Es gehört irgendwie zu den Vorboten der Fasnacht, dass vier Wochen vor dem Morgestraich in Basel das Trommelverbot aufgehoben wird. Dass dieses unter dem Jahr hindurch gilt, ist Tradition. Sehr lange Tradition. «Alles unbefugte Trommeln wird in unserem ganzen Kantonsteile untersagt», heisst es in Paragraph 1 der Verordnung, die sage und schreibe auf den 10. Januar 1852 zurückgeht. «Ich bin zufälligerweise darauf gestossen», sagt Patrick Stalder, Tambour bei den Naarebaschi und der Drummelgrubbe Aprico 2007. Er gründete daraufhin die Facebook-Gruppe «Freiheit für s Drummle» – und erreichte damit innert kürzester Zeit grosse Aufmerksamkeit. Auch seitens der Politik: Wie Recherchen von Basler Fasnacht Online ergaben, hat CVP-Grossrat Balz Herter (ausführliches Interview) heute nun eine entsprechende Motion zur Aufhebung des fast 160-jährigen Trommelverbots eingereicht.
Die Chancen für diese Motion mag der Ideengeber Stalder gar nicht einschätzen. «Das ist mir im Grunde genommen gar nicht so wichtig», sagt er, «viel wichtiger ist mir, dass das Trommeln mehr geschätzt und unterstützt wird.» Mit den Reaktionen auf die Facebook-Gruppe habe er diesbezüglich bereits einen ersten Erfolg verbuchen können. Trotzdem würde er dem heutigen Bewilligungsverfahren keine Träne nachweinen: Wer nämlich ausserhalb der eingangs erwähnten Fasnachtszeit trommeln will, muss beim Waffenbüro auf dem Spiegelhof eine entsprechende Bewilligung einholen.
Überrascht zeigt sich Stalder davon, dass auch Nicht-Tambouren die Idee begrüssen. «Alle wollen die Fasnacht und die damit verbundene Musikkultur unterstützen.» Die eingereichte Motion ist von 26 Mitgliedern des Grossen Rats unterzeichnet worden. Sie bezeichnen die Verordnung alles andere als zeitgemäss. «Sie ist in gewissen Punkten fast schon zu belächeln», heisst es – nicht zuletzt mit Blick auf denjenigen Punkt, dass durchs Trommeln in der Stadt Pferde unnötig aufgescheucht werden könnten. «Die momentane Gesetzgebung reicht vollkommen aus, um Lärmklagen nachzugehen.»
Wie kreativ die Sympathisanten waren, zeigt ein Blick ins Facebook: «Die Mitglieder schlugen beispielsweise aus Protest einen vierten Bummelsonntag, eine anderweitige Demo oder einen Stammtisch vor», so Stalder gegenüber Basler Fasnacht Online. Diese Ideen und die rege Beteiligung hätten dazu geführt, dass das Thema bereits derart weit gereift ist. «Je mehr Leute von der Motion wissen, desto mehr Personen und Gruppierungen werden dahinterstehen.»
Weitere Informationen:
Interview mit Balz Herter zur Motion
Interview mit Klaus Mannhart (Sprecher Justiz- und Sicherheitsdepartement)
Motion zur Aufhebung des Trommelsverbots (PDF-Datei)
«Verordnung in betreff des Trommelns» vom 10. Januar 1852 (PDF-Datei)
Facebook-Gruppe «Freiheit für s Drummle»
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