«Fasnachtskiechli 2010»: Vom Wilden Westen über Adelboden an die Fasnacht

20. Januar 2010 | Von | Kategorie: Nachrichten

Den Umzug vom Klein- ins Grossbasel hat das «Fasnachtskiechli» schadlos überstanden. Gestern Abend ging die Premiere der dritte Ausgabe im Scala Basel über die Bühne. Ein gut aufgelegtes Publikum feierte am Schluss die beiden Protagonisten Almi & Salvi mit einer lang anhaltenden Standing Ovation.

Mit etwas Verspätung beginnt die Vorstellung erst einmal mit einer längeren «Werbesendung». Dann begrüssen die beiden Indianer Salvi (Renato Salvi) und Almi (Patrick Allmandinger) das Publikum mit einem kräftigen «Howgh». Denn schliesslich sieht der Deutsche Ex-Minister Peer Steinbrück die Schweizer als Indianer. Und sowohl auf der ganzen Welt als auch im Strassenverkehr geht es ja auch zu wie im Wilden Westen. Im Bundesrat steht Hans-Rudolf Merz am Marterpfahl. In der Stadt Basel aber herrscht echte Goldgräberstimmung, denn überall wird gebohrt und gegraben.

Nur durch eine halbstündige Pause unterbrochen geht es dann bis 23.15 Uhr Schlag auf Schlag weiter, wobei das Niveau der Stücke leider etwas schwankte.

Lustig ist die Diskussion zwischen einer Sankt-Galler Bratwurst (Salvi) und einem Basler Klöpfer (Almi). Was für eine Familienschande! Die junge Tochter der Sankt-Galler Bratwurst hat ausgerechnet einen Tommy-Senf zum Freund. Und der Klöpfer wird immer wieder abgelenkt, weil er von einem Poulet auf dem Grill nebenan dauernd angelacht wird. Leider waren die Pointen hier ab und zu sehr hart am Rande der Gürtellinie. Salvi als KLfF (Karl Lagerfeld für Fasnächtler) und Almi streiten darum, welches Kostüm das richtige sei, wobei sie sich hinter einem Paravant blitzschnell umziehen. Dann nervt in der Schaltzentrale der IWB am Morgestraich Salvi als die Mutter von Almi ihren Sohn mit ziemlich dümmlichen Witzchen, so dass er fast vergisst um vier Uhr die Strassenbeleuchtung abzuschalten. Hektisch geht es in der Notfallstation zu. Obwohl zwölf von zehn Mitarbeitern Deutsche sind stehen nur ein Oberarzt (Salvi) und ein Medizinstudent (Almi) im Einsatz. Erkenntnis: Lieber ein leerer Magen als eine volle Hose.

«Schiss Fasnacht», sagen sich Almi und Salvi zwei Stunden vor dem Morgestraich in einer Bar in Adelboden. Denn hier ist es schöner und ruhiger. Statt eines Kostüms trägt man Ski-Anzug – und statt Trommelschlegel Ski-Stöcke. Doch dann packt sie doch das Heimweh. Als Redaktoren der LWR (Läufelfinger Wuche Rundschau) lernen sie vom Blick, dass man nur dank grosser Schlagzeilen überlebt. So wird aus einer Metzgete ein «Massaker im Restaurant Bahnhof!» Als PR-Manager (Salvi als Zürcher, Almi als alkoholisierter Basler) modernisieren sie dann das 100-jährige Fasnachts-Comité. Es erhält ein neues Logo (mit Minarett statt Majorsstock), neue Cortège-Routen (entweder durch ganz Basel oder dann einfach von Beiz zu Beiz). Das Hörnli erhält eine spezielle Fasnachtsurne mit Kopflaterne und für arme Cliquen werden Sponsoren gesucht. Schliesslich wird das Böbberli, pardon Drummeli mit einer internationalen Show wie den Rolling Stones aufgepept. Diese treten auch gleich auf und beschallen lautstark das Publikum, sogar mit dem Arabi auf elektrischer Gitarre!

Köstlich dann wie Salvi und Almi (als –minu) auf Telebasel den Cortège übertragen. Sie stellen fest, dass Alte Garden ohne Piccolo besser pfeifen. Grossartig, wie sie als Claude Bühler und Nicolas Drechsler Zuschauer interviewen. Als «Schwizer Supermaa» pendelt Salvi zwischen heute und 2030 hin und her. Dann sind die Banken weg und zum Glück auch Guy Morin. Als Zeitung gibt nur noch die BaZ und Leuenberger ist immer noch Bundesrat. Doch zum Glück bleibt auch die Fasnacht (und das Fasnachtskiechli). Ungewollt lustig wird es mit Almi als angehender Schnitzelbänggler und Salvi als sein Freund, als Salvi komplett den Faden verliert, sich dann aber gekonnt in den Text zurückrettet. Schwer zu sagen wer mehr darüber lacht, das Publikum oder die beiden selber.

Musikalisch überzeugen Almi vor einer wunderschönen Südseekulisse als «Schänggelklopfer» und Salvi auf dem Susaphon und mit zwei Piccolosoli.

Höhepunkte sind eine Hyylgschicht und ein Banggvortrag. Almi glänzt als Tambour, welcher nicht üben konnte, weil er seinen kranken Vater pflegen musste. Darum ist er nur ein Vorträbler, der feststellen muss, dass er nicht mehr zur Sippe gehört. Nur an der Marschübung ist er anerkannt, da er unterwegs für Speiss und Trank sorgt. Herrlich, wie er sich dann am Cortège revanchiert. Grossartig der Bangg «D Chrampfodere-Miggeli», welcher als zwei Alti Dante morgens um halb drei in einem fast leeren Cliquenkeller singen. Mit ihren Superverse über Busacca, Zürich, die Post, Telebasel, Gigi Oeri, Polanski und Burka erhalten sie zu Recht stürmischen Applaus.

Der Abend endet vor der Hasenburg. Almi und Salvi treffen sich zum Ladärne-Ypfiffe. Sie freuen sich darauf, «drey Daag lang derfe und net miesse» und suchen mit Bauernregeln zu ergründen, ob das Wetter gut oder schlecht werde. Mit dem Kommando «Die Alte, vorwärts, marsch» ziehn sie davon.

Einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt leider eine Bemerkung im Programmheft. Nachdem Almi & Salvi im Artikel «An vieles denken» froh darüber sind, dass das Fasnachtskiechli dank genügend Sponsoren nicht der Charivari-Grippe zum Opfer gefallen ist, schreiben sie: «Wobei das Charivari, dies ist unsere persönliche Meinung, eher den ‹Erregern› Blechschmied (Programmverantwortung) und Thieriet (Obmaa) erlegen ist.»

Weitere Informationen:

Impressionen vom Fasnachtskiechli 2010 in der BFO-Fotogalerie