«Fasnacht» auf dem Stundenplan

21. Januar 2004 | Von | Kategorie: Nachrichten

Seinen Anfang nimmt das Projekt «Larven kaschieren mit Schulklassen» schon vor etwas über drei Jahren. Im Jahr 2000 stösst Pia Inderbitzin zum Fasnachts-Comité und übernimmt sogleich das Ressort «Nachwuchsförderung». Gewappnet mit einer Liste voller Ideen macht sich die Kleinklassenlehrerin zusammen mit der Arbeitsgruppe «Die erschti Lektion» an die Arbeit. Aus einer dieser Ideen wird besagtes Projekt.

«Seit der Einführung der zweiten Fasnachts-Ferienwoche vor etwas über zehn Jahren nimmt die Bindung der Kinder zur Fasnacht leider spürbar ab», so Inderbitzin. Ein Umstand, der sich schon allein darin begründet, dass viele Schulen höchsten noch alle zwei bis drei Jahre Fasnachtsumzüge organisieren – wenn überhaupt noch! Inderbitzin: «Heimatkunde sollte nebst der theoretischen auch die gelebte Fasnacht mit beinhalten. Nur fehlt in vielen Schulen heute die Zeit dafür.» Ein Faktum, dem auch Ruth Stohler, Klassenlehrerin der heute bastelnden 4b des Bruderholz-Schulhauses, beipflichtet: «Es wird immer schwieriger, die Fasnacht mit den anderen Schulanlässen wie Flohmarkt, Sternwanderung oder Projektwoche unter einen Hut zu bringen.» Da macht es um so mehr Spass, dass in der knapp bemessenen Zeit die Möglichkeit besteht, echte Larve zu basteln. Ihr sei auch schon zu Ohren gekommen, dass «einige Mütter zu Nadel und Faden greifen, um die selber gefertigten Larven mit einem schönen Kostüm abzurunden», freut sich Stohler.

Auch Pascal Emhardt, Obmann der Jungen Garde Olympia, macht der Wirbel im Atelier der «Olymper» sichtlich Spass. Für den heute 24-Jährigen war es von allem Anfang an «keine Frage, ob ich mit der Clique an diesem Projekt mitmache oder nicht.» Immerhin bedeutet dies für ihn, dass er drei halbe Tage seiner Freizeit daran geben muss. «Ich hab zum Glück einen toleranten Chef. Mein Vorteil ist, dass er selber lange Obmann war und somit weiss, was dieser Posten alles an Arbeit mit sich bringt.» Eine gesunde Einstellung, die aber leider offensichtlich nicht von allen gleich geteilt wird. «Klar könnten wir noch mehr Cliquen brauchen, welche sich für diese Sache zur Verfügung stellen. Deshalb haben wir auch damit begonnen, nebst den Jungen auch die Alten Garden der Stammvereine anzuschreiben», sagt Inderbitzin. Ist nur zu hoffen, dass dieser Gedanke noch etwas mehr um sich greift.

Bleibt denn auch etwas für die Vereine hängen? «Von Seiten des Comités fliessen keine Gelder. Allerdings beteiligen sich die Schulen mit zehn Franken pro Kind an den Kosten für das Material», erklärt Inderbitzin. Viel wichtiger als der materielle Aspekt ist natürlich die Frage, ob das eine oder andere Kind so schon den Weg in die Trommel- und Piccolostunden gefunden hat. Dazu Emhardt: «Vor zwei Jahren stiessen fünf Kinder über die Bastelnachmittage zu uns. Drei davon sind immer noch dabei.» Und das ist – da kann jeder Obmann einer Jungen Garde ein Lied davon singen – eine gute Quote.

Schon beinahe Pflicht ist heute die Frage nach der Integration und inwiefern diese mit dem Projekt und der Fasnacht in Verbindung gebracht werden kann. «Natürlich ist das auch ein Hintergrund, vor allem bei Klassen aus dem Gundeli, St. Johann und Kleinbasel», so Inderbitzin. «Die Kinder kommen mit unserem Brauchtum auf eine Art in Berührung, die ihnen sehr entspricht: Verkleiderlis und Musik spielt in allen Kulturen eine grosse Rolle!» Plötzlich wird es im Atelier der Olympia hektischer. Zwei Stunden sind vorbei, alle Larven sind angepasst, die Augen und Nasenlöcher ausgeschnitten und die Kinder auf dem Sprung nach Hause. Schnell noch eines der Kinder zum Interview beten, bevor alle mit voll gepackten Plastiktaschen im Regen davon düsen.

«Es ist schon lustiger und macht mehr Spass als normale Schule», meint Benjamin Ostermayer (10) und lächelt verschmitzt in Richtung seiner Klassenlehrerin. Ob er sich denn vorstellen könne, in Zukunft Fasnacht zu machen? Ein klares «Jä», gefolgt von einem deutlichen Nicken – und schon springt er, mit der vorausgefüllten Anmeldekarte der Olymper in der linken Hand, davon. Ein erstes Mal Fasnachtsluft schnuppern kann er bereits am 20. Februar. Dann findet nämlich die Schulfasnacht des Bruderholz-Schulhauses zusammen mit den Schulen des Gundeldinger-Quartiers statt. Und vielleicht steht er ja bereits in einem Jahr im Vortrab einer Basler Clique.