«dr ufftaggt 07»: Mozarts «Zauberflöte» mit sterbendem Schwan!

25. Februar 2007 | Von | Kategorie: Nachrichten

Auch die vierte Ausgabe von «dr Ufftaggt: die ultimativ allerletschty Vorfasnachts-Veraaschtaltig» war – wie ihre Vorgänger – die unkonventionellste und zugleich anspruchvollste aller Basler Vorfasnachts-Veranstaltungen. Hier vereinigten sich Ungewöhnliches, Neues, Verrücktes und Traditionelles. Doch der gewagte Spagat zwischen Klassik, Moderne und Basler Fasnachtstradition, sowie einem kräftigen Touch Satire begeisterte auch dieses Jahr das Publikum im bis auf den letzten Platz besetzten Foyer des Theaters Basel.

«Auf vielfachen Wunsch bringen wir heute Mozarts grandioses Werk „Die Zauberflöte“ nicht nur in kurzen Sequenzen wie letztes Jahr, sondern in Vollversion», so der Moderator Florian Volkmann bei seiner Begrüssung. Und schon ertönten die ersten Takte der Ouvertüre aus den Lautsprechern. Die Melodie wurde dann von den acht Mitgliedern vom «Basler Piccolo Ensemble» weitergespielt bis das Orchester dann wieder den Schlussakkord setzte. «Mozart und Joseph Bodin de Boismortier kannten sich nicht», erlärte Volkmann. Kein Wunder, lebte der französische Barock-Komponist doch 133 Jahre früher. Dessen dreisätziges a-Moll Konzert für fünf Flöten komponierte Bernhard «Beery» Batschelet in ein «Konzert für sechs Piccoli» um. So entstand ein zwar musikalisch recht anspruchsvolles, aber wunderschönes Barock-Stück. Und der Uraufführung folgte sogleich die nächste mit «Old Music for a Shitty Instrument & Blues for Eight». Die beiden verschiedenen Stücke schrieb Batschelet speziell für den Ufftaggt 07.

Dann wurde die Neuzeit verlassen und ein gewaltiger Schritt in die musikalische Zukunft gemacht. Erstmals öffentlich aufgeführt wurde das von Heinz Holliger 2002 komponierte und mit der Widmung «Den Kultur-Kahlschlägern der Basler Regierung und der Basler Zeitung herzlichst zugeeignet» versehene (MA)(S)SACRILEGION D’HORREUR. «Das Stück für acht Piccoli und vier Basler Trommeln ist das weitaus Schwierigste, Anspruchsvollste, Kompromissloseste und Lauteste, was je für Pfeifer und Trommler geschrieben wurde», warnte der Programmzeedel. Das von Thomas Herzog dirigierte Werk enthält Melodiefetzen vom «Morgestraich» über die «Marseillaise» bis zum «Dies Irae». Wer kann, konnte die auf eine grosse Leinwand projizierten Noten mitlesen. Aus dem Zuschauersaal erntete es den «spontanen» Zwischenruf: «Das het doch nyt meh mit Fasnacht z due». Worauf Batschelet entgegnete: «Sie haben Recht, diese dichte Komposition ist geiler Saulärm». Wie zur Bestätigung wurde das Stück dann wiederholt. «E Katzemuusig», stelte eine Zuhörerin lakonisch fest.

Viel Beifall ernteten die «A Capella Schnuuredrummler», welche ohne Instrument das virtuose neue und das behäbige alte Basler Trommeln gekonnt persiflierten und am Schluss eine imaginäre Trommel auf den Rücken nahmen und davontrotteten. Bravourös auch die Idee von Michael Robertson. Zur Melodie von Dury Schmids «Läggerli» fügte er sieben neue Unterstimmen hinzu. So verdichtete sich das Stück innerhalb der vier Verse von Solo bis 8-stimmig. Gegen Schluss setzten nach und nach die einzelnen Unterstimmen aus bis nur noch ein Piccolo die Originalmelodie spielte. So entstand ein wunderschönes «Blocherli». Den Übergang zum Finale machte die Prima Ballerina Irene Pedrotti. Begleitet vom Piccolo-Ensemble mit zwei neuen, wunderschön tönenden «Bass-Piccoli» tanzte sie hervorragend den sterbenden Schwan aus dem «Carnaval des Animaux» von Camille Saint-Saëns. Doch woher für das «Grosse Finale» die angekündigten 500 Tambouren nehmen? Man lässt – typisch Ufftaggt – die Zuschauer stehend «Ram clam clam, ram cladda clam» singen, und schon ist der Riesenaufritt perfekt. Nach einem abrupt abgewürgten «Morgestraich», langanhaltendem Beifall und Blumen für alle Mitwirkenden ging die kurzweilige Konzert-Matinéezu Ende.

Das «Basler Piccolo Ensemble» mit Sandra Mesmer-Preiswerk, Kevin Klapka, Andrea Lötscher (sie reiste extra aus Paris an), Xenia Fünfschilling, Regine Steinauer, Michael Robertson, Dorothee Anderegg und Beery Batschelet begeisterten musikalisch ebenso wie das «Trommel-Ensemble» Matthias Würsch, Thomas Waldner, Florian Arbenz und Geri Huber, und die «Schnuuredrummler» Martin Bammerlin, Beat Läuchli und Roman Huber. Am Klavier und Sinthesizer Kristina Videki, die künstlerische Leitung lag in den Händen von Bernhard «Beery» Batschelet, seine Produktionsassistentin war Xenia Fünfschilling.