Die Esser sind zufrieden, sie sollten aber am Wagury nur die Kasernen-Reithalle bis zum Beginn der Fasnachts-Party füllen. Doch hinterher kamen die Jungen nicht.
Über die Mittlere Brücke marschiert eine Gugge nach der anderen. Das Volk in der Greifengase steht dicht gedrängt. Aber schon wenige Schritte nordwärts ist der Trubel vorbei. An der Waage- & Reggwisyte-Uusstellig in der Kaserne verlieren sich gegen Acht nur ein paar wenige Besucher. Eher Wägeler zudem, wie etwa die «rote Zingge», die an ihrer Wagen-Bar genüsslich ein Fondue mampfen und so den Käse verzehren, statt ihn vom Wagen unters Volk zu bringen.
Mit einer Gugge-Matinée am Sonntagmorgen vor dem Fasnachtsauftakt, der Waage- und Reggwisyte-Uusstellig und allabendlichen DJs wollte das Fasnachts-Comité das Kasernenareal im Kleinbasel während der Fasnacht zu einem zweiten Zentrum anwachsen lassen, nachdem in den letzten Jahre die Uusstellig alleine bisher praktisch nur die Wägeler selber dorthin angelockt hatte. «Wagury» nennt sich das neue Paket. Angekündigt waren 28 Wagen und 40 Requisiten.
In der Reithalle herrscht zwar kein Gedränge, aber an vielen Tischen sitzen Cliquen beim Znacht und loben den prompten Service. Das wiederum freut Toni Brüderli. Der Baselbieter Gastro-Unternehmer, der in diesem Jahr erstmals das Catering in der Reithalle managt, ist mit dem Geschäftsgang zufrieden. Bereits am Montag waren es 700 Nachtessen, die sein Team serviert hat. Am Dienstag und gestern sind nochmals ein paar Hundert dazu gekommen. Da geht die Grundrechnung schon einmal auf.
Junges Partyvolk blieb aus
Nur die Gomfi auf die Anggeschnitte lässt noch zu wünschen übrig: Das vom Fasnachts-Comité mit dem Wagury explizit angesprochene junge Partyvolk hat nämlich noch nicht geschnallt, dass da im Kleinbasel die A-Post abgehen könnte, wenn sie ihrer Lieblingsgugge auch in die Kaserne folgen, wo diese einen Fahrplan-mässigen Auftritt hat.
Nur – hinterher hätten sie auch bleiben müssen. Platz genug war da. Nicht nur auf dem Dancefloor, auf dem zwischen den Guggen-Auftritten auf einer von Steckenlaternen umrandeten Bühne DJ lukJLite bei freiem Eintritt zum Tanzen aufgelegt hat, sondern auch an zwei Bars und in einer gediegenen Lounge, wo’s genügend Raum zum Chillen gab.
Versli im Dunkeln entziffern
OK, draussen vor der Tür war zuweilen auch etwas los. Am Dienstagabend wohl mehrheitlich aus internen Cliquen-Gründen, oder weil man so mit der Liebsten Wagen-Versli wie etwa «Lieber im Bettli e Jeanettli, statt d Sicht vom Nachtdischli zem Minarettli» im Halbdunkeln noch entziffern konnte.
Mag sein, dass sich das zur nächtlichen Stunde noch geändert hat, aber auch wenn nicht: Nit uffgää, nur die Strategie ändern. Beispielsweise bereits im Vorfeld in den einschlägigen Foren des Internets entsprechend Hits abladen oder so (die korrekte Bezeichnung sei hier gerne dem diesbezüglich viveren Jungvolk überlassen, was auch dem hundertjährigen Fasnachts-Comité zu empfehlen wäre).
Ansonsten bleibt noch immer die Möglichkeit, den Weg ins Kasernenareal vom Bankverein aus EM-mässig zu markieren, damit auch solche ohne GPS auf ihrem Handy, wie damals die Holländer, den rechten Weg zum richtigen Ort finden…



