Der Auftakt zum Marathon der Comité-Schnitzelbänggler im Theater Basel war fast perfekt: Nach den Sans-Gêne Stritzi hätte eigentlich der auf fünf Köpfe angewachsene «Männerchor» der Verschiffte mit ihrem Beatles-Revival den Tarif für die folgenden dreieinhalb Stunden angeben sollen. Das in wetterfesten Kostümen auftretende Quintett, das «All you need is Love» in «All we need is Dölf» umgetauft hat, lässt sich vorerst über die Befindlichkeit des Bundesrates aus und singt dann im Refrain:
Mer frogen ys wie’s goot
Mer froogen ys wie’s goot
Mer froogen ys wie’s wyyter goot
Ohni Ogi im Bundesroot.
Aus «Let it be» wird dann «Es kennt syy» und da heisst es etwa:
Mer hänn ys gfroogt, was macht dr Ogi,
schliesslig muess är neyme sii
Die ganzi Wält die bruucht ihn –
und zwor gli, und zwor gli.Isch är äggscht z Amerika
Im Berooterstaab vom Busch derbi?
Är wisst-y sicher Root wie’s goot:
Es kennt syy, s kennti syy.Oder wird är Osterhaas,
kocht Eier an den Ostere glii?
Är wyssti sicher Root wie’s goot:
Es kennt syy, s kennti syy.Nai s sich anders koo dernoo
und alli freye sich derbii
Freude herrscht im ganze Land:
Är fahrt Schii, är fahrt Schii!!
Zuvor hatten jedoch die beiden Käärnebigger mit ihrem Auftritt beim noch «kalten» Publikum einen schweren Stand. Mit diesem Vers hatten sie aber die Lacher auf ihrer Seite:
Kirzlig hänn sy z Basel e Museums-Nacht gmacht.
Houu, wie hämmer iber die Museums-Nacht glacht.
Im Museum het me nämmlig z underscht unde
die wyssi Weschte vom Diräggter Schindhelm gfunde.
Den grössten Erfolg verzeichneten die Penetrante mit einem Super-Einfall. Zum frivolen Plakat-Helgen eines Dessous-Fabrikanten pfiffen sie ihre Bänggler-Melodie und liessen als Pointe einfach einen anerkennenden Pfiff folgen . . . Originell auch dieser Vers der Fätzerysser:
Schaltet alli s Handy y
und döggelet die Nummere dry.
Mir sinn im Stress und hänn kai Zyt
und sinn scho wiider gange,
Si kenne speeter unsri Värs, per SMS empfange.
Show-Time dann mit den beiden Wöschwyyber alias Glettyse, die mit Mini-Helge, Triangel und gelegentlichen Anleihen beim Mainzer Carneval (Tätää, tätää, tätää) das Publikum nicht nur zum Lachen, sondern mit diesem Vers auch zum Mitmachen bringen:
Jetz stehn alli uff, Gross und Glai,
Diend Eych stregge, schiddlet d’Bai.
Jetz hogget ab, saaget «Danggscheen», glettet d’Hose:
Dangg uns griegt kain vo Eych do inn d’Trombose!
Inzwischen zum sicheren Wert gemausert, erscheint hinkend Musketier Hanslimaa und erklärt:
Jetz dängge Sii sicher – es gscheet em rächt,
wäg dr schwäären Oorgele lauft är so schlächt.
Derbyy hingg ych numme – jetz han ys Gschängg,
wäg mym öölverschmiirte Sulzer-Glängg!
Die nostalgisch angehauchten Gluggersegg – im Matrosen-Look – sind gesanglich auch zu Dritt noch super. Kurz und bündig singen sie zur Melodie «I am sailing»:
Qualiflyer-Aggtie singge!
Hools der Gaier,
Wind bloost rauh!
SAir-Grubbe
trüebi Subbe –
und em Bruggisser sait me tschau!
Die mit und als Georges Brassens-Verschnitt auftretenden Blauäugige haben ein eher makabres Thema sehr subtil und durchaus vertretbar aufgegriffen:
Linggs isch dr Duume rächts – so hämmers alli gleehrt
und rächts dr Duume linggs – hejo grad umgekeert.
Mir wänn di mit däm Värs nit öppe schygganiere,
doch wenn de das nit weisch, denn darfsch nit operiere!
Nach 32 Jahren noch immer bemüht, möglichst viele Silben in einen Text unterzubringen, singen d Stächmugge in chicen neuen Kostümen zum Mais am Marktplatz:
Worum fühlt sich halb Basel au e dääwääg düpiert,
well vis-à-vis vom Roothuus der Mc Donald yymarschiert
und syy food drapiert? Do wuurde d Groosssreet doch vyyl Zyt yyspaare, kennte graad ibere flaniere –
und deerfte in däären Ambiance iirem Nywoo gmäss diniere!
Kurz und bündig nicht nur die Verse des Duos Passe-Vite, sondern auch ihr Wunsch:
An d Gratiszytige, woos no git,
hätt ich e Vorschlaag und e Bitt:
Verschängget doch s Papier als Nutze,
ooni Farb zem s Fudi butze.
Für Heiterkeit hat der als Trio auftretende Banggomat mit dieser gelungenen Kombination gesorgt:
S’gitt Bettsoggeträäger und Vorwärtsparkierer,
au klassischi Feschtnetz-Delifonierer!
Warmduscher und Elainoochhäärpenner!
Dr schlimmscht isch – maint sone Neywort-Briefer –
dr Tschuudi als Wiederyyneschliefer!
Zur Verliererin der Basler Regierungsrats-Wahlen meint der Schacher Seppli alias Peperoni:
Zerscht han y dänggt: hejo – das wärs,
jetzt none scheene «uff Wiidersee Frau Schaller»-Värs!
Iiber das, wie sii der Huet muess nää – doch das goot mer z wyt:
sii isch jo duss und alles Wytere isch im Grund gnoo schaad fir d’Zyt…
Als Spitzenbangg outet sich auch der Singvogel mit seiner Vogelfängerin im Schlepptau. Auch ohne TV-gerechten Pointen-Test, mit dem er für zusätzliche Heiterkeit sorgt, hat dieser Vers Furore gemacht:
Vo wäge Schindhelm, wäge Stasi, wägen Eerligkait:
Wie mängge het e dunggle Flägg in der Vergangehait.
Zem Byspiil het der Joschka Fischer Hüüser bsetzt als Junge,
und der Tschudi, dä het amme bi der Striggete mitgsunge.
Noch älter als die obgenannte Kleinbasler Yynestächer-Truppe, die inzwischen mit viel publizistischem Aufwand mehr Wind als Fasnacht macht, sind d Setzlig, die in diesem Jahr mit neuen Glitzer-Kostümen ihren Dreissigsten feiern und Verse wie diesen singen:
Si hänn em -minu Auge gmacht, scheen und kugelerund,
dass ihre Namme au emol in der Zytig kunnt.
Jetz, wo der -minu elter isch, leens e huffe sy
und zahle zem in d Zyttig z ko, d Styre nimmen y.
Die vier Nachthemmli-Glunggi, die als Gasladärne auch bald ein Vierteljahrhundert dabei sind, haben für sich zur Besteuerung der Fasnachtscliquen diese Lösung gefunden:
Jetz solle d Fasnachtsglygge au no Styyre zaale.
Me fluecht vo AGB bis Gundeli und Spaale
Uns drifft das nit, die solle mache wie sie wänn,
will mir als Bänggler schliessligg s Bangge-Ghaimnis hänn.
In Kapitäns-Gala-Uniform tritt der Fäärimaa auf, dem zu den Sparübungen der Post das eingefallen ist:
Bi dr Poscht hänn sie s gmerggt und s isch au gange,
s git no anderi System für Warteschlange.
Jetz isch es richtig spannend, denn Du waisch no nit,
wenn Du dra kunnsch, ob s denn die Filiale no git…
Den grössten Applaus ernten die als blonde Schiggsen im langen Blau-grünen auftretenden Syydiaane für die hoch in die Ränge hinauf geworfenen Zeedelrollen. Das ist bei den quasi-neuen Schoofsuri anders, die mit Harfe und Handörgeli auftreten und – zur transponierten Soft-Version von «Dört obe am Bärgli» – den in petto haben:
In Washington D.C. sait dr Senator Jim,
D‘ Steak sott me teschte – i trau dene nimm.
Au mir sinn firs teschte, so frieh ass es goht,
Heersch dr Bush denne schnuure – no waisch es isch z’spoot.
Manch einer der Bängge, der zur späten Stunde auf ein doch etwas ermüdetes Publikum gestossen ist, hatte es etwas schwer, seine Pointen anzubringen. Andere wiederum, wie etwa die den Drägg weg wischenden Stroossewischer oder der mit einem veritablen Blasorchester auftretende Altmeister Schuuflebuur bekundeten da keine Mühe. Von ihnen und anderen wird am nächsten Montag noch die Rede sein, wenn sie am Schlussoobe ihren letzten offiziellen Auftritt an der Fasnacht 2001 gehabt haben. Soviel aber schon jetzt: Es war ein fast lückenlos guter Schnitzelbangg-Jahrgang.



