Dr Mäntigs-Cortège (I): Grosse Sujet-Vielfalt

19. Februar 2024 | Von | Kategorie: Nachrichten

Die Auswertung des Rädäbäng durch das Fasnachts-Comité liess befürchten, dass sich ein Grossteil der Cliquen mit ein und demselben Thema befassen würde: «Grün» und «Klima». Die Auswertung am Fasnachtsmontag am Strassenrand ergab etwas ganz anderes: Die Phantasie der Aktiven sprühte nur so und die Vielfalt der ausgespielten Sujets war grandios.

Natürlich ist es immer etwas zufällig, was da in den Nachmittagsstunden so am Cortège an einem vorbeizieht, aber diesen Montag fiel doch extrem – und extrem erfreulich auf, wie viele gute und gut umgesetzte Sujets die Cliquen, Gruppen, Wägen und Guggen gefunden haben.

Das vom Comité prognostizierte «Monster-Sujet» haben wir nur zweimal gefunden. Der Stamm der Schnurebegge läuft zusammen mit den Sürkrütt-Waggis unter dem Sujet «s Wieschte-Basel» und auf dem Zeedel schaut man voraus ins Jahr 3050:

Haiss und haisser isch es worde
Schneeflogge sinn Vergangehait
S Thermometer isch am Iberborde
Kai kiehlend Windli wyt und brait

Sehr ähnlich sind die Birewegge unterwegs mit «Sahara Basel» – daraus machen sie aber gleich eine Geschäftsidee:

E Raisefirma wänn mir grinde
Global und international
Jetz kasch Basel ney erfinde
La ville du désert, voici Bâle

Eine Nennung mehr erhält der Sujetkomplex «KI». Der künstlichen Intelligenz wollten die Abverheyte gleich das Dichten des Zeedels überlassen, was aber schief ging:

Är schwätzi Änglisch, Dütsch, Japanisch
Französisch, Spanisch, Koreanisch
Chinesisch, Russisch und Ivrit
Doch Baseldytsch verstieng er nit

Der Stamm der Muggedätscher hätten eine andere Aufgabe für KI:

Well, wenns ere glingt, wäärs e groosse Schritt
wenns am Cortège weder Lugge no Druggedde gitt

Und überhaupt, Angst muss man vor KI übrhaupt nicht haben, meinen die Rootsheere:

Muess me Angscht ha? Sicher nit!
will’s dr Mensch drhinter git
Är bestimmt – was wenn wie, wo
es mit dr KI soll wyter goo.

Erstaunlich ist, dass nicht mehr Formationen auf das CS-Debakel eingehen. Der Breo-Stamm tut es in seinem «Cabaret Scandaleux»:

Wuchelang Hektik und vyyl Radau
D Finma luegt zue und d SNB au
Nur d Journis in London, die wisse wüsse was goht
dank beschtem Droht in Bundesroot

Und natürlich bekommt auch der FCB sein Fett weg – etwa auf dem Zeedel der Gränzgänger, die einen herrlichen Reim dazu bringen:

Vom Dierschutz wurd ain sofort verklaggt
wenn er mit eme Dääge e Vogel verjaggt!

Ebenfalls mit sehr überraschenden Wendungen umgesetzt ist das Sujet «150 Joor Zolli» von den Gwürztraminer-Waggis, die gleich die ganze Basler Regierung in den Zolli verfrachten:

D Steffi Eymaa, das Laie-Wyybli
kämpft an allne Fronte im Schugger-Lyybli
und wenn das alles nimmi goot
denn gitts Pfäfferspray und Gummeschroot

E Schimpans-Männli, dasch esoo
het sich d Oore operiere loo
d OP isch glunge, maint dr Hans
äär glycht jetzt nimme im Beat Jans

Eine Überdosis von Wattenwyl haben anscheinend die Rhy-Pirate, die ansonsten zu «40 Joor Radio Basilisk» gratulieren:

Am Fiirobe im Radio verzellt dr Bachmaa sy Saich
S glyche macht au d Bettina Spaich
Und s scheene drah isch allewyyl
Am Oobe kau vo Wattewyl

Dies eine kleine Auswahl der Sujets, die am Montag durch die Clarastrasse getragen wurden: Fazit: Vielfalt statt Eintönigkeit, besinnlich bis lustig, wie es sein soll – kurz ein wunderbares Erlebnis. Wir freuen uns bereits auf den Mittwoch. Vorher gibt es aber noch eine andere Möglichkeit, sich in die verschiedenen Sujets zu vertiefen. Die Maischterlose haben den Tipp dazu:

Zum Schluss hänn mir no aine
dä isch wichtig dien mir maine
au dr Minschterblatz hett kaputti Stelle
drumm dien d Lampbe dä Blatz drei Daag erhelle

Und hier zum Schluss noch ein Nachtrag – fast in eigener Sache:

Alles Sparse – oder wenn der Schreiber am Sujet schuld ist

Da wird der Berichterstatter dringend aufgefordert, doch Anfang Nachmittag vor einem Kleinbasler Lokal zu erscheinen: Es gebe da etwas Lustiges. Pflichtgemäss erscheint er – und sieht die Olymper einen grossen, braunen Plastik mit Löchern über die Strasse ziehen. Bald darauf tröpfeln die Aktiven ein, oder besser, sie spriessen aus dem Boden, alle in grün und mit imitierten Spargeln als Larven. Sie stehen in die Löcher im Plastik, heben diesen an – und voilà steht ein veritables Spargelfeld vor dem Publikum, dass sich vor Lachen beinahe in die Hosen macht.

Schuld an diesem Sujet sei er, wird dem Schreiber dieser Zeilen vermittelt, hatte er doch im vergangenen Jahr in einem parlamentarischen Vorstoss gefragt, warum dieselben badischen Spargeln plötzliche doppelt so teuer sind, wenn sie von der Verkaufsbude gerade ennet der Grenze in Weil zum Stand auf dem Basler Marktplatz gekarrt werden – notabene, obwohl sie zollbefreit sind. Die Kanzlei des Regierungsrates sah sich darauf genötigt, Probekäufe vorzunehmen (das Erworbene soll gut geschmeckt haben).

Und die Olymper animierte der Vorstoss und die (wie meist ziemlich nichtssagende) Antwort zum diesjährigen Sujet und folgendem Vers auf dem Zeedel:

Willsch bi de Spaarse lieber biz spaare
Kah di dr Auderset vom Wucher waare
Denn wurdis gattig verzollt
Käm e jede zu sim wysse Gold
Und wenn’s am Määrtblatz Spaarse git
Denn äntwäder kaufsch’en…Audernit

Tolle Umsetzung eines Gemüse-Verstosses – Merci, Olymper – die Überraschung ist Euch gelungen!