Baseldytsch VI. Können Sie etwas mit dem Wort «Kèmyy» anfangen? Hat das etwa mit einem – nur im Dialekt – zu lang geratenen Kamin zu tun? Mitnichten. Das Wort findet sich auf Seite 133 im «BaseldeutschWörterbuch, Rudolf Suter, zweite, überarbei-tete und erweiterte Auflage, Christoph Merian Verlag, Basel 1995». Und heisst schlicht Chemie. Mit Verlaub, da würde ich auch im Baseldytsch der Verständlichkeit halber das Fremdwort Chemie Chemie sein lassen.
Und wie haben Sie es mit dem Wort «Nuugaa»? Ist es vielleicht afrikanischen Ursprungs und hat mit einem Volksstamm zu tun? Weit gefehlt. Es ist
schlicht die Sutersche Baseldeutsch-Version des französischen Nougat. Auch hier entscheide ich mich dafür, im Baseldytsch die Originalfassung zu
verwenden.
An den in Sprachgelehrten-Kreisen hoch geachteten und als unbestrittener Experte geltenden Rudolf Suter soll überhaupt kein Vorwurf ergehen. Schliesslich ist sein Buch der Band IX der Reihe «Grammatiken und Wörterbücher des Schweizerdeutschen in allgemeinverständlicher Darstellung, betreut vom Verein Schweizerdeutsch». Und für diese Buchreihe gilt als Hauptregel eine einheitliche, phonetische Schreibweise. Die Wörter werden so geschrieben, wie man sie hört oder spricht, und zwar ohne Rücksicht auf das vertraute hochdeutsche Schriftbild. Und das führt dann verständli-cherweise zu Wortgebilden, die uns – vornehm ausgedrückt – etwas fremd vorkommen. So wird aus dem Paket im Dialekt «Phagg» (mit «h» geschrieben weil das P behaucht ausgesprochen wird) oder aus Basel bei Suter eben «Baasel». Dem kann und will ich aber beim allerbesten Willen nicht folgen.
Die Einheitlichkeit der Dialekt-Schreibweise hat wahrscheinlich dazu geführt, dass die meisten Fasnächtlerinnen und Fasnächtler bei ihren poe-tischen Versuchen das Wörterbuch von Rudolf Suter zu Rate ziehen. Andere, zugegeben wenige, verlassen sich auf «e Baseldytsch-Sammlig von Fridolin» (alias Glopfgaischt, alias Robert Balthasar Christ), 5. unveränd. Auflage, Birkhäuser 1983.
Übrigens erhielt ich vor nicht allzu langer Zeit in anderer Sache von Rudolf Suter ein Telefonat. «Si kenne mi nit», meinte er. «Sälbverständlig», antwortete ich, «si sinn dr Baseldytsch-Papscht». «Bobscht», korrigierte er mich freundlich, aber Kardinal reiche ihm auch. Seine Eminenz wird mir nun wohl verzeihen, dass ich mich fürs Baseldytsch nicht an sie, sondern an Fridolin halte. Ich finde seines eben hailoos scheen…



