Ridicule 2015: Kopf und Herz werden bestens bedient

8. Januar 2015 | Von | Bilder: Ivo Birrer | Kategorie: Top-Thema, Nachrichten

In bester Tradition präsentiert sich das Ridicule in seiner diesjährigen Ausgabe: Feine Pointen und romantisch- besinnliche Szenen, perfekte Piccolo-Töne, ebenso perfekt sitzende Trommelschläge – und das alles in einer ruhigen, unaufgeregten Stimmung, die sich umgehend auf das Publikum überträgt. Kurz: Man fühlt sich bestens unterhalten in den Räumlichkeiten des Förnbacher-Theaters im Badischen Bahnhof.

Dem diesjährigen Motto „E (volli) Nase voll Fasnacht“ fühlte sich der Berichterstatter nicht nur wegen seiner eigenen Erkältung verbunden (nach der Geräuschkulisse vor und hinter der Bühne zu schliessen, war er damit nicht der einzige). Nein, man bekam wirklich ein gerütteltes Mass voll fasnächtlicher Einstimmung in den nun beginnenden Marathon der Vorfasnachtsveranstaltungen.

Ridicule-Macher Helmut Förnbacher versucht wie immer den Spagat, einerseits mit nachdenklichen Nummern und leisen Tönen die Gehirne des Publikums zu stimulieren, andererseits aber auch auf dröhnende Lacher und gelegentliche Schenkelklopfer nicht zu verzichten. Letzteres wird vor allem in den schon traditionellen Balkonszenen bedient. Die traditionelle Mohrenkopf-Pointe und die gegenseitigen liebevollen Beschimpfungen von Helmut Förnbacher und Hanspeter Stoll inklusive.

Von den Rahmenstiggli des Ensembles, nebst den gerade Erwähnten mit Victor Behounek, Sandra Förnbacher, Gisèle Rastberger und David Wohnlich, überzeugte im ersten Teil vor allem mit einer Nummer über echte und Facebook-Freunde. Bei mancher Pointe blieb einem das Lachen im Halse stecken. Herrlich überdreht die Nummer „Stadtentwigglig“ mit Basels letztem überzeugten Autofahrer. Besinnlich, romantisch – eben echt Ridicule – freut sich und bangt Gisèle Rastberger am Sonntag vor dem Morgenstreich. Ähnlich stimmungsvoll der Gastgeber himself nach der Pause auf der „Resslirytti“.

Etwas Pech hatte man an der Premiere mit den Schnitzelbänklern. Der altgediente Bangg «Hanslimaa» suchte noch sichtbar nach seiner Form und der «Profässer Wäber-Gass» – laut Programm ein „alter“ Bangg in neuem Kleid – suchte zuhause seine Stimme und konnte gar nicht auftreten.

Für die musikalischen Höhepunkte sorgen die Tambourengruppe «pianoforte», dies vor allem mit einer sensationellen Trommel- und Lichtkomposition „Schlag auf Schlag“ und – untermalt von Irish Folk – im Pub. Dazu brillierte das Piccolo-Ensemble mit verschiedenen Pfeiferköniginnen, vor allem mit der Robertson-Komposition Fährimarsch und einer herrlichen „Route-Symfonie“.

So weit, so traditionell. Alles andere als üblich ist, dass im Ridicule eine Guggenmusik auftritt. Es ist aber auch nicht „irgendeine“, sondern «D Improvisante», welche vor ein paar Jahren schon das Charivari mit ihren schrägen Tönen und ihrer sensationellen Bühnenpräsenz gerockt hatten. Sie haben seither nichts verlernt und überzeugten auf der Förnbacher-Bühne mit ihrem Können in den Sparten Fasnachtsmusik, Marsch, Ländler und sogar Schlager. Der Gastgeber sei aber gewarnt: Diese Musiker gehen nach Vorstellungsende selten nach hause, da ist jeden Abend Party angesagt.

Ihr ganz spezielles Fest hatten unter dem traditionellen Motto «Swingvogel meets» Victor Behounek und Urs Mangold, laut Förnbacher der Retter der Baselbieter Volksmusik. Was hier in Kombination von Fasnachtsmusik und Ländler gezeigt wurde: schlicht sensationell. Und wenn das Zerbrechen der „Füüfliiber-Schale“ mitten in der Nummer geplant war: hohe Schule – wenn nicht: grandioses Bewältigen einer Panne.

Nach gut zwei Stunden endete eine wirklich gelungene Premiere, die das Publikum mit viel Vorfreude und warmen Herzen in die kalte Luft auf dem Bahnhofsvorplatz entliess. Von der Fasnacht die Nase voll hatte sicher niemand.

Mehr Bilder von der Premiere gibt es in der Ridicule 2015 Galerie.

S’ Ridicule 2015. Förnbacher Theater im Badischen Bahnhof. Spieldaten: im Januar: Mi 07., Fr 09., So 11., Sa 17., Sa 24., Fr 30. und Sa 31. Im Februar: So 01., Do 05., Sa 07., Fr 13., Sa 14, So 15. und Sa 21. Die Vorstellungen beginnen um 20 Uhr und am Sonntag um 18 Uhr. Vorverkauf: Direkt bei der Förnbacher Theater Company, Tel. 061 361 90 33, per E-Mail unter info@foernbacher.ch sowie bei allen Vorverkaufsstellen von ticketcorner (z.B. BaZ am Aeschenplatz, Bider und Tanner mit Musik Wyler, BVB, Bivoba, Manor, Migros, Post, SBB, Stadtcasino, Thalia, «print at home»). Weitere Infos unter www.foernbacher.ch.