Die Guggemusig Orginal Chnulleri gilt als älteste aktive Basler Guggemusik und feiert ihren neuzigsten Geburtstag mit einem Guggenfest im Singerhuus.
Ein Chnulleri ist ein vornehmer Trinker aus dem Kleinbasel. «Kein Säufer» ein Geniesser, wie Christian Aegeter Sekretär der «Orginal Chnulleri» erklärt. Gemäss Otto Wiessler Verstoosch hösch. E Gugge voll Chnullerisprüch von 1950 bezieht sich das Mundartwort Chnulleri; als lieb gmeinte Bezeichnung für eine Person, welche etwas einfach denkt und sich in simplen Worten ausdrückt. Wie der Guggen-Name entstanden ist, ist indes nicht genau überliefert.
Sie sind gemäss Aegeter die älteste Guggenmusik, die seit der Gründung durchgehend Fasnacht betreibt. Älter seien vom Gründungsjahr her nur die «Jeisi Migger 1926», welche nach dem Tod von Gründer Emil (Migger) Jeisi, Pfeiferchef bei den «Alte Stainlemer» aber einen Unterbruch in ihrer Historie aufweisen würden und auch d Negro Rhygass wurden ursprünglich 1927 gegründet, verschwanden aber ab 1950 bis zu ihrer Neugründung im 1958 von der fasnachtlichen Bildfläche.
In die Zeit der globalen wirtschaftlichen Depression fiel in Basel-Stadt die Geburtsstunde der Guggemusik Orginal Chnulleri. Es begann damit, dass Paul Schwörer, ein Guggenveteran der schon 1930 am Morgenstreich mitschränzte, sich mit zwei Freunden aus dem Erleneck zusammentat. Mit Handorgel, Pauke und Trommel zogen sie alsdann zur Fasnacht 1935 von der Claramatte aus durch die fasnachtlichen Kleinbasler-Strassen. Das Restaurant Claramatte diente dem Trio damals als Stammlokal und zugleich als Ort um sich auf die Fasnacht vorzubereiten. Schwörers kleine Gruppe fand bald weitere Gesinnungsgenossen im Quartier und das Stammlokal Claramatte wurde schon bald zu klein.
Alsdann fand man eine neue Heimat im Restaurant Claraeck an der Clarastrasse 1, welches später zur bekannten Fasnachtsbaiz dem „Holzschopf“ mutierte. Wie alle fasnächtlichen Formationen litt auch die Guggemusik von Paul Schwörer unter dem 1939 ausgebrochenen 2. Weltkrieg, weil bekanntlich die Strassen-Fasnacht in Basel in den Jahren 1940-1945 nicht stattfand, blieb ein weiteres Mitgliederwachstum vorerst Wunschtraum.
Die Gugge von Paul Schwörer, genannt «Schwörer’s Gugge», hatte immer noch keinen Namen und so entschloss man sich erst im Jahre 1949 für den Namen «Orginal Chnulleri» und meldet sich gleichzeitig beim Schnitzelbank-Comité an. Warum beim Schnitzelbank-Comité fragt man sich da unweigerlich. Damals eingetragene Guggenmusiken waren dieser Tage verpflichtet, zwischen den Schnitzenbänken in den Lokalen die Pausen musikalisch zu überbrücken.
Zurück zu den Kriegstagen gab es bekanntlich keine Strassenfasnacht. Allerdings lebte die Basler Fasnacht in geschlossenen Lokalen und am „Drummeli“ weiter, wo auch die Basler Guggen zu hören waren.
In jenem Jahr soll Paul Schwörers Gugge einen etwas speziellen Brauch lanciert haben, nämlich die Beerdigung der Fasnacht am frühen Morgen des Donnerstags. Zum Abschluss der drei Fasnachtstage begab man sich auf die mittlere Rheinbrücke und warf beim Käppelijoch einen symbolischen Sarg in den Rhein. Die Idee wurde bei den Guggen populär und wurde bis ins Jahr 1952 durchgeführt bis Basler Tageszeitungen dieses Treiben heftig kritisierten und die «Sargwerferei» darauf hin wieder verschwand. Die Kratzbyrschte 1975 haben diese Tradition aber wieder aufgenommen und bis heute weitergeführt.
(Quelle: Entstehung der Guggenmusik in Basel 1906 -1965 / by altbasel.ch / roger jean rebmann)
Bis 1949 hat «Schwörer’s Gugge» den Nachmittags-Cortège unangemeldet und freiwillig absolviert, seit den fünfziger Jahren absolvieren die Orginal Chnulleri jedoch keinen Cortège mehr, findet sich aber am Fasnachts-Montag sowie Fasnachts-Mittwoch jeweils abends „uff dr Gass“ ein und konzertierten in Lokalen.
Der Fasnachts-Dienstag fängt nachmittags schon tratitionell mit einem Kinderumzug an und man versucht durch das Gross- und Kleinbasel zu kommen, was zwischenzeitlich doch sehr beschwerlich ist, bei der unüberschaubaren Masse von Mitwirkenden und Schaulustigen. Der Dienstag gipfelt am Abend mit dem Guggen-Sternmarsch mit Start an der Mustermesse bis zum Endziel Barfüsserplatz (Seibi), wo mit dem Guggekonzert jeweils der Höhepunkt der Fasnacht erreicht wird.
E glai Gedicht uss dr Zyt
Mängmool sin Ihr glatti Spinner,
mängmool mache Ihr aim muff.
Ains isch klar: im Lärme sinner
allewyl die grosse Gwinner
Näben Eych kunnt niemerts uff.
Uus de wilde Schränz-Mixture
gits sogar non e Konzärt.
Zooben uff der Klaagemuure
Cowboys, Pierrot, Schaiche, Buure
das Spektakel isch derwärt.
Fraisch di draa? Wottsch di verdrugge?
Teents wie Muusig? Ischs Krakeel?
Hänn kai Angscht, Ihr lute Gugge,
d Fasnacht het e braite Rugge
und e toleranti Seel.
(Blasius uss em Buech Em Bebbi sy Fasnacht 1977)
Höhepunkt in der Chronik
1964 ein Höhepunkt in der Chnulleri-Chronik! Wir wurden nach Stuttgart eingeladen um dort in einer grossen ZDF-Produktion mitzuwirken. Es handelte sich um eine Unterhaltungssendung mit Show-Grösse und Big-Band Leader Max Greger. Ausgerechnet unser erster Auslandaufenthalt bescherte uns internationale Aufmerksamkeit und einen gewissen Bekanntheitsgrad über die Stadt-Grenzen hinaus. Die Vorbereitungen zu diesem Fernsehmoment stellte uns aber auch vor unsere grösste Herausforderung in musikalischer aber auch emotionaler Hinsicht. Es folgten weitere Auftritte im Ausland, wie beispielsweise in Schwäbisch Gmünd zum Internationalen «Guggenträff».
Am Pfyfferli 1978
Damals noch unter der Leitung von Roland Rasser und mit Bernhard Baumgartner und Sabine Rasser im Ensemble, liessen die Pfyfferli-Macher sogar noch 2 Guggen am Pfyfferli auftreten. Man stelle sich das getöse im Gewölbekeller des Theater Fauteuil am Spalenberg vor, als im 1978 die Guggenmusig Rhyschwalbe und d Orginal Chnulleri aufgetreten sind. Im damaligen Programmheft sind sogar noch jedes Aktivmitglied namentlich aufgeführt.
50. Jubiläum
1986 feiern d Orginal Chnulleri ein halbes Jahrhundert Gründungsgeschichte und genau auf dieses Jubiläum hin hat Petrus die Basler Fasnacht mit einer weisser Pracht versehen, wonach man ab Dienstag 16.Februar 1986 den Spalenberg mit Skieren hatte heruntwedeln können, was so in die Fasnachtsgeschichte einging. Um sich von diesen schon fast alpinen Strapazen zu erholen und um das Jubiläum gebührend zu feiern, flogen die Aktiv-Mitglieder für eine Woche nach Mallorca.
Für Frauen geöffnet
In den 90er-Jahren gibt es mitgliedermässig einen Boom, als man mit den «Dalbaneesen» fusioniert. Hier trafen jedoch zwei unterschiedliche fasnachtliche Philosophien aufeinander, welche bald zu Diskepanzen führten und schliesslich eine grössere Abspaltung zur Folge hatte. In den weiteren 20 Jahren blieb die Aktivmitgliederzahl bei stabilen 22 Männern und anlässlich ihres 80. Jährigen Bestehens frohlockte der damalige Chnulleri-Obmann Sascha Hirschi, man wolle „die drey scheenschte Dääg“ weiterhin ohne Frauen verbringen. «Wir haben unsere Frauen gern, aber das ist unser Männerding», führt Hirschi damals mit einem Schmunzeln fort. Dies sollte sich aber nur kurze Zeit später ändern, als mit der Auflösung des fasnachtlichen Konkubinates zwischen den Baggemugge und d Barbarossa plötzlich Frauen anklopften und d Orginal Chnulleri ihre Guggentüren für das weibliche Geschlecht öffneten. Das funktioniert jetzt bereits seit 9 Jahren gut, so Benjamin Aegerter, welcher mit der Wahl anlässlich der 89. GV der jüngste Obmann seit der Gründung darstellt und den Altersdurchschnitt der Guggenmitglieder doch etwas senken mag.
Weniger ist mehr
In der Guggenmusig-Ausgabe der SRG-Vorabendsendung „weniger ist mehr“ im 2014 haben sich zwei Orginal Chnulleri mit 2 Konkurenten der Wundergugge Basel und 2 Schlangenfängerinnen duelliert. Mit dem Ziel zu gewinnen, traten Emanuel und Sascha zu diesem Kräftemessen an, mussten das Studio aber bereits als erstes Team verlassen.
Der andere «Morgestraich» – Weniger ist mehr – Play SRF
Auf der IG-Bühne und danach auf der FG-Bühne
Zum 90. Geburtstag werden wir mit 28 Aktivmitgliedern, zuerst am Seibi unseren gewohnten Auftritt am Dienstag Abend haben, danach werden wir auf der Bühne der befreundeten FG-Guggen auf dem Marktplatz ein weiteres Ständchen geben und wer die Orginal Chnulleri kennt, weiss es gibt sicher eine Überraschung am Seibi und am Märtplatz. D Orginal Chnulleri verstehen sich noch immer als klassisch schränzende Gugge im Gegensatz zu den vielen anderen Guggenmusiken, welche zwischenzeitlich schon bald etablierten Musikvereinen den Rang ablaufen und das kakophonische praktisch gänzlich vermissen lassen.
Guggenfest im Singerhaus
Die eigentlichen Feierlichkeiten zu unserem 90. Geburtstag finden alsdann am Fasnachts-Mittwoch-Abend ab 19:00 Uhr – 02:00 Uhr im Singerhaus statt. Es werden diverse Guggen auftreten und den Orginal Chnulleri 1936 musikalisch gratulieren. Wir freuen uns auf dieses fasnachtliche Event.
Mit dem Bummel am 8. März 2026 endet alsdann die 90. Fasnachtssaison und wir haben ab diesem Datum 10 Jahre Zeit uns auf unser grosses 100 Jahr Jubiläum vorzubereiten.



