S’Pfyfferli 2014: fescht in Dytscher Hand

11. Januar 2014 | Von | Bilder: Dennis L. Rhein | Kategorie: Top-Thema, Nachrichten

Der Zeitgeist in der Schweiz und auch in unserer Stadt hat auch das Theater Fauteuil eingeholt. Während in bald allen Verwaltungsräten ein deutscher Staatsangehöriger den Vorsitz einnimmt, die Chefetagen der Grosskonzerne über eine Führungsriege aus dem Nachbarstaat verfügt und selbst in kleineren Betrieben die Anzahl der Mitarbeiterbelegschaft aus dem grossen Kanton stammen, wurde es Zeit wenigstens einen dieser Zugewanderten fest in die Basler Fasnachtsszene einzuführen. Genau dieses Ziel hat sich Caroline Rasser auf die Fahne geschrieben und so bildet das Integrationsvorhaben den Mittelpunkt des diesjährigen „Pfeifferlein“.

Genau so ausführlich wie meine einleitenden Zeilen, kommt auch der diesjährige Prolog daher. Um dem Publikum die Idee des diesjährigen Pfyfferli nahezubringen, wird dieser in drei Anläufen aufgeführt. Im Zentrum steht hierbei der deutsche Schauspieler Claus Theo Gärnter, alias Matula, welcher vom Pfyfferli-Ensemble sozusagen adoptiert wird und versucht wird ihm die Gepflogenheiten der Basler Fasnacht und unser „Baseldytsch“ beizubringen. Ihm zur Seite stellten sie Stefanie Verkerk. Das zweite Neumitglied des Ensembles, das ebenfalls aus Deutschland stammt. Ihr fällt die Aufgabe zu, ihn zu unterstützen. Dies kommt vor allem bei der Simultanübersetzung des „Pfyfferli-Lied“ vom „Baseldytsche“ ins Hochdeutsche bestens zum tragen.

„D Spaalebuggel-Kavallery“ bestehend aus 8 Pfeiffer der „Bajass und Barfiessler“ und unterstützt durch einen Blechtrommler, einen Paukisten und einen Chinellisten, trabten sozusagen über die Grenze und bringen dem Publikum auch in musikalischer Hinsicht ein wenig Berliner Luft mit. Die Kostüme passend im preussischem Styl.

Die zweite Unterbrechung des dreigeteilten Prologs, erfolgt durch die Nummer mit dem Titel: „Primetime!“ aus der Feder von Walo Niedermann. Eine aufwändige Inszenierung mit viel Witz, Tanzeinlagen, Lichteffekten und vorab mit einem Lippenbekenntnis von Gärtner: „Ich war noch niemals am Morgenstreich“. Ein erster Höhepunkt, bei welchem auch der Verantwortliche für das Licht eine Mammutaufgabe bewältigen muss.

Mit „Dr. FMH“ fand an dieser Premierenvorstellung der erste „Schnitzelbangg“ den Weg an den „Spaalebuggel“. Er sieht sich selber als Integrationsperson, da seine„Schweschter Gudrun“ ja auch aus dem „Schwoobenland“ stammen soll. Wie immer eine gelungen, amüsante Sprechstunde.

Eine Äusserst spassige Angelegenheit wird dann auch die Überfahrt mit der Klingeltalfähre, wo zwei sich aus dem vergangnen Pfyfferli kennenden Damen (Caroline Rasser und Salomé Jantz) und ihre Hunde wiedersehen. Eine Überfahrt, welche für viele Lacher sorgt und auch hier die Frage gestellt wird, ob künftig die Merkel den Vogel Gryff tanzen wird.

Mit dem „Schlauracher“ (gemischt) an der Bar folgt ein weiteres fasnachtmusikalisches Intermezzo, bevor dann Rheinländische Faschinskultur in das Fauteuil Einlass begehrt. Eine Mischung aus „Alti Dante“ und Narrenkappe verkörpert Gärtner bei seiner Büttenrede, welche aber sofort von einem „Waggis“ unterbrochen wird. Alsdann bringt er einen Reigen über unsere Regierungsvertreter und obschon das vergangene Jahr einiges an Skandalen hervorbrachte, fielen diese eher etwas Handzahm aus. Im Anschluss daran durfte natürlich auch ein Auftritt von mehreren Funkenmariechen nicht fehlen und diese verstanden es wirklich ihre Beine in die Luft zu  heben.

Die Seitenhiebe, welche wir Basler vor allem rund um die Fasnacht in Richtung grossen Kanton senden, spielt beim nächsten Programmpunkt eine Übergeordnete Rolle. Die Überzeichnete Darstellung einer Fasnachtgesteuerten Familie, mit dem Oberhaupt (Gilles Tschudi) hält uns aber bewusst den Spiegel vor.

Mit dem „Soodeli“ aus den Federn von Bernhard Batschelet und Ivan Kim folgt dann ein Pfeiffer- und Tambourenmarsch, welchen man in der Szene nicht oft zu hören bekommt. Wunderbar.

Die Printmedien bekommen beim „Basler Hallelujah“ ihr Fett weg. Vorab die BaZ und ihre Verleger aber auch das Rädäbäng mit ihrem Obmann Christoph Bürgin, wurden im fünfstimmig gesungenen Refrain mit feinen Nadelstichen bedacht. Absolut hörenswert.

Ein weiterer Spitzenbangg stand alsdann mit „em Peperoni“ vor dem Premierenpublikum auf der Bühne. Wie immer ein Garant für griffige Pointen und der Abhörskandal hat es ihm in diesem Jahr besonders angetan.

Die Frauenquote steht danach im Mittelpunkt. Die Voraussetzungen hierfür wurden jedoch vertausch. Gleich drei Männer als Frauen verkleidet (Roland Herrmann, Gilles Tschudi, Claus Theo Gärtner) bewerben sich für eine Stelle, eine Frauenstelle wohlgemerkt. Alleine das Outfit der „drei Damen“ sorgte im Publikum für Verzückung und auffallend waren die strammen Waden von Herrn Gärtner!

Der musikalische Abschluss des diesjährigen „Pfyfferli“ bildet das Stück „Pig Square Rag“ nach Scott Joglin und arrangiert von Thomy Heid. Eine Piccolosymphonie mit Pianobegleitung (Daniel Wittlin). Ein würdiger Abschluss eines kurzweiligen Programms.

Der Epilog fügt jetzt alles zusammen. Der nun in die Fasnachtswelt integrierte deutsche Schauspieler darf sich das erste Kostüm überstreifen und mit dem ihm vermittelten Insiderwissen in die Fasnacht abtauchen.

Das Pfyfferli 2014 kommt wie angekündigt Deutsch daher. Das Klischee des „Schwoob“ welches wir in Basel praktisch zelebrieren, wird hier gnadenlos aufgezeigt und gleichzeitig Herr und Frau Basler der Spiegel vorgehalten. Ein Pfyfferli, wie man es bis anhin so noch nicht gesehen hat, mit einem Thema, welches vom dreiteiligen Prolog bis zum Epilog durchgezogen wird und das mit mehr Fasnachtsmusik bestückt ist als es in den vergangenen Jahren der Fall war. Ich bin der Meinung, dass das Konzept von Caroline Rasser mit der Verpflichtung von Claus Theo Gärtner zu 100 Prozent aufgegangen ist und dessen Permierenervosität sich in den nächsten Tagen sicherlich noch legen wird.

Es sind noch wenige Ticketts erhältlich

„Pfyfferli 2014“
Theater Fauteuil
10. Januar bis 09. März 2014
Di. bis Fr. täglich 20 Uhr / Sa. 18 und 21 Uhr / So. 16 und 20 Uhr
Vorverkauf: www.fauteuil.ch und Tel. 061 261 26 10 (täglich ab 15 Uhr)