Vor nunmehr bald 45 Jahren bin ich zum letzten Mal in den Katakomben des Basler Marionetten-Theaters (BMT) als Gast zugegen gewesen. Dieser Besuch hat sich also aufgedrängt und wenn gar eine Vorfasnachtsgeschichte aufgeführt wird, bin ich doch zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Das Team des BMT hat es mit dem „Källerstraich“ wiederum verstanden einen Abend zu gestalten, welcher von der Kombination aus Puppenspiel und realen Akteuren lebt und das Publikum zu verzaubern vermag.
Die Rahmengeschichte ist eigentlich schnell erzählt. Die Schnitzelbangg-Formation die drey Antikerper versuchen als Bänggler in dieser Gilde in die Championsleague auszusteigen. Hierfür beraten sie anlässlich ihrer Sujetsitzung über vielerlei Änderungen. Die Melodie wird hinterfragt, das Zusammenspiel im stimmlichen Bereich diskutiert, über das Sujet beraten und Verbesserungen im „Baseldytsch“ hinterfragt. Schliesslich kamen sie zur Erkenntnis, dass sie Hilfe benötigen, nur von wem? Verschiedene Kandidaten standen zur Auswahl, aber keiner scheint der geeignete zu sein. Schliesslich findet man im bereits pensonierten Schorsch vom Haafebeggi zwai den geeigneten Trainer. Plötzlich löst sich der Knoten und unter den Klängen von „My fair Lady“ ist man in der Spur und somit für die Bängglerfasnacht 2016 gerüstet.
Das hierbei nicht immer alles unfallfrei über die Bühne geht, mussten die BMT-Verantwortlichen an der Premierenvorstellung erfahren, haben sie doch im wahrsten Sinne des Wortes den Faden verloren. So etwas ist jedoch nicht aussergewöhnlich, wenn Puppen an Schnüren hängen, welche auch mal reissen können. Die Panne wurde innert weniger Minuten behoben und das Schauspiel konnte weitergehen.
Eine Puppe ohne Schnüre, aber enorm beweglich und mit Mike Shiva Maske, hatte auch einige Auftritte im diesjährigen Källerstraich. Wie in seiner Energieberatungs-Sendung, versucht der Sternenguru die am Telefon übermittelten Alltagsprobleme von Herrn und Frau Basler anhand seiner Karten zu lösen. Aber auch die Prominenz sucht Rat und so entwickeln sich amüsante Zwiegespräche und spitzfindige Gags.
Amüsant war auch die Auseinandersetzung von 2 Damen vom Daig mit einem Plaketten/FIFA-Verkäufer an der Tramlinie 8 im Stau vor der Deutschen Grenze.
Was dem diesjährigen „Drummeli“ fehlt, ist im Marionetten-Theater gleich drei mal vorhanden. Die Balkonszene! Köstliche kleine Wortspielereien eines älteren, „Güppli“ – schlürfenden Ehepaares.
Auch die melancholische Szenerie, in welcher ein Mann auf einer Parkbank sitzend verschiedene Begegnungen erleben darf, war hübsch anzusehen. So erscheint ihm ein Dackel der lustig alle Viere von sich streckt, eine Frau, welche ihn jedoch verschmäht und schliesslich der Tod höchstselbst, der ihn zu den Engeln ins Himmelreich leitet. Musikalisch wird dies wunderbar untermalt von der Pfyffergrubbe EGO-Säu.
Diese dürfen noch zwei weiter Male ihr Können mit dem „Spalebärg“ und der Welturaufführung des „Andresemärt“ unter Beweis stellen. Als Tambour im prächtigen Harlekin werden diese von Andy Borer begleitet. Der Trommler hat alsdann auch noch einen Soloauftritt, obwohl Solo eigentlich falsch ist. Es ist vielmehr ein Duett mit einem ganz kleinen Tambour. Einfach herrlich und ein Wunder, dass sich die Schnüre nicht ineinander verknotet haben.
Zum Källerstaich gehören aber auch Schnitzelbängg. Gleich drei der Basler Schnitzelbangg Gesellschaft (BSG) fanden sich an dieser Premierenvorstellung im Zehntenkeller ein. Den Anfang machen Die Unerheerte. Diese hatten etwas Mühe mit den widerspenstigen Helgen, konnten jedoch mit soliden Versen punkten. Gefolgt vom d Giftsprizzi, welcher einen etwas gar grenzwertigen Vers über die Vorkommnisse in der Silvesternacht in Köln darbrachte und schliesslich d Baberlabab, die bis zur Fasnacht bestimmt auch noch ihren doch guten Langvers über die Fernsehsender, sicher vortragen können. Dies war jedoch sicher der Premierennervosität zuzuschreiben. Prima hingegen der Langvers über die Landschäftler Regierung.
Höhepunkt aus Schnitzelbanggtechnischer Sicht war natürlich der Besuch des Singvogel (Comité Bangg) auf dem Münsterplatz. Er hat sich für diese Saison Neunationalrätin Blocher-Tochter Magdalene Martullo-Blocher ausgesucht. Tosender Applaus.
Nicht minder grossen Anklang fanden d Pirate. Obwohl sie kein Schnitzelbangg im herkömmlichen Sinn sind und ganz ohne Helgen und Pointen auskommen, überzeugten sie mit dreistimmigem Gesang, wunderbaren Basler Fasnachtstexten und bekannten Melodien. Wer Glück hat kann sie an der Fasnacht 2016 in einem der zahlreichen Cliquenkeller hören. Es lohnt sich.
Lohnenswert ist auch ein Besuch in einer der 4 verbleibenden Vorstellungen des Källerstraichs im Marionetten-Theater. Das Zusammenspiel der, an Schnüren hängenden und gekonnt bewegten, 20 Marionetten und realen Fasnächtlern macht einfach Spass. Die Texte sind amüsant, die Themen aktuell und die Umsetzung einfach gelungen. Gratulation zu einer tollen Vorfasnachtsveranstaltung.
Källerstraich 2016
Texte und Regie: Markus Blättler und Christoph Haering
Spiel: Ensemble BMT
Figuren: Richard Koelner
Musikalische Einrichtung: Thomas C. Gass
Vorstellungen
- Donnerstag, 4. Februar 2016, 20.00 Uhr
- Freitag, 5. Februar 2016, 20.00 Uhr
- Samstag, 6. Februar 2016, 20.00 Uhr
- Sonntag, 7. Februar 2016, 16.00 Uhr
- Sonntag, 7. Februar 2016, 20.00 Uhr
Basler Marionetten Theater im Zehntenkeller
Münsterplatz 8
4051 Basel
info@bmtheater.ch
Tel. 061 206 99 96



