zur neunköpfigen Pfeifergruppe gesellen sich ein Tambour, Urs Rickenbacher (Banjo) und Marc Rebetez (Percussion). Ganz ins Konzept passt auch die Uraufführung von «dr Gwaggli» von David Wohnlich, ein sechstimmiger futuristischer Pfeifermarsch mit durchgehender Sechzehntelrhythmik. Für die Kleinbasler «Gesellschaft zum Bären» schrieb Batschelet «dr Bäre-Blues». Dazu kommen Kinder auf die Bühne und spielen mit Stoffbären. Es erscheint ein schwarzer Bär und tanzt mit den Kindern. Dann kommt noch ein brauner Bär mit Tambourmajorstock und Kopflatärne dazu. Eine lustige Einlage, welche viel Beifall erntet. Die mitreissende Motorik und die eingängigen Melodien von Igor Stravinsky’s Ballettmusik inspirierten Batschelet zum «dr Igor» (Uraufführung). Den musikalischen Abschluss macht Batschelets Uraufführung von «SuperNovela». Dazu schreibt er: «Die melodische und harmonische Umsetzung von Ivans hochkomplexen Trommelrhythmen im SUPERNOVA hat mich mehr gefordert als je etwas. Aber ich glaube, ich habe die Wette mit ihm gewonnen». Dem kann man nur zustimmen.

Tomas Moeckel schrieb für das Trio Kevin Klapka (Piccolo), Roman Huber (E-Piano) und Bastian Pfefferli (Vibraphon) das jazzige Stück «It happend» (Uraufführung).

Mit auf eine Leinwand projizierten Bildern werden verschiedene Vorträge aufgelockert. So der Vortag «E Bangg uss Bilder» von drei Erzählern, welche die Larven vom Singvogel, Fäärimaa und Strossewischer tragen. Darin baut ein Mädchen, angetan vom geplanten Roche-Turm einen immer höher werdenden Turm aus Fischstäbli. Dazu erscheinen die Worte «Komm herauf, Du Mensch, komm näher zu Gott». Doch wie der Turm zu Babel stürzte auch dieser Turm zusammen.

Vier Rapper machen den musikalischen Abschluss. Dann zählt einer «One – two – three – four», es erklingen die ersten Takte vom «Morgestraich» und dann ist Schluss. Mit nicht enden wollendem Beifall danken die Besucher allen Mitwirkenden.